Politik | Inland
11.07.2018

Spitzenbeamte des Ministeriums setzten Direktorin unter Druck

Auch Kabinettschef von Bildungsminister Faßmann stattete AHS-Direktorin Besuch ab.

Der letzte Schultag war für Ilse Rollett, Direktorin der AHS Rahlgasse in Wien, alles andere als entspannend. „Kurz vor acht Uhr standen plötzlich vier Beamte vor meiner Tür“, sagt sie zum KURIER. Darunter die ranghöchsten Mitarbeiter von Bildungsminister Heinz Faßmann – Kabinettschef Markus Benesch sowie Generalsekretär Martin Netzer.

Grund: Rollett hatte mit  weiteren Schulleiterinnen Kritik an den Deutschklassen geübt. Dabei schloss sie solche Klassen an ihrer Schule kategorisch aus und erklärte auch, „dass  sie als AHS von dieser  Maßnahme  sowieso  nicht betroffen ist.“

Im Ministerium war die Verärgerung über die Aussage so groß, dass sich die höchsten Beamten bemüssigt fühlten, sich auf den Weg in die Schule zu machen, um der Direktorin „klar zu machen, dass Gesetze einzuhalten sind.“ Ein einmaliger Vorgang – alle vom KURIER befragten Pädagogen können sich nicht erinnern, dass in dieser Form Druck auf Schulleiter ausgeübt wurde. Gab es Probleme, war immer der Stadt- bzw. Landesschulrat involviert.   

Gegenüber dem KURIER sagt Rollett, „dass ich natürlich Gesetze einhalte. Als Gymnasium sind wir in einer privilegierten Situation, weshalb ich meine Kolleginnen von den Pflichtschulen unterstützen wollte.“

Was Rollett besonders verwundert: „Die Beamten sagten, dass sie nicht nur von Boulevardmedien, Opposition und eigenen Leuten unter Druck wären, die wissen wollten, was das Ministerium mit einer, die offen zum Gesetzesbruch aufrufe, mache und welche disziplinären Maßnahmen es da gäbe.“

Die Opposition macht Druck? SP-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid  verneint: „Unser Positionen zu den Deutschklassen sind hinlänglich bekannt. Wir lehnen sie auch weiterhin ab.“  Die Vorgangsweise ihres Nachfolgers verwundert sie: „Ich hoffe nicht, dass das Ministerium jetzt damit beginnt, dass Schuldirektoren unter Druck gesetzt werden, die darauf aufmerksam machen, dass Deutschklassen allein schon organisatorisch schwer umsetzbar sind.“

Neos-Chef Matthias Strolz geht mit dem Ministerium noch härter ins Gericht: „Schüler stehen offensichtlich schon lange nicht mehr im Zentrum der Überlegungen des Bildungsministeriums, sondern die Message Control (Steuerung von Nachrichten, Anm.). Aber Maulkörbe für Betroffene haben noch selten geholfen, die Qualität von Maßnahmen zu verbessern. Dabei sollten wir auf die Expertise und Erfahrungen Pädagogen hören, nur so können wir die besten Lösungen für Schüler finden. Ich bin daher froh, dass es Initiativen aus den Schulen gibt, die versuchen, die Deutschförderung zu retten.“

Und wie begründet man im Ministerium den Vorgang? „Wir haben das persönliche Gespräch mit der Direktorin gesucht und Unterlagen zu den Deutschklassen mitgebracht, in denen alles drin steht“, heißt es aus dem Büro von Heinz Faßmann.

Rollett hat  in der Causa um Unterstützung der Gewerkschaft gebeten. AHS-Chef Herbert Weiß will dazu nichts sagen, „bevor ich mich nicht im Detail mit der Sache beschäftig habe.“