Nächtliche Inszenierung der Reformpartner: Warum eigentlich?
Nicht nur in der Kultur, sondern auch in der Politik entscheidet maßgeblich die Inszenierung darüber, ob das Dargebotene beim Publikum auf Gefallen stößt. Insofern ist anzunehmen, dass sich die Spitzen der Republik etwas dabei gedacht haben, als sie in der Nacht auf Mittwoch um 0.30 Uhr zur Spontan-Pressekonferenz luden. Die Frage ist nur: Was eigentlich?
Sieben Mann und eine Frau hoch trat man an die Öffentlichkeit, die eigentlich keine war, weil sowohl Medien als auch Bürger (so ihnen nicht Hitze oder WM den Schlafrhythmus zerstört haben) zu dieser Zeit eigentlich eher im Bett als vor dem Bundeskanzleramts-Livestream anzutreffen sind. Der Kanzler leitete mit den Worten „Guten Morgen“ ein, was eigentümlich anmutete, da man kurz nach Mitternacht eher „Guten Abend“ oder „Gute Nacht“ sagt – oder aber, weil man schläft, einfach nur ruhig ist. Von den Verhandlungen war Stocker so übernachtig, dass er in seinem Statement das Thema Energie zu erwähnen vergaß, was er mit der „späten Uhrzeit“ entschuldigte. (Da er zuvor „Guten Morgen“ gesagt hatte, wäre „frühe Uhrzeit“ richtig gewesen – aber sei’s drum.)
Das Gesagte ließ dann jeden Dringlichkeitswert vermissen, den man mit der Eilt-Einladung vorgaukeln wollte („Schaut, wie eifrig wir sind!“). Der Termin zeichnete sich dadurch aus, dass sich alle bei allen namentlich bedankten und wiederholten, was man schon gehört hatte. Nach dem Motto: „Es ist zwar schon alles gesagt, aber nicht von jedem.“ Ob man sich zur Geisterstund’ traf, weil Markus Wallner rasch wieder zurück hinter (oder vor) den Arlberg wollte, oder weil man den eigenen Reformpartnern die Verschwiegenheit nicht mal bis zum nächsten Morgen zutraute, sei dahingestellt. Gute Nacht.
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