Khol mit seiner Frau Heidi: Bis Ende April wird nun wahlgekämpft.

© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Hofburg-Wahl
01/11/2016

ÖVP will mit Khol FPÖ-Wähler ködern

Im Wahlkampf will sich Andreas Khol als volksnaher Kandidat präsentieren.

von Karin Leitner

Der Rahmen ist staatstragend, der Ort soll wohl Weitblick vermitteln: ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner und sein Generalsekretär Peter McDonald machen die Vorhut. Hinter ihnen marschiert Andreas Khol an der Seite seiner Frau Heidi in den Saal im 19. Stock eines Wiener Hochhauses. Er strahlt, als er sich neben Mitterlehner vor dem Rednerpult postiert – im Hintergrund die EU-, die Österreich-Fahne und die jedes der neun Bundesländer.

Nach dem Nein von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll zum Hofburg-Antritt kommt der 74-jährige Khol zum Zug. Diesen gilt es – erst recht angesichts der Hohelieder, die auf Pröll gesungen worden sind – nicht als ÖVP-Ersatzlösung erscheinen zu lassen. Ein Profi sei Khol – und basisverbunden, einer, der in unseren Zeiten Sicherheit vermitteln könne, sagt Mitterlehner. Dreier Fremdsprachen sei Verfassungsrechtler Khol auch noch mächtig. Kurzum: "Der beste Kandidat steht neben mir."

ÖVP-Kalkül

Manche in der Partei glauben, dass mit Pröll eher das Rennen zu machen wäre als mit Khol. Wie sieht das Mitterlehner? "Die Chancen, in die Stichwahl zu kommen, sind gut. Und wenn die erreicht wird, sehe ich gute Gewinnchancen." Das Kalkül der ÖVP: Der konservative Khol kommt als programmatischer Kontrapunkt zum Roten Rudolf Hundstorfer und zum Grünen Alexander Van der Bellen in den zweiten Wahlgang – und kann dort, als einer der Baumeister von Schwarz-Blau, FPÖ-Stimmen lukrieren (wobei noch nicht feststeht, wer für die Freiheitlichen antritt).

Für Mitterlehner könnte Khols einstige Rolle bei Schwarz-Blau "ein Vorteil sein, obwohl das nicht im Mittelpunkt steht. Dort steht die Qualifikation." Khol will sich nicht als Signal an Strache-Anhänger sehen. Volksnah wird er sich im Wahlkampf präsentieren ("I mog des Land, i mog die Leut"). Die "Interessen der Österreicher" wolle er "schützen", "Sprachrohr" für sie sein.

Bravheitsgelübde

Als Bundespräsident würde er sich bescheiden geben: "So wie der derzeitige, Heinz Fischer." Auf "flotte Sager", für die er auch bekannt sei, "werde ich aber auch in Zukunft nicht verzichten". Schmutzig werde freilich nicht wahlgekämpft, geloben Khol und Mitterlehner: "Die Bürger wünschen keine unseriöse Auseinandersetzung." Ergo sollten auch bei dieser Hofburg-Wahl die Kandidaten ein "Fairnessabkommen" unterzeichnen. Weiters seien die Wahlkampfkosten zu begrenzen (das ist bei Nationalratswahlen der Fall). Bei wie viel sagt der ÖVP-Obmann nicht. Zumindest drei, vier Millionen Euro würden wohl aufzuwenden sein.

Die Frage, wie der Wahlkampf ob klammer Parteikasse finanziert wird (zudem gibt es keine staatliche Kostenrückerstattung), beantwortet Mitterlehner knapp: "Am entsprechenden Budget wird es nicht scheitern."

Erster Ruf

Laut Mitterlehner hat ihm Pröll bereits am 17. Dezember abgesagt. Wann hat er Khol als Kandidaten erwählt? "Der erste Anruf kam am 30. Dezember um 9.30 Uhr", erzählt Khol. Mitterlehner habe ihn zum Kaffee geladen. Bereits um 12 Uhr war Khol gestellt – und bekam das Angebot. Fixiert sei die Kandidatur da aber noch nicht worden.

Was sagt er Parteigängern, darunter Ex-Vizekanzler Erhard Busek, die meinen, der ÖVP-Kandidat sei viel zu alt? Khol, seit zehn Jahren ÖVP-Seniorenbundchef, hält ein Handy in die Kameras. Vor drei Jahren habe er das vom "Sebastian" (der damals 26-jährige Außenminister Kurz) bekommen. Darauf stehe: "Niemand ist so jung wie wir." So fühle er sich: "Ich bin leistungsstark, stehe früh auf, brauche wenig Schlaf." Jetzt braucht Khol vor allem Funktionäre, die für ihn laufen. Er hat es sich im Laufe seiner langen Parteikarriere ja mit dem einen und anderen verscherzt. Als das Gerücht aufkam, Mitterlehner werde Khol als Präsidentschaftsanwärter nominieren, sagte eine ÖVP-Vertreterin dem KURIER: "Wenn das passiert, gehe ich in das Personenkomitee von Hundstorfer."

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