Politik | Inland 19.12.2017

Kanzler Kurz sitzt im Kreisky-Zimmer

Das Kreisky-Zimmer im Kanzleramt © Bild: KURIER/Gilbert Novy

Sebastian Kurz ist der erste „schwarze“ Kanzler, der nach Bruno Kreisky das Kreisky-Zimmer im Kanzleramt bezieht.

Jeder Kanzler kann sich das Zimmer am Wiener Ballhausplatz aussuchen, in dem er residieren möchte. Während die letzten "roten" Regierungschefs im sogenannten Metternich-Zimmer saßen, entschied sich ausgerechnet Sebastian Kurz für das Kreisky-Zimmer, mit dem Hinweis, dass er Bruno Kreisky, "der das Landgeprägt hat", sehr schätze.

Seit Schüssel verwaist

Der Arbeits- und Repräsentationsraum der ersten acht Bundeskanzler der Zweiten Republik könnte ebenso gut Figl- oder Raab-Zimmer heißen, da auch diese beiden Regierungschefs in dem holzgetäfelten Salon ihren Amtsgeschäften nachgingen. Aber nach der langen Regentschaft des "Sonnenkönigs" blieb das Zimmer wohl für alle Zeiten mit seinem Namen verbunden, seit 2007 heißt es offiziell Kreisky-Zimmer. Nach Kreisky wurde der eher düstere Raum noch von den Kanzlern Sinowatz, Vranitzky und Klima verwendet, seit Schüssel war das Kreisky-Zimmer verwaist.

Das rund 70 Quadratmeter große Büro in der Beletage der Staatskanzlei war – infolge der fast völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg – nach 1945 vom Wiener Architekten Oswald Haerdtl neu gestaltet und dem Geschmack der Nachkriegszeit entsprechend mit dunklem Nussholz vertäfelt worden. Wie Leopold Figl und Julius Raab das Zimmer gefallen hat, ist nicht überliefert, von Bruno Kreisky weiß man aber, dass er die drückende Atmosphäre des Raumes, in dem er immerhin 13 Jahre zubrachte, keineswegs mochte. Er selbst bezeichnete das Zimmer als "Zigarrenkistl" – wohl eine Anspielung darauf, dass Oswald Haerdtl auch die Zigarettenpackungen für die Österreichische Tabakregie entworfen hatte.

Für Prinz Charles

Wolfgang Schüssel verließ das Kreisky-Zimmer, um – wie alle seine bisherigen Nachfolger – in dem helleren und seither mit modernen Möbeln ausgestatteten ehemaligen Arbeitsraum des Staatskanzlers Metternich zu residieren. Das Kreisky-Zimmer mit seinem großen ovalen Tisch, den dunklen Wandintarsien, der hohen Kassettendecke und dem prunkvollen Kristallluster diente fortan für Besprechungen. Christian Kern öffnete das Kreisky-Zimmer darüber hinaus für besondere Anlässe, wie etwa für den Empfang des britischen Thronfolgers Prinz Charles oder zur Ehrung von Hugo Portisch aus Anlass seines 90. Geburtstags.

An das Kreisky-Zimmer schließt ein kleines Kabinett an, von dessen Existenz kaum jemand weiß und das mit einem schmalen Bett und einer Dusche ausgestattet ist. Zur Erholung und Erfrischung des jeweiligen Regierungschefs.

( kurier.at ) Erstellt am 19.12.2017