Stifter Erwin Pröll: Bei seinem 60er bekam der Niederösterreicher 150.000 Euro. Diese brachte er in eine Stiftung ein - zur Förderung der Landeskultur

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Politik Inland
01/10/2017

Pröll-Stiftung soll Akademie noch entwickeln

Privatstiftung bekommt dafür jährliche Zuwendungen des Landes Niederösterreich.

von Christian Böhmer

Als Erwin Pröll vor mittlerweile zehn Jahren seinen 60. Geburtstag feierte, beschäftigte ihn ein kleines "Problem": Der Landeshauptmann von Niederösterreich hatte zu seinem Runden jede Menge Spenden erhalten. 150.000 Euro, sagt Pröll, sind damals an Barmitteln zusammengekommen. Und der Niederösterreicher konnte und wollte das Geld – selbstredend – nicht für eigene Belustigungen verwenden.

Die Lösung?Eine Privatstiftung auf Prölls Namen, die sich laut Stiftungszweck der Förderung von Projekten und Initiativen widmen sollte, "die kulturelle Traditionen pflegen und weitere entwickeln" – oder aber die den "ländlichen Raum als Raum für Kreativität und kulturellen Dialog weiterentwickeln". Die Wiener Wochenzeitung Falter berichtete schon vor Jahren über die Existenz der Stiftung – und sie tat es am Dienstag erneut.

Weihnachtszusage

Der Grund: Laut Falter hat die Stiftung mittlerweile 1,35 Millionen Euro an öffentlichen Subventionen bekommen – vom Land Niederösterreich. Insgesamt 300.000 Euro sollen schon direkt in die Stiftung geflossen sein. Der Rest ist vorerst auf Konten des Landes "geparkt". Die letzte Zuwendung über 150.000 Euro wurde laut Aufzeichnungen erst vor wenigen Tagen, nämlich in der Regierungssitzung vom 20. Dezember 2016, handschriftlich zugesagt. – Unter Zustimmung aller Regierungsmitglieder.

Dass Pröll oder ihm Nahestehende persönlich von den Summen profitiert haben könnten, das stellen weder der Falter noch jener Whistleblower in den Raum, der die vertraulichen Beschlüsse veröffentlicht hat.

Die politisch interessante Frage ist freilich, warum sich der politisch gewichtige und nachweislich Kultur-affine Landeshauptmann eigens einer Stiftung bedienen muss, um die Kultur zu fördern, wo er derlei doch direkt mit Landessubventionen tun könnte.

Peter Kirchweger, langjähriger Sprecher Prölls, nahm am Dienstag zu den Veröffentlichungen schriftlich Stellung. Kirchweger bestätigte, dass die "Gelder" flossen und "in voller Höhe unangetastet auf Konten des Landes und der Stiftung liegen". Auf die Frage, warum Pröll überhaupt eine Stiftung brauche, antwortete Kirchweger so: Die Stiftung sei vor neun Jahren mit Privatspenden korrekt gegründet worden, und sie habe einen Zweck: eine Akademie für den ländlichen Raum.