Politik | Inland
03.11.2017

Peter Pilz soll Mitarbeiterin sexuell belästigt haben

Mitarbeiterin des Grünen Klubs wirft Peter Pilz 40 Übergriffe vor. Er will am Samstag Stellung beziehen.

Peter Pilz steckt in Erklärungsnot: Wie das Magazin profil und die Presse berichten, soll der ehemalige Grünen-Mandatar eine deutlich jüngere Mitarbeiterin des Grünen Parlamentsklubs sexuell belästigt haben – und das gleich mehrfach. Von etwa 40 Übergriffen ist die Rede; sie reichen von übergriffigen Anreden wie "Schatzi" über die Aufforderung, mit ihm auf Urlaub zu fahren und "das Höschen einzupacken" bis zu unsittlichen Berührungen.

Opfer wurde versetzt

Die Mitarbeiterin habe all dies akribisch dokumentiert und der Gleichbehandlungsanwaltschaft übermittelt. Passiert seien die Übergriffe noch zu Zeiten, als Eva Glawischnig Klubobfrau der Grünen war – sie ist auch darüber informiert worden, dass die Gleichbehandlungsanwaltschaft die Vorwürfe als zulässig angesehen hatte. "Wir haben gesetzeskonform agiert", sagt Glawischnig zum KURIER – man habe die Mitarbeiterin gemäß ihres Wunsches versetzt. Da das Opfer sie und den Klub aber nicht von ihrer Verschwiegenheitspflicht entbunden habe, werde sie die Vorfälle auch nicht weiter kommentieren, so Glawischnig.

Von Albert Steinhauser, Glawischnigs Nachfolger im Klub, kommt laut Presse dieselbe Aussage – eine weitere Verfolgung habe das Opfer, die als Assistentin für Pilz gearbeitet hatte, nicht gewünscht. Sie wollte weder, dass in der Partei noch in der Öffentlichkeit darüber gesprochen werde.

Intern war der Vorfall bei den Grünen aber durchaus Thema. Der Fall habe das Zerwürfnis zwischen Peter Pilz und seiner späteren Ex-Partei beschleunigt, wird nun nachträglich in Kreisen der Grünen behauptet. Nur: offizielle Konsequenzen aus dem Vorfall habe man keine ziehen können, weil das Opfer dies nicht gewollt habe.

Das wäre nur möglich gewesen, wenn der Klub das Thema auf Wunsch der jungen Frau offiziell behandelt hätte oder die Gleichbehandlungskommission ein Verfahren eingeleitet hätte. Beides ist allerdings nicht passiert, nachdem man monatelang mittels Anwälten darüber beraten hatte und sich schlussendlich geeinigt hatte. Die Betroffene zog ihre Anzeige daraufhin zurück. Auf Pilz’ Seite stand damals jemand, der jetzt für ihn ins Parlament einziehen wird – der Rechtsanwalt Alfred Noll.

Aussage gegen Aussage

Damit steht nun nach wie vor Aussage gegen Aussage: Peter Pilz selbst soll damals gegenüber der grünen Klubführung alle Vorwürfe strikt zurückgewiesen haben, berichten profil und Presse gleichlautend. Am Freitag, als die Vorwürfe gegen ihn publik wurden, wollte der Ex-Grüne dazu keinen Kommentar abgeben. Auf Anfrage des KURIER ließ er über eine Sprecherin wissen, dass er am Samstag dazu Stellung nehmen werde; am Vormittag ist eine "persönliche Erklärung" geplant.

Aus seinem näheren Umfeld ist jedenfalls zu hören, dass Pilz in den vergangenen Tagen – seit Journalisten wegen der Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn recherchieren – verreist war und sich darüber mit seiner Frau beraten habe.

Zum Bericht auf presse.com

Zum Bericht auf profil.at

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Pilz im Porträt

Einer, der gerne polarisiert

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Mehr als 30 Jahren stand der gebürtige Steirer im Dienst der Grünen – nun kandidiert er bei der NR-Wahl mit einer eigenen Liste. Aber auch davor war der studierte Volkswirt politisch durchaus umtriebig.

Zu Studentenzeiten war er Teil einer Gruppe, aus denen heute politische Gegner hervorgingen: Pilz war beim VSStÖ aktiv, umringt von späteren Konkurrenten wie Josef Cap, Michael Häupl oder Renate Brauner (Bild).

Mit dem jetzigen Wiener Bürgermeister (hier auf einer Archivaufnahme aus Kommunalpolitik-Zeiten) überwarf sich der Kapfenberger dann aber - es folgte der Beitritt zur Gruppe Revolutionärer Marxisten, einer Trotzkisten-Initiative, bei der er sich auf Uni-Ebene engagierte. Mit Pilz in den Reihen der linken Studenten aktiv: die Publizisten und Journalisten Robert Misik, Raimund Löw und Georg Hoffmann-Ostenhof.

Doch auch dort hielt es den umtriebigen Pilz nicht allzu lange. Der Protest gegen das Kraftwerk Zwentendorf und die Besetzung der Hainburger Au fungierten als Grundsteine für die poltische Grün-Bewegung in Österreich – mittendrin war damals auch Peter Pilz.

Er ist eines der Gründungsmitglieder der Grünen Alternative, zog 1986 für die junge Umweltbewegung in den Nationalrat ein.

Zwei Jahre später kannte seinen Namen die ganze Nation: Noricum und Lucona. Beide Causen wurden vor einem U-Ausschuss verhandelt, Pilz war damals wie heute bei der Recherche und Nachverfolgung an vorderster Front.

Die Grünen hatten sich politisch etabliert und waren zugleich ihrem Ruf als Partei der Unangepassten gerecht geworden. Pilz trug maßgeblich dazu bei: Etwa, als er öffentlich zur militärischen  Befehlsverweigerung aufrief – oder als er 1991 dafür eintrat, die Partei einer Totalreform zu unterziehen.

Pilz legte 1991 sein Mandat im Parlament zurück und kämpfte als Grünen-Frontmann um den Einzug in den Wiener Landtag.

Neben seinem Job als Klubobmann der Wiener Grünen wurde er auch Bundessprecher der Bewegung, von 1992 bis 1994.

Nach zwei Jahren legte er den Vorsitz zugunsten von Madeleine Petrovic zurück. Es folgten Jahre der internen Querelen bei den Grünen, die erst Alexander van der Bellen – zumindest nach außen hin – beilegen konnte; belohnt wurde dies mit Zugewinnen bei den Nationalratswahlen 1999.

Und dort blieb er bis heute. Seine spitze Zunge trug ihm dort so manchen Spitznamen ein – Spaltpilz oder Giftpilz sind nur zwei davon.

In den vergangenen Monaten sorgte er immer wieder für mediales Aufsehen und innerparteiliche Aufregung. Ob Eurofighter, politischer Islam oder Zustand der Grünen: Peter Pilz hatte was zu sagen.

Pilz verlangte schon seit längerem einen Kurswechsel der Grünen, hin zum linken Populismus. Beim Bundeskongress im Juni 2017 kam die Abfuhr.

Dort ist er in der Abstimmung um den vierten Listenplatz dem Jugend-Kandidaten Julian Schmidt unterlegen. Er lehnte es ab, für einen Listenplatz weiter hinten zu kandidieren, auch einen von der Parteiführung angebotenen Vorzugsstimmenwahlkampf schlug er aus.

Stattdessen verkündete er seine Trennung von der Partei, die er mitbegründet hat. Am 15. Oktober tritt er mit einer eigenen Liste an.