Politik | Inland
05.01.2018

Mit dem "Spaghettimonster" gegen Staat und Kirche

Anhänger des "Spaghettimonsters" könnten am Montag die Vorstufe zur Religionsgemeinschaft erreichen. Für die Religionskritiker wäre es ein Erfolg.

Bekommt das "Fliegende Spaghettimonster" einen Platz neben Gott, Allah und Buddha? Am kommenden Montag wird am Bundesverwaltungsgericht diese grundlegende Frage verhandelt. Seit 2014 kämpft die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters", eine Satire-Religion, um die Anerkennung als staatliche Religionsgemeinschaft. Damals lehnte das Kultusamt das Ansinnen ab, nun könnte der Streit neu entschieden werden.

Im ersten Schritt geht es den Spaghettimonster-Aktivisten darum, nur als "religiöse Bekenntnisgemeinschaft" eingetragen zu werden. Denn die Hürden, um als vollwertige Religionsgemeinschaft gesetzlich anerkannt zu werden, sind mittlerweile hoch. Man braucht dafür zum Beispiel zwei Promille der Bevölkerung, also 17.000 Menschen als Mitglieder. Auch muss die Gemeinschaft seit mindestens 20 Jahren in Österreich bestehen, zehn davon in organisierter Form.

Die Spaghettimonster-Bewegung, auch "Pastafari" genannt, wurde 2005 vom US-Physiker Bobby Henderson gegründet. Er kritisierte damit den in den USA stärker werdenden Kreationismus. In Österreich steht dagegen das Anliegen im Vordergrund, die Entscheidungen des Staates, Religionen anzuerkennen oder auch nicht, auf die Probe zu stellen. Die Pastafari wollen den Staat, repräsentiert durch Gerichte und Behörden, zur Diskussion zwingen: Was ist eigentlich eine Religion?

Kultusamt entscheidet über Status

"Wenn Religionsgemeinschaften bestimmte Rechte genießen, dann sollen alle sie haben. Es obliegt nicht dem Staat zu sagen, diese Religion sei gut genug für Privilegien und die andere nicht", sagt Philip Sager, Sprecher der österreichischen Spaghettimonster-Kirche. Seine nach eigenen Angaben 537 Schäfchen zählende Gemeinde nennt den 35-Jährigen allerdings nicht Sprecher, sondern "Obersten Maccherone".

An der Mitgliederzahl können die Pastafari somit schon einmal nicht scheitern: Eine Bekenntnisgemeinschaft muss 300 Mitglieder nachweisen. Der Verhandlung am Montag blickt Sager positiv entgegen: "Wir freuen uns, dass man uns endlich ernst nimmt."

Nudelsieb-Aktionismus

Schon im Jahr 2011 machte der spätere Neos-Abgeordnete Niko Alm mit seinem Führerschein, auf dem er ein Nudelsieb trägt, Schlagzeilen. Die Behörden akzeptierten das Sieb als religiöse Kopfbedeckung. Hintergrund: In Österreich darf man keine Kopfbedeckung auf Führerschein-Fotos tragen, es sei denn eine konfessionelle. Alm wertete die Bewilligung als Aufwertung des Atheismus, Sagl tat es ihm später mit seinem Führerschein gleich.Dort habe es geheißen, niemand dürfe mit Kopfbedeckung aufs Foto - außer eben einer "konfessionellen" - derstandard.at/1308681039222/Oesterreichs-Behoerden-Nudelsieb-auf-Fuehrerscheinfoto-genehmigtDort habe es geheißen, niemand dürfe mit Kopfbedeckung aufs Foto - außer eben einer "konfessionellen" - derstandard.at/1308681039222/Oesterreichs-Behoerden-Nudelsieb-auf-Fuehrerscheinfoto-genehmigtDort habe es geheißen, niemand dürfe mit Kopfbedeckung aufs Foto - außer eben einer "konfessionellen" - derstandard.at/1308681039222/Oesterreichs-Behoerden-Nudelsieb-auf-Fuehrerscheinfoto-genehmigt

Grundsätzlich trifft die Entscheidung, wer eine Religions-, eine Bekenntnisgemeinschaft oder nur einen Verein bildet, das Kultusamt im Bundeskanzleramt. Im April 2014 scheiterten die Pastafari, weil der Begriff "Kirche" nur auf christliche Gläubige zutreffe und die religiöse Lehre fehle. Vielmehr habe der Verein ironisch-kritischen Charakter.

Kritik an Privilegien

Laut Bekenntnisgemeinschaftsgesetz müssen die Statuten der Gemeinschaft die "Darstellung der Religionslehre" enthalten, diese haben sich von anderen anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften zu unterscheiden. Das Nein des Kultusamtes ist für Sager daher unverständlich. An der aktuellen Situation in Österreich kritisiert er den staatlich bezahlten Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und die steuerlichen und verwaltungstechnischen Vorteile der Kirchen.

Mit anderen Gruppierungen, die sich wie die Pastafari dem Laizismus verschreiben, tausche man sich regelmäßig aus, erzählt Sager: "Unsere Weltanschauung ist relativ wissenschaftlich, da gibt es natürlich Überschneidungen." Im Brotberuf ist Sager als Maschinenbau-Ingenieur für einen Triebwerksbauer tätig. Kontakte würden die Pastafari etwa mit der sich so bezeichnenden (aber nicht anerkannten) Atheistischen Religionsgesellschaft in Österreich und den Freidenkern pflegen, die beide auf eine Trennung von Staat und Religion pochen.

Zeugen Jehovas nach Jahrzehnten anerkannt

Laut Kultusamt gibt es in Österreich zur Zeit 14 anerkannte Religions- und acht eingetragene Bekenntnisgemeinschaften. Die Gruppen, die zuletzt den Schritt zur offiziellen Religion geschafft haben, waren die Zeugen Jehovas, die Freikirchen und die Aleviten.

14 anerkannte Kirchen und Religionsgemeinschaften

Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Griechisch-orientalische (= orthodoxe) Kirche, Israelitische Religionsgesellschaft, Islamische Glaubensgemeinschaft, Orientalisch-orthodoxe Kirchen (inkl. Armenisch-apostolische Kirche und Syrisch-Orthodoxe Kirche), Altkatholische Kirche, Evangelisch-methodistische Kirche, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), Neuapostolische Kirche, Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft, Jehovas Zeugen, Alevitische Glaubensgemeinschaft, Freikirchen in Österreich

Acht religiöse Bekenntnisgemeinschaften

Alt-Alevitische Glaubensgemeinschaft, Bahai, Christengemeinschaft, Hinduistische Religionsgesellschaft, Islamische-Schiitische Glaubensgemeinschaft, Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Pfingstkirche Gemeinde Gottes, Vereinigungskirche