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Politik Inland
06/13/2020

Martin Ho: "In zehn Jahren lachen wir über die Krise"

Gastronom Martin Ho über die Razzia in einem seiner Restaurants im Lockdown, Kurzarbeit und wie er die Krise meistern will.

von Ida Metzger

KURIER: Herr Ho, viele Inhaber von Restaurants, Nachtklubs und Hotels kämpfen um ihre Existenz. Welche Gedanken hatten Sie, als Sie Ihre Betriebe schließen mussten?

Martin Ho: Ich bin im vollen Umfang getroffen, weil ich auch Nachtklubs habe. Für mich war ganz klar, dass ich nicht auf das Rettungsboot warten werde. Wenn man nicht ganz blauäugig ist, dann musste man damit rechnen, dass der Staat nicht allen gleich schnell helfen kann. Dafür war die Dimension der Welle, die sich hier aufbaute, zu groß.

Wie kommt man aus der Krise, wenn man Hotels hat und keine Touristen kommen? Ihre Klubs können Sie auch noch nicht öffnen.

Ich habe ja noch eine Kunstgalerie. Wenn die Leute nicht zu mir kommen können, dann muss ich die Kunstwerke zu den Kunden bringen. Ich habe eine Online-Ausstellung mit 15 Adam-Lister-Werken gemacht. Sie ist ausverkauft, weil die Kunstsammler durch Corona auch mehr Zeit hatten, Kunst zu kaufen.

15 verkaufte Bilder retten aber noch nicht die Gastronomie ...

Am zweiten Tag des Shutdowns hatten wir einen Lieferservice auf die Beine gestellt und hatten sehr gute Umsätze.

Zustellservice ist sehr kostenintensiv, es bleibt selten ein Gewinn. Reicht das?

In den ersten Wochen war es nicht wichtig, Gewinn zu machen, sondern Liquidität zu bekommen. Uns war der Liquiditätsschub wichtig, denn ich wollte nicht, dass diese Krise zu einer Schuldenkrise wird, wo ich Überbrückungskredite aufnehmen muss, obwohl 50 Prozent unseres Umsatzes die Klubs machen. Wir werden sicher bis 2022 brauchen, um dieses Minus aufzuholen. Wenn die Klubs fünf Monate geschlossen sind, kannst du das nicht mehr aufholen. Was weg ist, ist weg.

Wann, schätzen Sie, werden die Nachtklubs wieder öffnen?

Es gibt mehrere Vorschläge, wie eine Öffnung ausschauen könnte. Mittlerweile ist ein interner Regierungskampf Gesundheitsministerium gegen Tourismusministerium, wann und wie die Klubs geöffnet werden könnten. In der Expertengruppe schlagen wir mit anderen Nachtgastronomen Fiebermessungen und die Reduktion der Kapazität auf 75 Prozent vor. Oder nur Gäste in den Klub zu lassen, die die Corona-App haben, um das Risiko zu minimieren.

Reichen die Pakete der Regierung aus, um ein Sterben der Gastronomie zu verhindern?

Die Senkung der Umsatzsteuer auf fünf Prozent hilft uns in allen Bereichen. Damit können wir tatsächlich Deckungsbeiträge erhöhen und am laufenden Geschäft mehr verdienen. Man kann nicht alles aufholen, aber ein bisschen was lässt sich damit kompensieren. In der Klubkultur würde es uns helfen, wenn die Eintrittskarten an die Theaterkarten angepasst werden, die nur mit 13 Prozent besteuert sind. Ob es alle retten wird, kann ich nicht sagen. Es hilft auf jeden Fall allen, die gut ausgelastet sind. Mir ist aber klar, dass der Staat nicht unendliche Geldmittel hat und verschenken kann.

Ihr Freund Sebastian Kurz hat aber gesagt: Koste es, was es wolle...

Das hat die Bundesregierung in den ersten Wochen gesagt. Für mich ist die Geschwindigkeit entscheidend, wann was kommt.

Aber die Geschwindigkeit ließ auch zu wünschen übrig ...

Natürlich hätten wir gerne das Geld innerhalb der ersten fünf Tage auf dem Konto gehabt. Ja, es gibt auch das Schweizer Modell. Österreich ist da etwas anders, dafür haben wir bei der Hilfsleistung nachhaltig eine bessere Qualität bei der Vergabe der Gelder.

