Von Dengler bis Dornauer: Wenn die eigene Partei die Reißleine zieht
Veit Dengler wurde von den Neos ausgeschlossen
„Neos ist anderen Parteien ähnlicher geworden“, sinnierte Veit Dengler, nachdem er seit 10. Juli plötzlich nur noch Ex-Neos-Mitglied war. Die Analyse des Mitgründers der Pinken traf in einem Punkt jedenfalls zu, den Dengler vermutlich nicht gemeint haben dürfte – das Hinauswerfen unliebsam gewordener Mitstreiter aus deren politischen Heimat.
Franz Olah etwa, einst mächtiger ÖGB-Boss und Innenminister, wurde im November 1964 aus der SPÖ ausgeschlossen, nachdem er Zeitungen mit Gewerkschaftsgeldern finanziert hatte. Das Verhältnis zur Partei blieb über Jahrzehnte zerrüttet, bis Helmut Zilk ihm 1990 das höchste Ehrenzeichen von Wien verlieh; 2005 erhielt der damals 95-Jährige das höchste Ehrenzeichen der Republik.
Ernst Strasser kam dagegen vermutlich einem Ausschluss aus der ÖVP zuvor, indem er im März 2011 seine Parteimitgliedschaft ruhend stellte. In dem Monat trat er auch als EU-Abgeordneter zurück.
Der ehemalige Innenminister und ÖVP-Delegationsleiter stolperte über die „Lobbying-Affäre“: Er ging britischen Journalisten auf den Leim, denen er anbot, sich für bestimmte EU-Gesetze einzusetzen – gegen Bezahlung. Dafür wurde Strasser auch verurteilt.
Heinz-Christian Straches politisches Schicksal indes ist mit einem Wort verknüpft – „Ibiza-Video“, an dem im Mai 2019 die ÖVP-FPÖ-Koalition zerbrach. Der Parteiausschluss des Ex-Vizekanzlers erfolgte aber, nach einer Suspendierung der Mitgliedschaft im Herbst, erst Mitte Dezember 2019 wegen „parteischädigenden Verhaltens“ infolge „zahlreicher medialer Äußerungen“, wie es damals hieß. Versuche eines politischen Comebacks mit einer eigenen Liste brachten ihm 2025 einen Sitz im Floridsdorfer Bezirksrat ein.
Comeback-Gerüchte mit einer eigenen Liste verstummen auch seit Georg Dornauers Rauswurf aus der SPÖ nicht. Im November 2024 trat er als Vizelandeshauptmann in Tirol zurück, rund ein Monat später auch als SPÖ-Landesparteiobmann.
Tiroler Jagdpartie
Anstoß gab ein Foto, das Dornauer bei einem Jagdausflug zeigte: Allerdings bestand da erstens ein Waffenverbot gegen ihn (verhängt, nachdem er ein geladenes Gewehr bei offenem Fenster in seinem Porsche abgelegt hatte) und zweitens war ein gewisser René Benko Teil der Jagdpartie, gegen den damals schon ermittelt wurde.
Dornauer behielt sein Landtagsmandat. Als er aber im Oktober 2025 einen Antrag einbrachte, den die Spitze der Landes-SPÖ als Koalitionsbruch mit der ÖVP wertete, wurde er aus der Partei ausgeschlossen.
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