Marsaleks Fluchthelfer Schellenbacher von Gericht freigesprochen
Es ist ein Urteil, das für Aufsehen sorgt – und noch lange nicht das letzte Wort sein dürfte. Am Freitag sprach das Landesgericht Wiener Neustadt den ehemaligen FPÖ‑Nationalratsabgeordneten Thomas Schellenbacher vom Vorwurf der Begünstigung frei. Im Zentrum des Prozesses stand kein Geringerer als der untergetauchte frühere Wirecard‑Vorstand Jan Marsalek, eine der schillerndsten Figuren im größten Finanzskandal der jüngeren europäischen Geschichte und mutmaßlicher Spion im Auftrag Russlands.
Die Staatsanwaltschaft warf dem heute 61‑jährigen Niederösterreicher vor, Marsalek im Juni 2020 bei seiner Flucht geholfen zu haben. Konkret soll Schellenbacher einen Charterflug am 19. Juni 2020 vom Flugplatz Bad Vöslau nach Minsk vermittelt, organisiert und dessen Abwicklung überwacht haben. Damit, so der Vorwurf, habe er Marsalek der drohenden strafrechtlichen Verfolgung entzogen – ein klassischer Fall von Begünstigung.
Doch im Gerichtssaal zeichnete sich ein anderes Bild ab. Schellenbacher wies die Anschuldigungen entschieden zurück und bekannte sich nicht schuldig. Die Einzelrichterin folgte dieser Darstellung. In ihrer Begründung betonte sie, es sei keine Absicht und auch kein persönliches Interesse Schellenbachers an einer Flucht Marsaleks nachweisbar gewesen. Zudem blieb eine zentrale Frage unbeantwortet: Ob Marsalek zu diesem Zeitpunkt überhaupt bereits eine konkrete Straftat begangen hatte, konnte „nicht abschließend beurteilt werden“.
Causa ist noch nicht beendet
Ohne diese sogenannte Vorfrage – also die strafrechtliche Relevanz von Marsaleks Verhalten zum Zeitpunkt des Fluges – fehle dem Begünstigungsvorwurf die rechtliche Grundlage, so die Richterin. Das Ergebnis: Freispruch.
Doch die Causa ist damit keineswegs beendet. Die Staatsanwaltschaft meldete noch im Gerichtssaal Berufung wegen Nichtigkeit und Schuld an. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig, der Fall wird nun vor einer höheren Instanz weiterverhandelt.
Der Name Marsalek bleibt damit weiterhin eng mit offenen Fragen, internationalen Verwicklungen und juristischen Grauzonen verbunden. Und auch für Thomas Schellenbacher ist das Kapitel noch nicht abgeschlossen. Der spektakuläre Wirecard‑Komplex hat erneut gezeigt: Selbst Jahre nach dem Zusammenbruch des Konzerns sind seine Schatten in Österreich noch immer präsent.
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