Politik | Inland
25.02.2018

Kurz zu Tirol-Wahl: "Erwartungen übertroffen"

Der ÖVP-Chef sieht auch einen "kräftigen Rückenwind" für die Bundespartei. Neben der ÖVP zeigen sich aber auch die FPÖ und SPÖ zufrieden. Die Grünen sehen einen Achtungserfolg.

Hoch erfreut über den laut Hochrechnungen klaren ersten Platz der Volkspartei bei der Tiroler Landtagswahl hat sich am Sonntag ÖVP-Chef Sebastian Kurz gezeigt: "Das Tiroler Wahlergebnis hat unsere Erwartungen übertroffen", gratulierte er in einem Statement gegenüber der APA Landeshauptmann Günther Platter zum Wahlsieg und den Zugewinnen.

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Kurz bedankte sich auch bei allen Funktionären und Helfern. Seit der Landtagswahl 2009 in Oberösterreich sei dies die erste Landtagswahl mit Zuwächsen für die Volkspartei. Das Tiroler Ergebnis zeige vor allem, dass nach der Nationalratswahl und der niederösterreichischen Landtagswahl auch die Tiroler "die Sacharbeit, das Miteinander und den neuen Politikstil mit Zustimmung belohnen", meinte Kurz. "Das Tiroler Ergebnis gibt auch uns auf Bundesebene nochmals kräftigen Rückenwind."

Niederösterreichs ÖVP-Chefin, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, gratulierte Landeshauptmann Günther Platter und seinem Team herzlich zum "hervorragenden Landtagswahl-Ergebnis". "Die Tirolerinnen und Tiroler haben sich für Kompetenz, Verlässlichkeit und Stabilität entschieden. Dieses Wahlergebnis garantiert, dass die erfolgreiche Arbeit für Tirol weitergehen kann", erklärte Mikl-Leitner.

ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer ortete im ORF ein "schönes Zeichen für die neue Volkspartei". Nehammer ortete auch einen Anteil der Bundespartei am Erfolg von Landeshauptmann Günther Platter ( ÖVP). Platter und Bundesparteichef Sebastian Kurz seien oft zusammen aufgetreten. Bezüglich einer Koalition wollte Nehammer keine Ratschläge aus Wien erteilen - Platter werde mit allen Parteien sprechen, bekräftigte er.

FPÖ: Abwerzger "sehr zufrieden"

Auch der FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger hat sich mit den Zugewinnen der Freiheitlichen "sehr zufrieden" gezeigt. Ein Plus von annähernd sieben Prozent ist ein "sehr gutes Ergebnis", sagte Abwerzger der APA. Ein "Wermutstropfen" sei das voraussichtliche Verfehlen von Platz zwei.

Mit dem zweiten Platz rechnete Abwerzger trotz einer nach wie vor möglichen Chance nicht mehr und verwies darauf, dass vor allem Innsbruck noch nicht ausreichend ausgezählt sei. Die Chancen auf eine Regierungsbeteiligung sah der FPÖ-Chef hingegen aber nach wie vor intakt. "Die Chance steht 50 zu 50. Wir sind zu Gesprächen bereit", erklärte der FPÖ-Chef.

FPÖ-Bundesparteiobmann und Vizekanzler Heinz-Christian Strache freute sich über ein "ausgezeichnetes Ergebnis". Die FPÖ lasse sich auch "von Schmutzkübelkampagnen nicht bremsen", betonte Strache in einer Aussendung. "Die FPÖ hatte einen Wahlkampf unter widrigen Bedingungen zu führen und wurde mit unfairsten Mitteln bekämpft. Angesichts dieser Umstände ist das FPÖ-Plus - der stärkste Zugewinn aller Parteien - sensationell", frohlockte Strache.

"Unsaubere Methoden" im Wahlkampf beklagte im ORF auch die blaue Generalsekretärin Svazek. Trotz "Kampagnisierung" gegen die FPÖ habe man den größten Zugewinn geschafft. "Das Ergebnis ist ein sehr schönes."

SPÖ: Blanik sieht Projekt geglückt

Die Spitzenkandidatin der Tiroler SPÖ, Elisabeth Blanik, hat sich "glücklich" über den Zugewinn ihrer Partei bei der heutigen Landtagswahl gezeigt. Das Projekt sei geglückt, die gesteckten Ziele erreicht, so die Lienzer Bürgermeisterin in einer ersten Reaktion in der roten Parteizentrale. Den Sieg wollte sie sich nicht nur selbst zuschreiben. Man gewinnen nie alleine.

