Pensionsalter erhöhen? Was Korosec an der Debatte ärgert
Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-jährigen Frauen ist in Österreich kräftig gestiegen: Laut Eurostat auf rund 57 Prozent Ende 2025. Das liegt in erster Linie an der Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters. "Das ist super. Und es ist auch nicht so, dass die Arbeitslosigkeit enorm steigt, wovor viele Kritiker der Erhöhung des Frauenantrittsalters gewarnt haben", sagte Ökonom Dénes Kucsera vom wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria zum KURIER.
Um das System langfristig leistbar zu gestalten, müsse das gesetzliche Pensionsantrittsalter aber weiter angehoben werden. Laut der langfristigen Budgetprognose des Finanzministeriums und weiteren Berechnungen machen die Pensions-, Pflege- und Gesundheitskosten bis 2060 den Bärenanteil Österreichs steigender Ausgaben aus.
Korosec: "Darf nicht ausgeblendet werden"
Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) sieht das Hauptproblem nicht beim Pensionsalter: "Beim Blick auf den Arbeitsmarkt für Ältere darf die Situation für die Betroffenen nicht ausgeblendet werden." Laut Arbeiterkammer-Studie zur Älterenbeschäftigung hätten rund 7.400 Betriebe oder 30 Prozent der Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten niemanden über 60 angestellt.
Das würde sich auch in der Arbeitslosenstatistik widerspiegeln, so Korosec: "Im Februar waren 112.242 Menschen über 50 arbeitslos. Das ist ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr." Ältere seien zudem besonders häufig von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
Aktuell würden rund 18 Prozent der 55- bis 64-Jährigen direkt aus der Arbeitslosigkeit oder dem Krankenstand in die Pension wechseln. Diese Erwerbslücke, so Korosec, "kostet den Staat enorm viel Geld", nämlich etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr. Das sei auch deshalb ein Paradoxon, da viele Betriebe den Fachkräftemangel beklagen, aber gleichzeitig auf erfahrene Arbeitskräfte verzichten würden.
Korosecs Gegenvorschläge
Was schlägt Korosec, die auch auf die "menschliche Dimension" von Arbeitslosigkeit im Alter verweist, also vor?
"Ich fordere erneut einen sozialpartnerschaftlichen Schulterschluss zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Staat für mehr altersgerechte Arbeitsplätze." Zudem seien gezielte Weiterbildungsoffensiven und betriebliche Gesundheitsförderung nötig. "Wenn Menschen schon mit 50 plus als zu alt für den Arbeitsmarkt gelten – wie sollen dann 60- oder 64-Jährige noch einen Job bekommen?"
Die 85-jährige Präsidentin bleibt bei ihrem Standpunkt, das faktische Antrittsalter dem gesetzlichen zu nähern. "Wir brauchen jetzt Nägel mit Köpfen – keine ideologischen Debatten mehr! Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, das Potenzial der Generation 50 plus brachliegen zu lassen – weder menschlich noch ökonomisch."
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