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Politik Inland
09/28/2018

Nach ÖGB-Vorstoß: Striktes Nein zu bezahlter Pause

Gleichstellung mit Beamten ist für Arbeitgeber „wirtschaftspolitische Bankrotterklärung“

von Michael Bachner

Beamte haben nebst anderen Privilegien (beim Urlaub oder Arztbesuch) auch bezahlte Arbeitspausen, die obendrein zur Dienstzeit zählen.

In der Privatwirtschaft soll künftig dieselbe Pausen-Regelung greifen. Das forderte jetzt ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian im KURIER als Ausgleich für den 12-Stunden-Tag, der ja seit dem 1. September gilt.

Konkret will der oberste Gewerkschafter des Landes an jedem 12-Stunden-Tag zwei halbstündige, bezahlte Ruhepausen für die Beschäftigten durchboxen – die die Gesamtarbeitszeit also auf elf Stunden verkürzen. Und das möglichst rasch – sprich schon in der bereits gestarteten Herbstlohnrunde der Metallindustrie.

Bis dato wurde dort offiziell nur die Lohnforderung von plus fünf Prozent erhoben, erst kommende Woche geht es an die Detailverhandlungen. Die Arbeitgeberseite ist daher ob der Katzian-Forderung deutlich erbost. Noch dazu, da sie der ÖGB-Boss erhebt, der in Wahrheit gar nicht mitverhandelt.

Klare Frontstellung

Das obliegt Metaller-Chef Rainer Wimmer, der jedoch als enger Vertrauter sowie Nachfolger Katzians an der Spitze der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) stets abgestimmt mit dem ÖGB-Präsidenten agiert. Zudem, so ein Sprecher, liege die Forderung nach bezahlten Arbeitspausen sehr wohl intern auf dem Tisch und sei den Arbeitgebern bekannt.

Aber: Auch wenn dem so ist, an der Frontstellung ändert das herzlich wenig.

Für die Arbeitgeberseite spricht und verhandelt Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie mit 130.000 Beschäftigten und 37 Milliarden Produktionswert.

Knill findet im KURIER-Gespräch entsprechend klare Worte: „Es gibt derzeit etliche Zurufe vom Spielfeldrand, die meisten davon nicht seriös hinsichtlich der Sicherung unseres Standortes und nicht hilfreich für die Sozialpartnerschaft. Die hocheffiziente, exportorientierte Industrie auf das Niveau des Öffentlichen Dienstes bringen zu wollen, ist allerdings eine wirtschaftspolitische Bankrotterklärung. Da fehlen mir die Worte, ehrlich gesagt.“

Knill will die Katzian-Forderung ansonst nicht weiter kommentieren, sondern sich auf die Verhandlungen konzentrieren, die am Dienstag weitergehen. So hält es auch die Wirtschaftskammer – laufende KV-Verhandlungen werden nicht kommentiert.

Seitens der Beschäftigten und bei Gewerkschaftskollegen löse die Katzian-Pausen-Idee jedoch durchwegs positive Reaktionen aus, heißt es angesichts „vieler Zuschriften und Anrufe“ in der ÖGB-Zentrale. Tatsächlich unterstützen auch die schwarzen Christgewerkschafter (FCG) den roten ÖGB-Boss, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand: „Katzian hat völlig recht, dass er dieses Thema jetzt offensiv angeht.“

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