Politik Inland
03/03/2021

Ab 11. März wird kompletter Tiroler Bezirk durchgeimpft

EU stellt zusätzliche Dosen bereit - Schwaz wird europäische Forschungsregion wegen südafrikanischer Variante.

von Johanna Hager

Die Infektionszahlen sind im Steigen begriffen. Am Mittwoch wurden 2.553 Neuinfektionen in Österreich gemeldet. Die 7-Tages-Inzidenz von 160 war zu erwarten, schickte Kanzler Sebastian Kurz beim Pressefoyer nach dem Ministerrat voraus. Die britische und die südafrikanische Variante des Virus seien die Herausforderungen auf dem "Weg in die Normalität". Besonders Tirol sei von der südafrikanischen Variante betroffen gewesen. "Es ist gelungen, von 200 aktiven Fällen auf unter 100 in Tirol zu kommen", sagt der ÖVP-Chef. "Unser großes Ziel muss es sein, die Variante, die eine Bedrohung darstellt, auszulöschen." Helfen soll dabei eine einzigartige EU-Initiative.

100.000 Biontech/Pfizer-Dosen

Im Bezirk Schwaz in Tirol ist die Situation ob der südafrikanische Mutation besonders prekär. Dank der EU-Kommission bekommt Schwaz jetzt 100.000 zusätzlliche Biontech-Pfizer Dosen seitens der EU, um die Mutation mittels Impfungen auszumerzen.

Kurz spricht von einer "einmaligen Möglichkeit dank EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen" für Schwaz. "100.000 Impf-Dosen bekommt man aus Europa nicht einfach so", so der Kanzler. Der Bezirk hat rund 84.000 Einwohner.Einige EU-Länder seien skeptisch gewesen, ob Schwaz erstmals zusätzliche Impfungen von der EU bekommen soll. Das sei ein wichtiger und besonderer Schritt gewesen.

Ab 11. März werden alle Bewohner in Schwaz geimpft

Alle Bewohnerinnen und Bewohner (ab 16 Jahre) von Schwaz können ab 11. März geimpft werden, sagt Landeshauptmann Günther Platter. Zudem soll Schwaz eine europäische Studienregion werden.

Die grüne Landeshauptmann-Stv. Ingrid Felipe bezeichnet das Forschungsprojekt als "Hoffnungsschimmer" und als "Akt der Solidarität". Um erfolgreich sein zu können, sei das Engagement der Bürgerinnen und Bürger unabdingbar, so Felipe. Dennoch müsse man lernen, mit dem Virus zu leben, sich weiter an die Maßnahmen halten.

Eine Kommission internationaler Experten wird das Infektionsgeschehen in Schwaz wissenschaftlich begleiten. Das Bundesland sei betreffend Contact-Tracing und Eindämmung der Virusmutation vorbildlich, so Anschober, doch: "Es gibt eine Pandemie in der Pandemie. Unser Problem sind die Mutationen." 

Wer aus dem Bezirk ausreisen will, der braucht künftig einen negativen Test. Deutschland verlängert indes die Grenzkontrollen zu Tirol bis 17. März.  Die Verlängerung sei "erwartbar", sagt Kurz.

"Medizinisches Geschenk"

Maria Paulke-Korinek bezeichnet es als "medizinisches Geschenk", dass Schwaz zur wissenschaftlichen Testregion wird. "Es werden zahlreiche wichtige Fragen geklärt werden. Jede einzelne Impfung wird helfen, die Viruslast zu dämpfen." Die Impfungen führen jedenfalls zu einer geringenen Viruslast, so Paulke-Korinek. "Man nimmt an, dass geimpfte Personen das Virus weniger übertragen als Nicht-Geimpfte." Wissenschaftliche Studien sind noch ausständig.

Kritik an den 100.000 Impf-Dosen für Schwaz übt der stv. Klubchef der Neos, Gerald Loacker.

Loacker kritisiert "Sonderbehandlung für Schwaz"

"Die Würfel der Verantwortlichen sind darauf gefallen, den Bezirk vorrangig durchzuimpfen", sagt Loacker zum KURIER. "Genau jene Politiker, die immer vor der gefürchteten ‚Triage‘ gewarnt haben, machen jetzt selbst eine Triage: Sie ziehen jetzt die Schwazerinnen und Schwazer den alten Menschen, den Diabetikern, den Bluthochdruckpatienten, den Lungenkranken in allen anderen österreichischen Bezirken vor. Ein 26-jähriger Schwazer bekommt jetzt das, was die 82-jährige Mistelbacherin nicht bekommt."

Betreffend Impfungen sei Österreich europaweit auf dem "guten 7. Platz", so Kurz, der am Donnerstag nach Israel reisen wird, um dort über eine etwaige gemeinsame Impfproduktion zu beraten.

"Gamechanger" - Gemeinsame Impfstoff-Herstellung

Das Thema "Impfen und Corona" wird uns weiter begleiten, so Kurz. "Eine schnelle Forschung und Produktion von Impfstoffe" werde "der Gamechanger"sein. Österreich verlasse mit der möglichen gemeinsamen Impfstoff-Herstellung mit Israel und Dänemark den europäischen Weg nicht. "Der europäische Weg war immer dann erfolgreich, wenn jedes Land einen maximalen Beitrag leistet." Der Plan könne gar nicht gegen jemanden gerichtet sein. "Wir sitzen alle im selben Boot, sollten so gut aufgestellt sein, dass wir es mit jedem Virus aufnehmen können."

"Nicht wegen Qualitätsfragen, sondern wegen Studienfragen" ist der Astra Zeneca-Impfstoff bis dato nicht für Menschen über 65-Jahre zugelassen, erklärt Anschober auch Nachfrage. "Grundsätzlich" kann sich der Gesundheitsminister eine Ausweitung der Impfungen auch in Apotheken vorstellen; nicht aber in der jetzigen Phase der Pandemie und in der laufenden Impfaktion. "Für die Zukunft kann ich mir eine Ausweitung vorstellen."

Die 100.000 zusätzlichen Impf-Dosen aus der EU ändern am österreichischen Impfplan derzeit nichts, heißt es seitens des Bundeskanzleramtes.

Wie die Öffnungsschritte in Vorarlberg im Details aussehen können werde noch verhandelt, so Sebastian Kurz auf Nachfrage.

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