Politik | Inland
24.05.2018

„Quotenmohr“: Strache entschuldigt sich

Die rechtsrechte „Aula“ bringt den FPÖ-Vizekanzler – wieder einmal – in die Bredouille.

Er ist nicht blond, er ist nicht blauäugig – und trotzdem durfte Cesar Sampson Österreich beim Song Contest vertreten? Warum bloß?

Die „Schriftleitung“ der Aula – ja, man bezeichnet sich hier tatsächlich so – war offenkundig empört über Österreichs Teilnehmer am Song Contest. Und so hat das Blatt dem Musiker in seiner Mai-Ausgabe eine ganze Seite gewidmet, in der man sich über den „Dunkelhäutigen“ echauffiert und die Benachteiligung von „autochthonen Österreichern“ beklagt.

Die Aula hat sich über die Jahre einen extrem zweifelhaften Ruf erarbeitet: Autoren, Rezensenten und Leserbriefschreiber dürfen ungebremst antisemitische, rassistische und NS-apologetische Thesen und Verschwörungstheorien verbreiten. Das ist ungustiös, aber nicht weiter neu.

Doch nun bringt die Aula die FPÖ – wieder – argumentativ in die Bredouille.

Denn während sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache rhetorisch Mühe gibt, den antisemitischen Umtrieben in der FPÖ einen Riegel vorzuschieben, konterkariert ihn nun ausgerechnet ein früherer Landesparteichef und FPÖ-Spitzenkandidat: In derselben Aula-Ausgabe, in der über „Quotenmohr“ Sampson hergezogen wird, wettert der dritte Landtagspräsident der Steiermark, Gerhard Kurzmann, gegen leidige Anglizismen.

 

Klubchef Walter Rosenkranz erklärte namens der FPÖ, man gehe auf Distanz zu allem Ewiggestrigen.

Dazu gehört zum Beispiel, dass die Freiheitlichen Akademikerverbände, denen die Aula gehört, ihre Anteile an der entsprechenden Gesellschaften loswerden wollen.

Das Problem ist nur: Während die Verbände Wien, Niederösterreich, Burgenland, Kärnten und Oberösterreich aussteigen wollen, hat ausgerechnet jener Akademikerverband, der die meisten Anteile hält, nämlich der steirische, vorerst keine Lust die Aula aufzugeben.

Steirer bleiben an Bord

„Die Zeitschrift wird neu aufgestellt“, sagt Heinrich Sickl, Obmann des steirischen freiheitlichen Akademikerverbandes. Ein Beirat solle künftig dem „Schriftleiter“, vulgo Chefredakteur, über die Schulter schauen, sagt Sickl zum KURIER.

Wer im Beirat sitzt und was sich ändern soll, lässt Sickl offen. Dass der Grazer FPÖ-Gemeinderat einen gemäßigteren Kurs einschlagen wird, gilt als unwahrscheinlich. Sickl war in den 90ern bei der der verbotenen „Nationalistischen Front“ und demonstriert heute mit den Identitären. Er sagt nur: „Die Aula bleibt jedenfalls kantig.“

Heinz-Christian Strache hat sich wohl eine andere Ansage gewünscht. Und so spricht er eine Einladung aus: Strache will Sampson „auf einen Kaffee“ treffen – und sich dabei entschuldigen.