Politik | Inland
22.12.2017

Protestwelle gegen Abschiebung von Lehrlingen

Unternehmer finden Praxis "völlig absurd". Grüne Landesrat Rudolf Anschober sammelte 15.000 Unterschriften.

"Am 1. Oktober hat er angefangen zu lernen, am 24. November ist der negative Bescheid gekommen", klagt der Hoteldirektor Harald Schmid aus dem oberösterreichischen Spital am Pyhrn. Er heuerte einen Asylwerber als Kochlehrling an – und ist mit seiner Entscheidung auch heute überglücklich. "Zaker", sagt der Unternehmer, "war unter den drei Bewerbern der einzig Fähige für diesen Job."

Zaker Karimi ist ein afghanischer Flüchtling, der ohne seine Familie über den Iran und die Türkei nach Österreich gekommen ist. Bestens vorbereitet mit allen Unterlagen bewirbt er sich beim Jufa Hotel Pyhrn-Priel. Er erhielt sogar Anfang Oktober einen AMS-Bescheid, dass er die Lehre beginnen darf.

Asylbescheid negativ

Dann, nach eineinhalb Monaten, wurde ihm ein negativer Asylbescheid zugestellt. "Völlig absurd", sagt Schmid: "Einer der aus der Sozialhilfe herausgefallen ist und nun in unser Sozialsystem einzahlt, soll auf einmal weg."

Wie Karimi sind laut dem Grünen Landesrat Rudolf Anschober rund 40 Lehrlinge von einer Abschiebung bedroht. Und wie Hoteldirektor Schmid sind etliche Unternehmer über dieses Vorgehen empört. Zur Halbzeit schon hat Anschobers Petition "Ausbildung statt Abschiebung – Gegen Abschiebungen unserer künftigen Fachkräfte" mehr als 15.000 Unterschriften erhalten. Jeden Tag werden es mehr. "Das wird geteilt, geteilt, geteilt", unterstützt Hotellier Schmid den Landesrat.

"Durch viele Briefe, aber auch in den Sozialen Medien sehen wir, dass wirklich niemand diese Praxis versteht, Asylwerbende abzuschieben, die dank Lehre oder Ausbildung schon top-integriert sind, perfekt Deutsch sprechen, ihren Lebensunterhalt selbst bezahlen – und die zudem auch unserer Wirtschaft gut tun", sagt Anschober, der seit 2003 in der oberösterreichischen Landesregierung sitzt und seit 2015 für Integration zuständig ist.

In Deutschland hat man mit der "3+2-Regelung" eine Lösung gefunden. Vorgesehen ist für die Dauer der Ausbildung – in der Regel drei Jahre – eine Duldung und anschließend für zunächst zwei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis als Arbeitnehmer. Solange die Beschäftigung im Anschluss fortbesteht, kann die Aufenthaltserlaubnis weiter verlängert und bei Vorliegen der Voraussetzungen auch eine Bleiberecht erteilt werden.

Aus der Küche abgeführt

Noch besteht für Karimi und viele andere eine Chance, für andere ist es schon zu spät: "Es gibt nichts zu besprechen", klagt die Chefin der Stadlkirchner Hofstub’n, Hermine Hanke, im KURIER-Gespräch frustriert: "Leider, mei’ Lehrling is’ weg."

Sie betreibt ein Gasthaus in Dietach. Anfang November wurde ihr Lehrling Shamid vor den Gästen aus der Küche abgeführt.

Hotelier Schmid will seinen Lehrling Karimi nicht auch verlieren. Nach negativem Bescheid erfolgte Kontaktaufnahme mit seiner Betreuerin, um Rechtsmittel dagegen zu ergreifen.

Zudem schrieb Gerhard Wendl, Vorstandsvorsitzender der JUFA Hotelgruppe, Anfang Dezember einen Brief an Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl. Wendl verwies auf den starken Fachkräftemangel und bezeichnet Lehrling Karimi als "Musterbeispiel für gelungene Integration".

Abgesehen vom menschlichen Leid, klagt Manager Wendl, "haben auch die Wirtschaftsbetriebe durch dieses Vorgehen einen großen Schaden". Sie hätten keinen Planungssicherheit, "die es braucht, um reüssieren zu können". Der Brief ging wortgleich auch an WKO-Präsident Christoph Leitl und seinen Nachfolger Ex-Wirtschaftsminister Harald Mahrer.

Link zur Petition: www.anschober.at/petition.html