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Bildungsreform

"Status quo wird weiteres Jahrzehnt einzementiert"

Kritik am Regierungsplan zu Gesamtschule und Autonomie, Neuerungen für die Kleinen behagen.

von Karin Leitner, Bernhard Gaul

11/18/2015, 06:00 AM

In einem Punkt sind sich der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft Paul Kimberger, die einstige Wiener AHS-Direktorin Heidi Schrodt und der Bildungsfachmann Andreas Salcher einig: Die Neuerungen für die Kleinsten – Sprachstandsfeststellung, auch das zweite Kindergartenjahr verpflichtend etc – seien gut. "Wenn das ausreichend finanziert und umgesetzt wird, ist das ein großer Fortschritt", urteilt Salcher.

Etliches anderes missfällt dort wie da. Die von Rot und Schwarz gepriesene Autonomie, die die Schulen fortan hätten, ist für Schrodt "keine echte". Eine solche hieße, dass die Schulen ein Globalbudget haben und sich das Personal aussuchen können.

Er habe in Sachen Autonomie weniger von der Regierung erwartet, sagt wiederum Salcher. Wobei "offen ist, wie das konkret umgesetzt und das Gesetz dazu aussehen wird. Wesentlich ist, welche Rechte der Direktor tatsächlich hat, oder ob er bei allen Entscheidungen von anderen abhängig ist."

Kimberger befürchtet, dass es noch schwieriger werden wird, Pflichtschulleiter zu bekommen – "weil das mit fünf Jahren befristet ist. Schon jetzt tun sich das viele nicht an. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. Ein Direktor hat keine administrative Unterstützung."

Ebenso warnt Kimberger, "dass die Bürokratie nicht geringer, sondern größer wird". Allerlei Daten seien künftig zu erheben. Im Reformpapier sei von Qualitätsberichten, Entwicklungsplänen, Zielvereinbarungen usw. die Rede. Missfällt ihm nicht eher, dass damit die Leistung von Schulen vergleichbar werden soll? "Nein", beteuert der Standesvertreter: "Ich weiß ja, dass die Schulen sehr gut sind."Was deren Verwaltung anlangt, urteilt Salcher: "Bei der pädagogisch irrelevanten, aber heiklen Machtfrage, ob Bund oder Länder bestimmen sollen, hat man sich semantisch drübergeturnt. Die entscheidende Frage wird sein: Wem ist der Bildungsdirektor weisungsgebunden? Als Diener zweier Herren funktioniert das nicht."Für Schrodt ist das Manko die Lösung für die gemeinsame Schule: "Dass man den Ländern, die das haben wollten nicht ermöglicht, aus dem ganzen Bundesland eine Modellregion zu machen, ist eine große Enttäuschung." Eine noch größere sei, dass die Gemeinsame Schule vorerst – noch dazu auf 15 % der Schüler begrenzt – erprobt werde: "Und das jetzige System diese zehn Jahre weiterläuft. Damit wird der Status quo ein weiteres Jahrzehnt einzementiert."

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