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Politik Inland
08/19/2019

Hofer im ORF: Interviews von Strache zu Ibiza nicht abgesprochen

Designierter FPÖ-Chef will unbedingt wieder mit der ÖVP regieren und geht auf Distanz zu Ex-Chef Strache.

von Michael Bachner

Zu Beginn des dritten ORF-Sommergesprächs mit dem designierten FPÖ-Chef Norbert Hofer ging es sofort ans Eingemachte: die Casinos-Causa, also die vermutete Absprache zwischen der seinerzeitigen FPÖ-Spitze und Novomatic und die darauf erfolgten Razzien wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Hofer äußerte seine „Bedenken“ über eine Hausdurchsuchung, die nur aufgrund einer anonymen Anzeige gegen Heinz-Christian Strache oder Johann Gudenus stattgefunden habe. Für ihn passen die „Enden der Geschichte nicht zusammen.“ „Willkür“ nannte das Heinz-Christian Strache. Hofer will so nicht formulieren, spricht aber von einer „eigenartigen Situation“. Und: „Für mich ist eine anonyme Anzeige eine etwas dünne Suppe, um eine Hausdurchsuchung durchzuführen.“ Hofer glaubt, es sei darum gegangen, an das Handy von Strache zu kommen, um aus politischen Gründen in dessen Daten stöbern zu können. Außerdem schloss er aus, dass Geld von der Novomatic an die FPÖ geflossen ist. Auch diese Frage stellt sich im Zusammenhang mit der Ibiza-Affäre, die die FPÖ nicht los wird.

"Einfach wird das nicht"

Er habe nichts mit der „Casinos-Sache" zu tun, sagte Hofer zunächst auf die Frage, ob er auf Distanz zu Strache gehe. Dann wurde er konkreter: Für ihn sei nicht denkbar, dass Strache in die Politik zurück kommen könne, bevor nicht „alle rechtlichen Dinge geklärt“ sind . „Ich hoffe, dass auch er (Strache, Anm.) das in Zukunft so sehen kann“, sagt Hofer zum schiefhängenden Haussegen bei den Blauen. „Einfach wird das nicht“, so Hofer zu Straches möglichem Comeback. Und: „Wir haben jetzt mit Herbert Kickl eine tolle Doppelspitze."

Auch die Interviews, die Strache derzeit gibt, seien nicht mit ihm abgesprochen, machte Hofer schließlich keinen Hehl daraus, dass er mit Straches Auftritten und Comeback-Wünschen nicht glücklich ist. Aber: Strache bleibe aber in der Partei, einen Ausschluss wolle man nicht.

Nach dem Ibiza-Block ging es um die mögliche Neuauflage von Türkis-Blau. Hofer warb erneut um eine Regierungsbeteiligung der Blauen, sagte aber auch: „Mit mir ist es vielleicht leichter zu regieren, als es mit meinem Vorgänger war. Beim Verhandeln bin aber möglicherweise ich schärfer“, stellte Hofer in den Raum. Die Identitären nannte er eine Obskuranten-Gruppe, warnte aber, wie schwierig und heikel eine Vereinsauflösung sei. „Es ist keine gute Idee, so vorzugehen“, sagte Hofer in Richtung ÖVP. Er habe schon lange vor den Identitären gewarnt. Eine andere Variante als Türkis-Blau kommt für ihn „nicht in Frage“. Entweder Türkis-Blau oder Opposition, sagte Hofer klipp und klar über die nähere Zukunft der FPÖ.

Nach dem Klimaschutz ging es kurz um die direkte Demokratie und die Asyl-Politik. Das Ziel müsse sein, Hilfe vor Ort zu steigen. Das sei besser investiertes Geld, als wie 2015 die Grenzen zu öffnen und Flüchtlinge hereinzuholen. Lese er in der Zeitung von einem Messer-Attentat sei er sich schon fast sicher, dass es wieder um einen Täter gehe, der aus einer Kultur komme, wo das „Messer lockerer sitzt“.

Sollte die FPÖ übrigens nicht Teil der nächsten Regierung sein, würde er wieder zur Hofburg-Wahl antreten, erneuerte Hofer und ergänzte: „Als Vizekanzler werde ich die Regierungsbank nicht verlassen.“

Für den KURIER analysierten Mediencoach und Ex-ORF-Moderator Gerald Groß sowie Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) Hofers TV-Auftritt.

Beste Momente

Wie Hofer Selbstbewusstsein demonstriert und ankündigt, härter zu verhandeln als Strache  (Groß). Und: Als Hofer endlich zu Themen der FPÖ kommt, wie z.B. direkte Demokratie (Bachmayer).

Schlechteste Momente

Wie Hofer in der Casinos-Causa „herumeiert und nicht sattelfest wirkt“ (Bachmayer). Und: Gefragt nach etwaigen Turbulenzen auf dem Parteitag, fällt Hofer nur ein: „Das wird gut ablaufen.“ (Groß)

Fazit der Experten

Der (schlaue) Fuchs im Schafspelz, dient sich der bürgerlichen Mehrheit des Landes als Partner der Türkisen an. Mit einem unausgesprochenen Appell: Vergesst Ibiza! So sind wir nicht! (Groß). Strache war nicht eingeladen, aber dauernd Thema. Hofer konnte daher nie wirklich offensiv werden und selbst Themen setzen (Bachmayer).