Politik | Inland
05.12.2011

ÖIAG-Chef lässt sich nicht mehr einladen

Telekom-Aufsichtsratsboss Beyrer hat die Weichen für die Aufklärung gestellt. Mit Mensdorff-Pouilly würde er nicht mehr jagen gehen.

Markus Beyrer erklärt, warum Telekom-Chef Ametsreiter sein Vertrauen hat und nimmt zu Jagden Stellung, die Alfons Mensdorff-Pouilly veranstaltete.

KURIER: Sind jetzt alle Weichen gestellt?
Markus Beyrer:
Ja, wir haben eine sehr konsistente Struktur aufgestellt. Nächste Woche werden wir unter den großen internationalen Wirtschaftsprüfern mit forensischem Know-How ausschreiben. Der Kontrollausschuss des Aufsichtsrates und dieser Wirtschaftsprüfer werden mit der internen Revision der Telekom genau die Prüfschwerpunkte definieren, die bei den Akquisitionen und den Immobilien liegen werden. Die Konzernorganisation wird durch einen Compliance-Experten (für regelkonformes Verhalten) verstärkt. Der Teamleiter soll aus Gründen der Distanz ein Nicht-Österreicher sein und die interne Revision wird gegenüber dem Vorstand weisungsfrei gestellt.

Damit ist der Prüfbereich eingeschränkt. Warum wird nicht das gesamte Unternehmen durchleuchtet?
Erstens kann der Aufsichtsrat laut Aktiengesetz nur definierte Prüfaufgaben anordnen, für eine generelle Sonderprüfung ist die Hauptversammlung zuständig. Zwischen diesen beiden Polen müssen wir einen Weg finden. Und zweitens müssen die Kosten in Relation zum Schaden stehen, bis jetzt sind 18 Millionen Euro bekannt. Wir sind schließlich den Aktionären verpflichtet. Die Prüfkosten der Kärntner Hypo etwa sind schon bei 18 Millionen Euro. Die Kunst wird sein, dass wir in drei Jahren nicht sagen müssen, warum haben wir dieses oder jenes nicht angeschaut.

Die Einzeltäter-Theorie hat sich mittlerweile erledigt. Gab es in der Telekom ein Korruptions-System, eine Firma in der Firma?

Es gab das Zusammenwirken einzelner Personen bei verschiedenen Geschäftsfällen. Aber ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen.

Was denken Sie sich, wenn Ex-Vorstände, die heute beim Staatsanwalt als Beschuldigte geführt werden, erklären, sie hätten nicht gewusst, was Untreue ist oder nicht Wienerisch verstanden?
Da wird noch viel gesagt und gegenseitig in den Raum gestellt werden.

Sie haben mit dem gesamten Aufsichtsrat den amtierenden Vorständen Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden das Vertrauen ausgesprochen. Finanzministerin Maria Fekter tut das nicht, sie verweist auf den Aufsichtsrat und zählte im KURIER-Interview schon Parteizugehörigkeiten der Manager auf.
Der Aufsichtsrat hat auf Basis des jetzigen Informationsstands keine Anzeichen, dass die Ausführungen des Vorstands nicht stimmen. Bei der Vertrauensfrage gibt es nur ganz voll oder ganz leer. Die Ministerin geht völlig korrekt vor, sie ist Eigentümervertreterin der ÖIAG (die Staatsholding hält 28 Prozent an der Telekom, Anm.) , für die Telekom der Aufsichtsrat zuständig.

In der ÖVP wird schon über Ametsreiters Rücktritt spekuliert, angeblich wurde Druck auf Sie gemacht.

Davon habe ich nichts gehört und auf mich wird kein Druck ausgeübt. Das hätte auch keinen Sinn, ich bin dem Aktiengesetz verpflichtet und nicht der Politik.

Sie haben sich 2008 als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) von der Telekom um angeblich 21.800 Euro zur Jagd nach Schottland beim Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly einladen lassen. Abgerechnet wurde vermutlich über Hochegger. Finden Sie das sauber?
Ich kann mir die Höhe dieser Rechnung nicht erklären und werde das prüfen lassen. Die Telekom hat wie etliche andere Unternehmen zu Jagden eingeladen. Mensdorff-Pouilly hat, wie andere Jagdeigentümer auch, für Firmen Jagden veranstaltet. Wenn ich mich als Generalsekretär eines privaten Vereins von einem Mitgliedsunternehmen einladen lasse, ist das völlig korrekt.

Die IV ist doch kein Taubenzüchter-Verein, sondern eine maßgebliche wirt- schaftspolitische Interessensvertretung. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Mensdorff-Pouilly in der Causa Gripen waren 2008 schon öffentlich bekannt. Mittlerweile wird gegen ihn auch wegen Telekom-Aufträgen ermittelt, und Sie sind der Chef des Kontrollausschusses. Sehen Sie da keine Unvereinbarkeit?

Nein, das sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Mensdorff-Pouilly hat auch bei der IV nie um eine Leistung angefragt. Ich war nur einmal mit der Telekom in Schottland zur Jagd, nach meiner Erinnerung allenfalls einmal in Österreich. Mit heutigem Wissen hätte ich diese Einladung natürlich nicht angenommen.