Pamela Rendi-Wagner tritt die Nachfolge von Christian Kern an der Parteispitze der SPÖ an.

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Politik Inland
09/23/2018

Pamela Rendi-Wagner: Eine spät erweckte Sozialdemokratin

Die 47-Jährige ist überzeugte Feministin. Doch brennt die designierte SPÖ-Chefin für die Partei?

von Ida Metzger

Ihre erste Bewährungsprobe hat bereits einen Namen – und zwar einen mächtigen: Michael Ludwig. Alles andere als „amused“ war Wiens Bürgermeister, dass er nolens volens Pamela Rendi-Wagner zur ersten Frau an der Spitze der SPÖ küren musste. Zu viel rot-grünen „Bobo“-Style bringe die Quereinsteigerin für ihn mit, dafür zu wenig politische Erfahrung, und vor allem zu wenig SPÖ-Stallgeruch – denn sie ist erst seit 18 Monaten SPÖ-Mitglied. „Wir sind gespannt, ob sie je bei einem Straßenfest in Favoriten, Simmering oder Meidling auftreten wird?“, fragt sich ein roter Wiener Funktionär.

Schon als die Medien im Frühjahr die Ex-Ministerin als Wiens neue Gesundheitsstadträtin im Team Ludwig ins Spiel brachten, blockte dieser ab. Michael Häupls Nachfolger war nicht überzeugt, dass Rendi-Wagner das Milliardenprojekt Krankenhaus Nord stemmen könne. Nun ist jene, die nicht erste Wahl für sein Team war, ausgerechnet seine neue Parteichefin.

Ist Ludwigs Skepsis eine unüberwindbare Hürde für Rendi-Wagner? Mitnichten, sagen jene, die die neue SPÖ-Chefin besser kennen. Einer davon ist Ex-SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda, der seit 20 Jahren mit der Tropenmedizinerin befreundet ist.

Der Ehemann der SPÖ-Chefin, Michael Rendi , war Kabinettschef von Drozda. „Ich kenne ihre Ruhe und Überlegtheit, die sie ausstrahlt, und sie hat eine besonders ausgeprägte soziale Intelligenz“, schwärmt der Ex-Minister über sie. Und meint weiter: „Eine Medizinerin an der Spitze hat der SPÖ noch nie schlecht getan. Auch Victor Adler war Arzt.“

Apropos Ärztin: Ursprünglich ist Rendi-Wagner Expertin für Impf-Prävention, Reisemedizin und Infektionsepidemiologie und arbeitete über zehn Jahre wissenschaftlich am Institut für Tropenmedizin der Medizinischen Uni Wien.

Ihr Vater, ein überzeugter 68er (er war es auch, der ihr den Vornamen Joy Pamela gab. Das Joy ließ sie aber bald weg), war Feminist. „Das hat mich geprägt“, sagt Rendi-Wagner.

Während der Karenz schrieb die zweifache Mutter (die Töchter sind acht und 12 Jahre alt) in den Schlafphasen ihrer Tochter und in der Nacht die Habilitation. Sechs Monate nach der Geburt war die frisch gekürte SPÖ-Chefin damals wieder im Job. „Ich hatte Unterstützung durch meine Mutter, aber auch durch eine Kinderbetreuung. Damals ging ein Großteil des Gehaltes für die Kinderbetreuung drauf. Ich wollte keine Chancen auf dem Weg liegen lassen“, erzählte sie im KURIER-Interview.

Nicht nur Mutter sein

Als ihr Mann, ein Diplomat im Außenministerium, Botschafter in Israel wird, hatte Rendi-Wagner die Möglichkeit, das Modell „nur Mutter“ zu sein, zu leben. „Für mich war schnell klar, dass das kein Modell ist, mit dem ich glücklich wäre. Drei Monate nach unserer Ankunft habe ich dann eine Assistenzstelle an der Universität in Tel Aviv angenommen.“

Zurück vom Israel-Stopp als Botschaftergattin, wird die Mutter zwei Töchter zur Sektionschefin für die öffentliche Gesundheit ernannt. Das war das erste Mal, dass die heute 47-Jährige es schaffte, die gläserne Decke zu durchstoßen. Am Samstag gelang ihr der zweite Coup.

Ihre wissenschaftliche Arbeit ist es auch, die die Mutter zur ersten Wahl für den Job der SPÖ-Parteichefin macht, ist Drozda überzeugt. „Sie versteht es, die Themen analytisch anzugehen und strategische Ableitungen zu machen.“

Viele in der SPÖ zweifeln aber, ob sie tatsächlich für die Sozialdemokratie brennt, weil Rendi-Wagner erst einen Tag vor ihrer Angelobung zur Gesundheitsministerin im März 2017 Mitglied der SPÖ wurde. Ex-Minister Drozda widerspricht dem so: „Nur weil sie ein spätes Erweckungserlebnis hatte, heißt das nicht, dass sie keine Leidenschaft entwickelt hat.“

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