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Politik Inland
07/10/2021

Meinungsforscher über Rendi-Wagner: "Raus aus der Rolle der alles duldenden Frau"

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer erklärt, warum die SPÖ-Chefin zurückgeschlagen hat.

von Elisabeth Hofer, Johanna Hager

Genau zwei Wochen sind seit dem Parteitag der SPÖ vergangen. Zwei Wochen, in denen die Genossen mit Interna statt mit Inhalten für Schlagzeilen sorgten. Nach dem Parteitagsdebakel (Rendi-Wagner erhielt 75,34 Prozent der Stimmen/zum Ende hin waren zu wenig Delegierte anwesend, um beschlussfähig zu sein) teilte Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gegen Parteichefin Pamela Rendi-Wagner aus-. Sie führe die Partei wie dereinst Reinhold Mitterlehner die ÖVP. Rendi-Wagner schlug zurück und verglich Doskozil postwendend mit FPÖ-Chef Herbert Kickl.

Am Sonntag wurde nun die erste große Umfrage (800 Befragte) seit dem Parteitag publik, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Unique research für das profil. Darin verliert die SPÖ einen Prozentpunkt und liegt nun bei 22 Prozent der Stimmen (21 waren es bei der Nationalratswahl 2019). Die ÖVP konnte hingegen leicht zulegen und schafft 34 Prozent. Auch die Neos gewinnen etwas und stehen nun ex aequo mit den Grünen bei 12 Prozent.

In der Kanzlerfrage bleibt die SPÖ-Chefin stabil bei 13 Prozent, liegt damit aber nach wie vor weit abgeschlagen hinter Kanzler Sebastian Kurz (28 Prozent).

Zwar sei ein Ein-Punkt-Verlust oft eine statistische Übergenauigkeit, aber: „Dass der SPÖ die interne Diskussion schadet, ist so klar wie das Amen im Gebet“, sagt Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer im Gespräch mit dem KURIER. Geschädigt würden dabei beide Streitparteien, also sowohl Rendi-Wagner, als auch Doskozil.

Warum? „Doskozil ist der eigentliche Sprengmeister in dem Ganzen“, sagt Bachmayer. Dass es nun wieder eine Personaldebatte gibt, würden ihm in der Partei einige übel nehmen. Getrieben sei Doskozil offenbar von persönlicher Antipathie gegen die Parteichefin aber auch von der ehrlichen Meinung, mit ihrem „links-urbanen“ Kurs sei kein Staat zu machen. Aber: "Warum gerade jetzt diese erneute Attacke von Dosko auf Rendi-Wagner, die ohnehin durch das Parteitagsergebnis geschwächt ist? Wer soll ihr denn nachfolgen und Ruhe in die Partei bringen? Das nutzt derzeit ja  eher den Regierungsparteien“ - auch diese Fragen sollte sich die SPÖ laut Baychmayer stellen.

Bei Rendi-Wagner verhalte es sich anders.

Ihre internen Zustimmungswerte seien seit der Mitgliederbefragung im Frühjahr 2020 stetig angestiegen. Das basiere einerseits auf dem Erfolg Michael Ludwigs bei der Wien-Wahl, von dem die Parteichefin mitprofitiert hatte. Andererseits sei ihr Umschwenken von einer angriffigeren auf eine konsensorientiertere Art gut aufgenommen worden.

Rendi-Wagners Kurswechsel

„Insofern hat mich der Doskozil-Kickl-Vergleich sehr überrascht, das ist schon harter Tobak“, sagt Bachmayer. „Rendi-Wagner hat offenbar entschieden, nicht in der traditionellen Rolle einer alles hinnehmenden, alles duldenden Frau bleiben zu wollen, sondern zurückzuschlagen.“ Vor allem bei den Wählerinnen könnte das ankommen.

Die SPÖ-Frauen wollen sich indes mit Kommentaren zu den wieder aufgeflammten Streitereien zwischen Rendi-Wagner und Doskozil zurückhalten. Im Gespräch mit dem KURIER betont die frisch gewählte Frauenvorsitzende, Eva-Maria Holzleitner, für interne Debatten gebe es die Gremien. Es sei wichtiger, inhaltliche Diskussionen zu führen, dafür habe die Nationalratssitzung diese Woche genug Anlass gegeben.

Und auch die exekutierte Aktenlieferung aus dem ÖVP-geführten Finanzministerium an den Ibiza-Untersuchungsausschuss verdiene mehr Aufmerksamkeit als interne Querschläge.

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