Politik | Inland
09/06/2014

Steuer-Studie zeigt Segen einer "breit angelegten Entlastung"

EcoAustria-Experte: Auch Gutverdiener gehören entlastet, dann profitiert langfristig die Gesamtwirtschaft.

Die Steuerreform soll unter anderem die Senkung des Eingangssteuersatzes von 36,5 "in Richtung" 25 Prozent bringen – angesichts der Reallohnverluste der vergangenen Jahre und der lahmen Konjunktur eine vorrangige Aufgabe. Darin sind sich alle Experten einig. Was bisher zu wenig diskutiert wurde, sind die Kosten und Wirkungen solcher Maßnahmen – und, ob nicht eine Entlastung auch der Besserverdienenden sinnvoll ist.

Zu den Kosten: Allein die besagte Reduktion der ersten Steuerstufe auf 25 Prozent, würde nach Berechnungen von EcoAustria, einem industrienahen Wirtschaftsforschungsinstitut in Wien, rund fünf Milliarden Euro verschlingen. "Angesichts der wirklich sehr angespannten Budgetsituation ist das ein gewaltiger Brocken", sagte Forschungsleiter Ulrich Schuh im KURIER-Gespräch.

Schuh hat mit seinen Kollegen die Auswirkungen der geplanten Steuersenkung anhand zweier Szenarien errechnet. Die Studie liegt dem KURIER vor.

Verglichen wurden dabei die ausschließliche Senkung des Eingangssteuersatzes mit einer Streuung der Entlastung über alle Steuerstufen. Beide Male wurden dafür die fünf Milliarden Euro eingesetzt.

Im Ergebnis sprechen laut Schuh drei wesentliche Gründe "für eine breiter angelegte Steuerentlastung", also auch der Besser- und Spitzenverdiener:

Wachstum Werden auch höhere Einkommen entlastet, kommt es laut Studie zu langfristig positiveren Wachstums- und Beschäftigungseffekten. Dahinter stehen Faktoren wie längerfristige Bildungs- und Investitionsentscheidungen höher qualifizierter Arbeitnehmer und von Unternehmen. Lediglich kurzfristig reagiere der Arbeitsmarkt und die Konjunktur positiver auf die ausschließliche Entlastung der Niedrigeinkommen.

Progression Auch würde die Progression im Steuersystem durch die alleinige Reduktion des Eingangssteuersatzes verschärft. Nur wenn alle Tarifstufen gesenkt würden, könne das verhindert werden.

Verteilung Schon bisher sei die Steuerbelastung auf hohe Einkommen ständig gestiegen, während die niedrigeren und mittleren Gruppen stärker von der Anhebung der Absetzbeträge, von Negativsteuerelementen und Tarifreformen profitierten, erinnert Schuh. Im Jahr 2011 (letzter verfügbarer Wert) hätten die obersten 20 Prozent der Einkommensbezieher 75 Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer gezahlt.

Schuhs Ergebnisse decken sich im Wesentlichen mit den Empfehlungen von WIFO-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller. Sie differenziert jedoch zeitlich und sagt: "Auch die mittleren Einkommen gehören entlastet, aber die erste Stufe der Steuerreform sollte sich vor allem auf die unteren Einkommen fokussieren." Dies gäbe kurzfristig einen "konjunkturellen Impuls, um eine Erholung der Wirtschaft zu unterstützen".

Was dem einzelnen Steuerzahler übrig bleibt, wenn der Eingangssteuersatz auf 25 Prozent sinkt, die anderen Tarifstufen aber gleich bleiben (43,2 bzw. 50 %), zeigt die Grafik. Wer im Monat 1500 Euro verdient, müsste künftig statt 1132 nur noch 703 Euro an Lohnsteuer im Jahr berappen. Das entspricht einer Ersparnis von 430 Euro. Bei höheren Einkommen steigt die Entlastung auf bis zu 1610 Euro.

Bei der breiten Entlastung (Steuerstufen 30,8 %, 36,5%, 42,2 %) zeigt sich: Im unteren Einkommensbereich schrumpft die Ersparnis von 430 auf 176 Euro. In der Mitte blieb die Entlastungswirkung fast ident. Und oben, bei einem Monatsbrutto von 6000 Euro, steigt die Entlastung von 1610 Euro auf 3334 Euro.