Politik | Inland
20.09.2018

Mühsame Suche nach neuem SPÖ-Chef

Wer kommt nach Kern? Was wollen die Parteigranden, was muss der oder die Neue beherrschen?

2,4 Millionen SPÖ-Wähler – das waren 51 Prozent der Stimmen – schaffte die SPÖ im Jahre 1977. Nieder wieder kamen die Sozialdemokraten diesem Wählerrekord nahe. Zuletzt wählten nur mehr 1,3 Millionen Österreich die Roten, magere 26,8 Prozent bedeuten auch den Verlust des Kanzleramts und den Gang in die Opposition.

Partei am Boden

Heute, 340 Tage nach der Wahl, liegt die Partei am Boden: Noch-SPÖ-Chef Christian Kern kündigte am Dienstag an einem von Wirrnissen kaum zu überbietenden Tag seinen Rückzug von der Parteispitze an, weil er jedenfalls Spitzenkandidat der SPÖ in der nächsten bundesweiten Wahlauseinandersetzung – der EU-Wahl, die vom 23 bis 26. Mai 2019 abgehalten wird - als Spitzenkandidat antreten will. Und sich Chancen ausrechnet, auch der EU-weite Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten zu werden.

Aber wer soll ihm nachfolgen? Was muss sein Nachfolger – oder seine Nachfolgerin – eigentlich können? Welche Werte sollten bei einem Sozialdemokraten des 21. Jahrhunderts hochgehalten werden?

Was wollen die SPÖ-Spitzenleute?

- Kern selbst soll die Suche seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin federführend übernehmen. Er hat angekündigt, in den nächsten Tagen „ein Profil“ seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin zu erarbeiten. Dann will er dem Parteipräsidium Vorschläge vorlegen und gemeinsam zu einem Ergebnis kommen.

Burgenlands abtretender SPÖ-Chef, Landeshauptmann Hans Niessl, hatte sich zuerst klar für seinen Nachfolger, Hans Peter Doskozil, auch auf Bundesebene ausgesprochen. „Doskozil ist ein hervorragender Politiker im Burgenland. Er war aber auch ein hervorragender Minister - und wäre für die Bundespolitik deshalb bestens geeignet.“ Doskozil selbst war allerdings einer der ersten, der den Bundesgenossen eine Absage erteilte.

- Der steirische SPÖ-Chef und Vizelandeschef Michael Schickhofer erklärte, er möchte bei der Kandidatensuche den „steirischen Stil“ pflegen: erst verhandeln, dann darüber reden. Er habe mehrere geeignete Kandidaten und Kandidatinnen im Kopf. Angesprochen auf Ex-Bundesministerin Pamela Rendi-Wagner, von der es als Einzige zumindest keine Absage gab, meinte er, „Pam“ sei für ihn eine der Geeigneten.

- Der Wiener SPÖ-Chef und Bürgermeister Michael Ludwig, zweifellos einer der Schwergewichte innerhalb der Partei, formulierte vorsichtig: Der neue Bundeschef solle über politische Erfahrung verfügen, „unterschiedliche Sichtweisen“ innerhalb der Partei koordinieren können und auch nach außen hin glaubwürdig auftreten. Auf die Frage ob „links“ oder „rechts“ wichtig wäre, ließ sich Ludwig nicht ein.  Idealerweise sollte der neue Chef auch über ein Nationalratsmandat verfügen, das wäre ein Vorteil, aber keine Bedingung. Sinnvoll wäre die Wahl eines Mandatars vor allem deshalb, weil die Person die Möglichkeit hätte, die „parlamentarische Öffentlichkeit“ zu nützen. Und: Die Person müsse Wahlen gewinnen können.

- Zuletzt noch der Vorarlberger SPÖ-Chef Martin Staudinger, der das wesentliche gleich wie Häupl sieht: Jedenfalls müsse „die oder der neue Vorsitzende“ die SPÖ bei der nächsten Nationalratswahl wieder zur Kanzlerpartei machen, „sie oder er muss also das Zeug zur Kanzlerschaft haben.“

Definitiv abgesagt haben übrigens neben Doskozil auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures und der Kärntner Landeschef Peter Kaiser.