Politik | Inland
10.10.2018

Strache und Haider: Was sie unterschieden und geeint hat

"Strache ist als Koalitionspartner weitaus besser geeignet als Haider", analysiert OGM-Chef Wolfgang Bachmayer.

Heinz-Christian Strache gegen Jörg Haider – das war in den Jahren zwischen der Gründung des BZÖ im April 2005 und Haiders Tod vor zehn Jahren zum Teil ein beinharter Kampf der beiden Parteichefs des Dritten Lagers. Warum die Auseinandersetzung mit so harten Bandagen geführt wurde, das erklärt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer im KURIER-Talk mit Chefredakteurin Martina Salomon.

Vor allem wären Strache und Haider „in ihren Persönlichkeitsstrukturen absolut nicht vergleichbar, teilweise gegensätzlich“, sagt Bachmayer. Haider war für den Meinungsforscher „ein Grenzgänger in jeder Hinsicht“ und „unberechenbar und dünnhäutig“. Strache hingegen sei „berechenbar, stabiler und deswegen natürlich als Koalitionspartner weitaus besser geeignet als seinerzeit Haider“.

Die Unterschiede zwischen den beiden hätten sich aber nicht nur in ihren jeweiligen Persönlichkeiten gezeigt. Auch sei die FPÖ unter Strache eine andere als sie es unter Haider war – vor allem mit Blick auf die Struktur und das handelnde Personal.

Buberln und Burschen

So denke man bei der Strache-FPÖ „eher an die Burschenschafter“, während die Freiheitlichen unter Haider nach wie vor mit der „Buberl-Partie“ assoziiert würden. Letzteres versteht Bachmayer übrigens dezidiert nicht als Kompliment: Zwar sei die Rekrutierung in Diskotheken wohl ein Zeichen für „große Akzeptanz bei den Menschen damals“ gewesen. Mit „politischer Substanz“ habe das aber nichts zu tun gehabt, wie sich auch an der „gemischten Qualität“ von Haiders Team während der ersten schwarz-blauen Koalition zu Beginn der 2000er-Jahre gezeigt hätte: „Die meisten denken vielleicht an Grasser und ähnliche, aber es gab auch Kurzzeit-Justizminister, die nach wenigen Tagen schon wieder ausgeschieden sind“, gibt Bachmayer zu Bedenken.

Trotz all dieser Differenzen ortet der Meinungsforscher aber auch klare Gemeinsamkeiten zwischen der Haider- und der Strache-FPÖ. Vor allem in „Stil und Thematisierungen“ wären sich die Parteien „eigentlich recht ähnlich“.

So hätte Jörg Haider während seines Aufstiegs bis hin zur Übernahme der Freiheitlichen 1986 durch den Innsbrucker Putsch „eine völlig neue Note“ in die heimische Politik gebracht, nämlich „sehr viel Emotionen, Angriffigkeit, Provokation“. Sowie „diese Anti-Haltung. Anti-Privilegien, Anti-altes-Establishment. Und dann letztlich natürlich Anti-Ausländer und Anti-Zuwanderung.“ Zwar habe Jörg Haider den Populismus „nicht erfunden, den gab es schon vorher. Aber er hat ihn sicher auf die Spitze getrieben und für die damaligen Zeiten perfektioniert“, so Wolfgang Bachmayers Analyse.