Politik | Inland
16.12.2017

Neue Regierung: Favoriten in letzter Minute abgeblitzt

Im Verhandlungsfinale kam es noch zu Verschiebungen, aussichtsreichen Kandidaten wie Rupprechter und Mahrer gingen am Ende leer aus.

Kein Regierungsposten. "Zeit für Neues" twitterte Andrä Rupprechter gestern Nachmittag, dazu ein Foto seines fast fertig ausgeräumten Büros. Das ist flott gegangen – schließlich hat Rupprechter bis Freitag noch damit gerechnet, Landwirtschaftsminister zu bleiben.

Während Rupprechter seinen Abgang betont locker nimmt (der Tweet enthält ein Smiley mit Sonnenbrille), reagiert der Tiroler Bauernbund "maßlos enttäuscht", die Entscheidung sei ein "Schlag ins Gesicht". Rupprechter habe mit seinem bundesweiten Vorzugsstimmen-Rekord immerhin einen wesentlichen Beitrag zum Wahlerfolg von Sebastian Kurz geleistet. Tirols Landeshauptmann Günther Platter war ebenfalls "überrascht". Der künftige Kanzler habe eben ein komplett neues Minister-Team haben wollte, erklärt er dazu.

In Rupprechters Heimat geht man davon aus, dass der 56-Jährige jetzt als Abgeordneter in den Nationalrat geht und sich für einen EU-Job in Stellung bringt. Rupprechter hatte in seiner Ministerzeit bekanntlich Ambitionen, Johannes Hahn als EU-Kommissar abzulösen; jetzt bleibt ihm noch die Möglichkeit, bei der EU-Wahl 2019 zu kandidieren.

Als bisheriger Minister hatte auch Wolfgang Sobotka keine Chance auf einen Platz in der türkis-blauen Regierung. Der Innenminister war für mehrere Ressorts im Gespräch, von Finanzen über Verteidigung bis hin zu Bildung. Das Amt des Ersten Nationalratspräsidenten dürfte ein akzeptabler Trostpreis sein.

Leer ausgegangen ist Karl Mahrer, der für die Kandidatur als Listenerster in Wien seinen Posten als Vize-Polizeichef aufgegeben und für die ÖVP die Sicherheitsagenden verhandelt hat. Intern heißt es, er hätte im blauen Innenministerium ÖVP-Staatssekretär werden sollen. Weil es dann aber zu wenig Frauen in der Regierung gegeben hätte, sei Mahrer im Finale gegen die Salzburger Top-Juristin Karoline Edtstadler ausgetauscht worden.

Mahrer könnte im ÖVP-Klub noch Sicherheitssprecher werden. Der Ex-General betont aber gegenüber dem KURIER, er sei auch als gewöhnlicher Abgeordneter zufrieden.