Wer aus einem bildungsfernen Elternhaus stammt, liest schlechter.

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Politik Inland
06/29/2019

Neue Schulprojekte statt der "Gammelklassen"

Was tun vor Schulschluss? Sinnvolle Aktivitäten würden meist an Geldmangel scheitern, berichtet Lehrer Landau.

von Bernhard Gaul

In Ostösterreich ist das Schuljahr bereits beendet, im Westen müssen die Schüler noch bis Freitag ausharren. Regel-Unterricht gibt es jedenfalls in den letzten Schultagen keinen, gesetzlich ist zwischen Notenschluss und Zeugnisverteilung eine Frist von zehn Tagen vorgesehen.

Das Problem dabei: Immer noch „gammeln“ vereinzelt die Schülerinnen und Schüler in ihren heißen Klassenzimmern und langweilen sich. Wie viele das betrifft, das weiß niemand so genau, es gibt keine gesammelten Aufzeichnungen darüber, wie die letzten Schultage in Österreich verbracht werden. Immer öfter fragen sich Schüler, Eltern aber auch die Pädagogen, warum die Zeit nicht überall besser genutzt wird.

Dabei gebe es viel zu tun, stellt Daniel Landau, der bei den Grünen verankerte Lehrer, zur Diskussion: „Sport, Klima- und Umweltkunde, kulturelle Bildung, politische Bildung, kritische Medienbildung – es gäbe genug Themenfelder, die gerade in dieser Zeit in Projektform hervorragend behandelt werden könnten.“

Kein Budget für Aktivitäten

Ein kurzer Rundruf des KURIER bei Wiener Mittelschulen hat ergeben, dass zumindest diese die Stundenplanstruktur auflösen und mit ihren Klassen Projekte durchführen. Jedoch gibt es dabei einige Fallstricke: Etwa das Thema Aufsichtspflicht beim Sport. Hier muss beim Schwimmen zumindest ein ausgebildeter Sportlehrer die Schüler begleiten. Oder die Kostenthematik: Bei den allermeisten Mittelschulen in Wien sind die Kassen klamm, und so können nur kostenlose Angebote wahrgenommen werden. Eine einzige Schule gab auf Nachfrage bekannt, dass sie via karitativer Vereine und einem außergewöhnlich spendenfreudigen Elternverein sogar regelmäßig Exkursionen, etwa nach Mauthausen, finanzieren können. Ein Schulleiter gab an, Angebote über sieben Euro Kosten erst gar nicht an seine Lehrer weiterzuleiten, da die allermeisten Eltern das schlicht nicht leisten können. Eine andere Schulleiterin gab an, in ihrer Schule ausschließlich kostenfreie Angebote nutzen zu können.

Da will auch Pädagoge Landau ansetzen: „Die öffentliche Hand muss hier einspringen. Der seit Langem geforderte Chancenindex für finanzschwache Schulstandorte muss hier ansetzen können. Oder die stärkere Einbindung von Sportvereinen, die diese Woche die Schüler besser erreichen könnten. Oder Schauspieler, die Sprechtrainings mit den Kindern und Jugendlichen durchführen. Weitere Ideen sammelt übrigens auch der Internet-Blog "schulgschichtn.com", den engagierte Lehrer seit einigen Monaten betreiben.“

Beim KURIER gibt es übrigens seit Längerem ein Angebot für Schulklassen, in die Redaktion in Wien - Heiligenstadt zu kommen, wo Redakteure über den Alltag und das Produzieren einer Zeitung erzählen.