ÖVP-Kandidatin in Wels wirbt mit Koran-Zitat

© /Screenshot / Facebook

Oberösterreich
09/08/2015

Welser ÖVP-Kandidatin warb mit Kopftuch und Koran-Zitat

Muslima gestaltete ohne Wissen von Stadtpartei Plakat auf Facebook. FPÖ ortet einen Skandal.

Dass die Trennung von Kirche und Staat den Staat vor kirchlicher Bevormundung und religiöser Belehrung schützen soll, ist mir grundsätzlich bekannt. Ich möchte mich bei all jenen entschuldigen, die sich durch mein Posting verunsichert fühlten", schrieb Güler Bilgic-Cankurtaran am Dienstag auf Facebook. Einen Shitstorm konnte die 38-Jährige, die auf Listenplatz 61 für die ÖVP Wels kandidiert, so zwar nicht mehr verhindern. Sie rückte aber zumindest ein unbedachtes Posting zurecht.

Auf einem Bild hatte die türkischstämmige Österreicherin lächelnd mit Kopftuch posiert, dazu waren das Logo der christlichen ÖVP und eine Sure aus dem Koran abgedruckt. "Aus euch soll eine Gemeinschaft entstehen, die zum Guten aufrufen, das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten. Das sind die, denen es wohl ergeht."

Für die FPÖ ist die Aktion der ÖVP-Kandidatin ein gefundenes Fressen. "Die ÖVP als neue Islam-Partei?", fragen die Blauen wenige Tage vor der Wahl am 27. September, bei der sie in Wels erstmals den Bürgermeistersessel erobern wollen. "Die ÖVP beweist einmal mehr, dass ihr Österreichs kulturelle Identität und religiöse Herkunft genau so lange wichtig sind, als sie zur Absicherung der eigenen Machtfülle dienen", kritisiert FPÖ-Klubchef Günther Steinkellner.

Bei Bilgic-Cankurtaran handle es sich nicht um eine liberale junge Muslima. Die VP-Kandidatin sei keineswegs gut integriert, sondern hänge "recht radikalen Gruppierungen und Personen" an.

Judenfeindlich?

"Die Dame kommt eindeutig aus dem Umfeld der Milli Görüs, deren antisemitische Haltungen sind ja nichts Neues", behauptet der grüne Bundesrat Efgani Dönmez auf Facebook und verweist auf eine von der ÖVP-Kandidatin geteilte Grafik, die offenbar zum Boykott jüdischer Waren aufruft.

ÖVP-Stadtparteiobmann Peter Csar hat mit der 38-Jährigen ein klärendes Gespräch geführt. "Dieser Fehler tut ihr sehr leid. Für uns ist klar: Weder Koran- noch Bibel-Zitate haben in politischer Werbung etwas verloren." Derzeit denke er nicht an einen Parteiausschluss, man werde die erhobenen Vorwürfe aber genau prüfen. "So wie Frau Bilgic-Cankurtaran jetzt von manchen dargestellt wird, kenne ich sie nicht", sagt Csar.

Die Kandidatin selbst wollte keine Stellungnahme abgeben. Auf Facebook betont die 38-Jährige, dass sie sich immer für eine erfolgreiche Integration von Migranten eingesetzt und im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Deutschkurse gegeben habe. Außerdem sei sie als Jugendcoach aktiv und leiste seit mehreren Jahren ehrenamtlich Seelsorge im Klinikum Wels.

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