© APA/AFP/ANGELOS TZORTZINIS

Politik Inland
12/23/2020

NGOs appellieren an Regierung: "Hilfe vor Ort ist nicht genug"

Schutzbedürftige müssten "sofort" aus Camps auf den griechischen Inseln evakuiert werden, so die gemeinsame Forderung.

Einen Tag vor Weihnachten haben heimische Hilfsorganisationen in Sachen Flüchtlingsaufnahme erneut einen dringenden Appell an die Bundesregierung gerichtet. Die Situation in den Camps auf den griechischen Inseln sei "menschenunwürdig" und spitze sich täglich weiter zu. Hilfe vor Ort alleine reiche nicht aus, Schutzbedürftige müssten "sofort" evakuiert werden, so die gemeinsame Forderung von Caritas, Diakonie, Volkshilfe, dem Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen am Mittwoch.

In einer Aussendung appellierten die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) an die "Menschlichkeit der Verantwortlichen". Österreich habe bereits viel geleistet. "Aber wir können keinen Tag länger zusehen, wenn Kinder auf europäischem Boden in nassen, kalten Zelten und im Dreck leben müssen. Es braucht einen Schulterschluss für ein rasches Handeln im Sinne europäischer Rechtsstandards."

Knapp: Hilfe vor Ort "reicht einfach nicht aus"

Hilfe vor Ort, wie Österreich sie etwa nach dem Brand des Camps Moria auf Lesbos geleistet hatte, sei "absolut notwendig", so Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Doch dürfe Katastrophenhilfe "keinesfalls zum Dauerzustand oder gar Standard in der Flüchtlingsunterbringung" werden, ergänzte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.

Andreas Knapp, Generalsekretär für Internationale Programme der Caritas Österreich, hielt fest, dass die jahrelange Hilfe vor Ort auf den griechischen Ägäis-Inseln "einfach nicht ausreicht". "Wenn Kinder im Winter in unbeheizten, nassen Zelten schlafen müssen und nachts von Ratten gebissen werden, besteht dringender Handlungsbedarf". Auf Lesbos, Chios und Samos seien Menschen- und Kinderrechte bereits vor Jahren suspendiert worden und eine Verbesserung sei "weiter nicht in Sicht", so Knapp.

37 Prozent suizidgefährdet

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die bereits gestern die von der Regierung angekündigte Errichtung einer Kinderbetreuungseinrichtung auf Lesbos scharf kritisierten, sprach erneut von "desaströsen Auswirkungen der Situation auf die Betroffenen". 37 Prozent der Patienten in der MSF-Klinik auf Samos seien akut suizidgefährdet, berichtete Geschäftsführerin Laura Leyser. "Welche Alarmglocken braucht es noch?", fragte sie.

Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, sprach sich für die Evakuierung von zunächst 100 Familien mit kleinen Kindern aus. "Wir haben Platz und Ressourcen dafür."

Nach dem Großrand in Moria im September hatte die Regierung zwar die Katastrophenhilfe für Geflüchtete in Griechenland aufgestockt. Während sich die Grünen auch für die Aufnahme Schutzbedürftiger aus den Camps auf den Ostägäis-Inseln aussprechen, ist die ÖVP strikt dagegen - mit der Begründung, dass dies ein Pull-Faktor sein könne.

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