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Politik Inland
03/08/2019

Pro & Contra: Brauchen wir den Frauentag?

Seit 1921 wird der internationale Frauentag jährlich am 8. März begangen. Ein Grund zum Feiern?

von

Rudolf Mitlöhner, katholischer Publizist

Es wird für manche ins Bild passen, dass sich der Berliner Erzbischof Heiner Koch ablehnend zur Einführung des Internationalen Frauentags als Feiertag für die deutsche Hauptstadt geäußert hat. Aber die Frage ist natürlich völlig berechtigt – unabhängig davon, ob der Tag nun arbeitsfrei ist oder nicht: Was feiern wir eigentlich am 8. März? Koch ist noch weiter gegangen und hat den Finger auf den wunden Punkt gelegt: Sich für Frauen einzusetzen, sei wichtig, "auch für uns als Kirche" – aber das müsse auch für Frauen gelten, die sich für eine Lebensweise entscheiden, die der Mainstream eher als altmodisch ansehe. Von denen freilich ist rund um den 8. März eher wenig die Rede.

Wir werden zwar Jahr für Jahr medial – insbesondere auf allen Plattformen und Kanälen des ORF – auf den Frauentag hingetrimmt. Aber es sind im Wesentlichen die immer gleichen Geschichten und Themen, die uns eingetrichtert werden. Es geht also stets um das, was der von Koch zitierte Mainstream als fortschrittlich ansieht. So wurde heuer breit die deutsche Autorin Verena Brunschweiger rezipiert, die – surprise! – für ein "offeneres Frauenbild" eintritt, zu dem es für sie gehört, "kinderfrei" zu leben. Überwindung des "pronatalistischen Dogmas" heißt das dann. Die wirkliche Bedrohung für Frauenrechte kommt heute freilich aus der islamischen Welt. Dort hat man übrigens kein Problem mit einem "pronatalistischen Dogma". Doch davon ist zum großen Feiertag auch nicht viel zu hören.

Julya Rabinowich, Autorin, Kolumnistin und Malerin

Wir schreiben das Jahr 2019. Es sind bereits acht Frauen von ihren (Ex)Partnern getötet worden. Sigi Maurer bekam obszönste Nachrichten, veröffentlichte diese samt Absender und wurde in erster Instanz wegen "übler Nachrede" verurteilt, obwohl der Richter dem Accountbesitzer nicht glaubte. Vergewaltigungsdrohungen im Netz sind sowieso fast alltäglich – ob an Userinnen, Journalistinnen oder Frauen in der Öffentlichkeit gerichtet. Das kommt nicht nur von verirrten Einzelfällen. In Frankreich flog ein Zirkel voller einflussreicher Männer auf, die sich im Rudel verabredeten, Frauen im Netz fertigzumachen.

Auf einem Portal steht ein Vergewaltigungsspiel kurz vor der Veröffentlichung, dessen Ziel es ist, möglichst viele Frauen zu vergewaltigen. Das Motto des Spiels: "Du hast es dir verdient." In Österreich filmte ein Fußballtrainer seit Jahren minderjährige Mädchen heimlich beim Duschen. Die Klage der Opfer wurde abgewiesen. Und in Belgien wurde die Teilnehmerin eines Radrennens einfach gestoppt, weil sie der vor den Frauen gestarteten Männergruppe zu nahe kam. Wir brauchen keine Schokolade und Blumen und auch keine Maniküre zum Frauentag. Wir wollen, dass er irgendwann obsolet werden kann, weil Gleichwertigkeit herrscht. Wir wollen so schnell sein, wie wir können, ohne dass man uns stoppt. Wir wollen die Hälfte vom Königreich und keine Brösel von Katzentisch. Und so lange das nicht so ist, feiern wir den 8.März. Den Rest des Jahres herrscht wieder täglich der Männertag.

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