Politik | Inland
04.04.2018

Schuldirektorin will Kopftuch-Verbot "zum Schutz des Kindes“

Mädchen mit Kopftuch. Das Problem wird größer, sagt die Leiterin einer Wiener Brennpunktschule

Andrea Walach ist Mittelschul-Direktorin in Wien-Margareten, an einer Brennpunktschule mit vielen muslimischen Migranten. Im Gespräch mit dem KURIER erklärt sie, warum sie ein Kopftuchverbot bei Kindern befürwortet.

KURIER: Gibt es aus Ihrer Wahrnehmung überhaupt Kinder in Kindergärten oder Volksschulen mit Kopftuch?

Andrea Walach: Ich treffe schon immer wieder in Volksschulen und auch in Kindergärten Mädchen an, die Kopftücher tragen.

Befürworten Sie ein gesetzlichen Verbot von Kopftüchern für Mädchen in Volksschulen und Kindergärten?

Ich bin sehr für ein Gesetz, weil es dem Schutz der Kinder dient, die haben keine Lobby, die sich um sie kümmert. Wer, wenn nicht das Gesetz, soll die Kinder schützen? Wenn Eltern schon so agieren, und die Schulen und Kindergärten das akzeptieren müssen, finde ich es dringend notwendig, sich auf die Seite der Kinder zu stellen.

Was spricht Ihrer Meinung nach für das Gesetz?

Was mich am meisten stört ist, dass ja das Haar bedeckt wird, weil es ein Objekt der Begierde ist. Aber wenn sich jetzt schon kleine Kinder das Haar bedecken müssen, dann werden diese damit ja erst recht sexualisiert, und das kann doch auf keinen Fall gutgeheißen werden, schon gar nicht im Sinne des Glaubens. Für ein Verbot spricht aber auch, dass Kinder – anders als Erwachsene – einen enormen Bewegungsdrang haben. Das normale Kopftuch schränkt diesen Bewegungsdrang am Spielplatz oder beim Sport massiv ein, weil das Kopftuch meist mit Stecknadeln fixiert ist. Das Kind darf damit eigentlich nicht Kind sein. An unserer Schule, einer NMS für die 10- bis 14-Jährigen, tragen fast alle muslinischen Mädchen Kopftuch. Ich vermute, dass es da einen gewissen Gruppenzwang gibt, weil es auch Väter gibt, die ihren Töchtern den Umgang mit Mädchen ohne Kopftuch untersagen, weil diese nicht „anständig“ wären. Die muslimischen Mädchen ohne Kopftuch werden also stigmatisiert und zu Außenseiterinnen gemacht.

Das heißt, die muslimischen Mädchen beginnen immer früher ein Kopftuch zu tragen?

Ich bemerke, dass viele Mädchen inzwischen in der ersten Klasse Mittelschule Kopftuch tragen, obwohl sie auch mit zehn Jahren meist noch sehr kindlich und noch ein paar Jahre entfernt von ihrer Geschlechtsreife sind. Früher war es eher so, dass die Kinder erst mit 13 oder 14 nach den Sommerferien erstmals mit Kopftuch in die Schule gekommen sind. Ich stelle fest, dass das immer früher geschieht, eben mit zehn Jahren.

Was denken Sie, wie würden Eltern, die Kleinkindern Kopftücher aufsetzen, auf das geplante Verbot reagieren?

Gesetze müssen eingehalten werden, Gesetze stehen auch über der Religion, das ist normalerweise allen klar. Daran muss man sich halten. Ich denke nicht, dass die Kinder deshalb zu Verwandten ins Ausland geschickt werden.

Wäre es vernünftiger, nicht sofort mit der Gesetzeskeule zu kommen, sondern den betreffenden Eltern zu erklären, dass Kopftücher bei Kindern nicht erwünscht sind?

Das wäre schon der bessere Ansatz, er funktioniert nur leider nicht. Diese Gespräche werden in den Volksschulen seit langem geführt. Die Bitte, dass die Mädchen erst später ein Kopftuch tragen sollen, wird aber negiert, weil die persönliche Einstellung dieser muslimischen Eltern so dominant ist.