Sie haben Ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, haben Sie das Geld schon bekommen?

Wir haben zweieinhalb Monate gewartet, aber in den letzten Tagen haben wir das Geld bekommen.

Welche Lehren ziehen Sie für die Gastronomie aus der Corona-Krise?

Dass jedes Lokal unbedingt einen Gastgarten braucht. Beim Open-Air-Genuss minimiert sich das Virenrisiko, und man kann auch die Distanz besser einhalten. Das ist sicher ein Grund, warum wir jetzt seit 15. Mai wieder eine sehr gute Auslastung haben.

Sie haben mit 19 Jahren Ihr erstes Lokal eröffnet. Jetzt haben Sie Ihr Stammhaus verlegt. Wie finanziert man mit 19 ein Szenelokal?

Ganz klassisch über einen Kredit, und einen kleinen Teil habe ich von meinen Eltern bekommen.

Wie bekommt man mit 19 Jahren einen Kredit?

Meine Eltern haben die Bürgschaft übernommen. Unser Familienmotto ist: Als Familie überstehen wir alles. Sie haben mich immer zur Selbstständigkeit erzogen. Das Dots war damals eine Vision von mir, meine Eltern haben mich damals mit 1.000 Prozent unterstützt. Das tun sie auch heute noch. Gemeinsam kommt man durch jede Krise. Ich bin überzeugt, in zehn Jahren lachen wir über die Krise.

Sie gelten als Freund von Sebastian Kurz; ist das mittlerweile mehr Fluch als Segen?

Freundschaft ist immer ein Segen. Warum bei mir immer dieser Stempel aufgedruckt wird, weiß ich nicht. Der Bundeskanzler kennt viele Menschen, aber nur bei mir wird die Freundschaft thematisiert.

Sie jammern nicht wie andere Gastronomen. Wird man Ihnen nicht vorwerfen, dass Sie das wegen der Freundschaft zu Sebastian Kurz nicht tun?

Das sind genau diese Vorurteile, die immer gestreut werden. Aber meine Einstellung hat nichts mit der Freundschaft zu tun. Es bringt mir einfach nichts zu jammern, zu beten, zu warten. Das ist verschwendete Energie, die ich lieber in die Lösung investiere. Die Bekanntschaft zu Sebastian Kurz bringt auch keine Vorteile, ich werde nicht bevorzugt. Das Geld für die Kurzarbeit habe ich erst vor wenigen Tagen überwiesen bekommen.

Sie kamen in die Schlagzeilen, weil es in einem Ihrer Restaurants eine Razzia gab.

Das war ein unglückliches Zusammenspiel. Das Lokal war geschlossen, aber das Personal war da, weil sie für den Zustellservice arbeiten. Der Stammkunde kam ins Lokal und hat es sich dann mit Freunden in einem Extrazimmer gemütlich gemacht. Aber es gab keine Razzia im klassischen Sinn, sondern gegen unseren Stammkunden wurde eine Anzeige erstattet, und der Polizeieinsatz hat aus ermittlungstechnischen Gründen stattgefunden. Meine Nähe zum Bundeskanzler hat das dann zu einer brisanten Geschichte gemacht, obwohl weder ich noch er etwas damit zu tun haben. Das war eine Erfahrung, und mittlerweile ist auch mein Fell mit einer gewissen Stärke ausgestattet. Es hat mit nicht geschadet, denn eine Woche danach war die Eröffnung des neuen Dots – und die war ausgebucht.

Sie, der König der Nachtklubs, geben an, um 20 Uhr ins Bett gegangen zu sein und nichts mitbekommen zu haben. Klingt nicht glaubhaft ...

Ich habe seit dem Shutdown meinen Arbeitsrhythmus umgestellt und nutze jetzt die üblichen Bürozeiten, um neue Dinge zu entwickeln. Daher komme ich immer zeitig nach Hause. Ich lege mich dann immer früh mit meiner Frau und meiner Tochter ins Bett und schaue ein oder zwei Folgen der Netflix-Serie „Haus des Geldes“. Um 20.15 Uhr bin ich eingeschlafen.

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