Politik | Inland
12.01.2018

"Sozialministerin Hartinger tut mir mittlerweile leid"

Neuer SPÖ-Manager visiert Blaue an und will die SPÖ von der Systempartei "zur Alternative" machen. Max Lercher im KURIER-Interview.

KURIER: Vor genau einem Jahr hat Christian Kern unter großem Jubel seinen Plan A präsentiert, jetzt ist man in Opposition. Hätte man im Jänner Neuwahlen ausrufen sollen, wie Kern das mittlerweile sagt?

Max Lercher: Aus jetziger Sicht ist das so, aber im Nachhinein ist man immer gescheiter. Christian Kern wollte mit der ÖVP regieren – danach hat sich herausgestellt, dass rund um Sebastian Kurz schon längst der Umsturz geplant war. Bei uns sind dann aber auch Fehler im Wahlkampf passiert, die Organisation der SPÖ hat Schwächen offenbart. Die möchte ich abstellen.

Was sind das für Schwächen?

In der Partei wurde der Aufbau eigener Kompetenz zu wenig gefördert. Ich will diese im Haus aufbauen, damit wir auf Beratung von außen möglichst verzichten können. Wir müssen kampagnenfit werden und wollen die Struktur zur Mitgliederpartei verändern. Die SPÖ wird wieder Kritik am System üben. Es war falsch, das lange nicht zu tun.

Die SPÖ war als Kanzlerpartei ja "das System". Wie hätte man da Systemkritik üben sollen?

Wir müssen vom System zur Alternative werden. Die Regierung liefert uns vieles, dem wir entgegentreten wollen. Wir setzen vehement Aktionen gegen die Arbeitsmarktpolitik der Regierung. Die FPÖ ist ja überall umgefallen, Sozialministerin Hartinger tut mir mittlerweile leid. Jetzt wurde sie von ihren Parteichefs entmachtet, weil sie sich zu Recht dafür einsetzt, dass es keinen Zugriff auf das Vermögen Arbeitsloser gibt.

Die SPÖ nimmt vor allem die FPÖ ins Visier. Ist es das Hauptziel, Blauwähler zurückzuholen?

Wir wollen denen die Hand reichen, die jetzt von der FPÖ enttäuscht werden.

Sie sind der sechste SPÖ-Geschäftsführer seit 2013. Warum gibt’s da keine Kontinuität?

Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Aber ich bin gekommen, um zu bleiben.

Welcher Vorgänger ist ihr Vorbild? Niedermühlbichler?

Ich will meine Vorgänger nicht bewerten, aber meine Vorbilder sind Karl Blecha und Fritz Marsch. Die waren innovativ in Sachen Organisation, das will ich auch sein.

Sie kündigten ein Grundsatzprogramm für Herbst an. Ist das ein Abweichen vom Plan A?

Der Plan A war ein Regierungsprogramm mit konkreten Maßnahmen. Das Grundsatzprogramm wird das Fundament für uns für die Oppositionsarbeit. Zudem brauchen wir eine Parteiöffnung, mehr Rechte für die Mitglieder und einen stärkeren Fokus auf die Ortsgruppen.

Die Verhältnisse in der Wiener SPÖ sind ungeklärt. Sind Sie für Ludwig oder für Schieder?

Ich bin für die innerparteiliche Demokratie. Als Bundesgeschäftsführer bin ich nicht für einzelne Kandidaten, sondern für die Partei zuständig.