© APA/HELMUT FOHRINGER

Politik | Inland
05/18/2019

Norbert Hofer: Der Mann für blaue Notfälle

Der Infrastrukturminister (48) übernimmt Straches Funktion und soll die FPÖ nun vor dem Absturz retten

Ein roter Faden zieht sich durch Norbert Hofers politische Karriere: In viele Jobs schlitterte er wider Willen. Das war so bei der Kandidatur für die Hofburg-Wahl 2016. Hofer wurde aus der Not zum Kandidaten. Der 48-Jährige hatte auch keine Ambitionen, die Regierungskoordination für die Blauen zu übernehmen. Und jetzt steckt der Hobbypilot schon wieder in so einer Situation. FPÖ-Parteichef? Das stand definitiv nicht auf Hofers Agenda. Als Infrastrukturminister wollte er sein Image für die Bundespräsidentschaftswahlen 2022 aufpolieren. Immer wenn die Partei nicht mehr weiter weiß, setzt sie auf die Marke Hofer.

Freitagnachmittag, als er mit Harald Vilimsky in Innsbruck für den EU-Wahlkampf unterwegs war, ereilte den Burgenländer die Nachricht vom Ibiza-Video. Seine erste Reaktion soll „unfassbar“ gewesen sein. Zynisch formuliert, könnte man auch sagen: Hofer wunderte sich, was alles geht. Dieser Satz wurde ihm 2016 zum Stolperstein bei der Hofburg-Kandidatur.

Samstag in der Früh pilotierte Hofer sein Privatflugzeug, die Cessna182 RG Turbo, von Innsbruck zurück ins Burgenland, um dann Direttissima zum angeschlagenen Heinz-Christian Strache ins Vizekanzleramt am Minoritenplatz zu eilen. Zu diesem Zeitpunkt war klar: Nur er, der sich durch die Hofburgwahl eine Hausmacht mit zwei Millionen Wählerstimmen innerhalb der FPÖ sicherte, kann dem gefallenen Strache nachfolgen.

„Regieren ist vor allem ein Wettlauf, wer die besseren Nerven hat“, lautet Hofers politisches Credo, der Ehrenmitglied der Burschenschaft Marko-Germania Pinkafeld ist. Nervenstärke besitzt er.

Lächelnd und leise, aber mit hoher Effektivität zieht er die Strippen. Forsch und unkalkuliert in eine Situation hinzustolpern, entspricht nicht seinem Stil. Liederbuchaffären, Identitäre, oder Rattengedicht-Skandale kommentiert er emotionslos. Notwendige Parteiausschlüsse exekutiert der Burgenländer schnell und hart. Eben diese Attribute der Macht, die er mit einem stets freundlichen Konterfei anwendet, verleihen ihm das Image, ein Wolf im Schafspelz zu sein.

Hofers Nähe zu Glock

Während Herbert Kickl das Innenministerium mit Brachialgewalt auf blaue Linie brachte, agierte Hofer in den vergangenen 17 Monaten unauffällig. Ohne viel Tohuwabohu ging die Umfärbung des ÖBB-Aufsichtsrates über die Bühne. Selbstverständlich gab es Kritik – aber hauptsächlich von der abgelösten roten Gitti Ederer. Aber gerade diese unbeachteten Personalrochaden in den Aufsichtsräten von staatsnahen Unternehmen könnten jetzt zum Bumerang werden.

Für die Opposition ist auch die Weste von Hofer alles andere als weiß. Denn Strache erwähnte im Skandal-Video, dass Waffenproduzent Gaston Glock einer der Großsponsoren der FPÖ sei (was Glock heftig dementiert). Auch Hofer wird ein Nahverhältnis zum Waffenproduzenten nachgesagt. Mitten im Wahlkampf um das Präsidentenamt verkündete er, sich eine Glock 26 zugelegt zu haben. Das machte Schlagzeilen bis nach Deutschland. Kathrin Glock, die früher sogar FPÖ-Mitglied war, sitzt dank Hofer im Aufsichtsrat der Austro Control. Der grüne Bundesrat David Stögmüller hat bereits eine Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eingebracht.