Ein "hervorragendes Ergebnis" für die Tiroler SPÖ sieht Bundesparteichef Christian Kern. "Der Aufwärtstrend der Sozialdemokratie setzt sich fort", meinte er in einer Aussendung. Bei einer möglichen Koalition sei eine deutliche sozialdemokratische Handschrift wesentlich, erklärte Kern - hierfür sehe er in Tirol "viele Anknüpfungspunkte". Spitzenkandidatin Elisabeth Blanik habe es geschafft, die SPÖ in Tirol in kurzer Zeit neu aufzustellen und einen "engagierten und lebendigen Wahlkampf mit klarer sozialdemokratischer Handschrift" zu führen, findet Kern. Damit sei es gelungen, "die FPÖ zum dritten Mal in Folge auf Platz drei zu verweisen - ein Zeichen dafür, wie stark die Sozialdemokratie in ganz Österreich ist. Wir habe heute gemeinsam gewonnen", meinte Kern.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Max Lercher sah ein "absolut gutes Ergebnis. "Wir gewinnen Wahlen, wir haben Stimmenzuwächse", so Lercher. Man habe sogar zwei Wahlziele - den zweiten Platz und deutliche Zugewinne - erreicht, erklärte Lercher im APA-Gespräch. Eine Koalitionsbeteiligung solle es "nicht um jeden Preis" geben, betonte Lercher aber. Was aus Sicht des Bundesgeschäftsführers auf jeden Fall für die SPÖ spricht: "Die Regierungsfähigkeit der FPÖ kann man ja da oder dort durchwegs bezweifeln", ätzte er.

Grüne sprechen von "Achtungserfolg"

Die Grüne Spitzenkandidatin Ingrid Felipe kann mit dem Abschneiden ihrer Partei leben. Gegenüber Journalisten sprach sie von einem "Achtungserfolg". Immerhin sei man im Oktober bei der Nationalratswahl noch bei vier Prozent gelegen und nun bei über zehn Prozent. Ob sie einen Auftrag für die Fortsetzung von Schwarz-Grün sieht, wollte Felipe gegenüber der APA vor Vorliegen des Endergebnisses nicht beurteilen. Die Landeshauptmann-Stellvertreterin verwies aber darauf, dass man im Vorfeld klar gestellt habe, bei Zweistelligkeit verhandlungsbereit zu sein. Nun sei aber Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Zug. Der Bundespartei der Grünen droht derweil der Verlust desKlubstatus im Parlament.

"Es reicht die Volksschul-Mathematik, um zu erkennen, dass da ein leichtes Minus vorne steht", räumte der Grüne-Bundessprecher Werner Kogler ein, aber bei der Wahl davor sei man auch besonders gut gelegen. Man habe zehn Prozent angestrebt - laut Hochrechnungen dürfte man auch zweistellig bleiben. Kogler sieht das Ergebnis durchaus als Bestätigung der Regierungsarbeit in Tirol. Das Ergebnis sei "solide".

NEOS: Strolz erwartet Schwarz-Grün

NEOS-Chef Matthias Strolz rechnet mit einer Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition in Tirol. Dies sagte Strolz im Gespräch mit der APA. Mit dem Ergebnis der Tiroler Landespartei, also dem Landtagseinzug, zeigte sich der NEOS-Chef "zufrieden".

Dies sei auch von der Größenordnung her das Ergebnis, das er erwartet habe. Nun rate er der Landespartei, sich "aktiv" in die voraussichtlichen Sondierungsgespräche einzubringen. Die Chance auf eine schwarz-pinke Koalition bewertete Strolz aber als nicht sehr hoch. Die Pinken würden jedenfalls beim Rennen, wer es billiger macht, nicht mitmachen.

NEOS-Spitzenkandidat Dominik Oberhofer hat sich über das Ergebnis der Landtagswahl "sehr zufrieden" gezeigt. "Das Ziel Einzug ist uns geglückt", sagte Oberhofer nach den ersten Hochrechnungen vor Journalisten. Die NEOS könnten jetzt im Landtag mitgestalten. Oberhofer hoffte noch auf ein zweites Mandat. "Jetzt warten wir einmal auf das Endergebnis", betonte er. Tirol sei offenbar ein "guter Nährboden" für die Pinken. Für die NEOS sei es in den Ländern nicht leicht, besonders, wenn sie "in Umklammerung" eines Systems seien, befand NEOS-Generalsekretär Nick Donig. Aber die Ideen der NEOS kämen durchaus an: "Das wird gewollt, das wird gewählt."

Liste Fritz hat "Minimalziel" erreicht

Die Spitzenkandidatin der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, hat das "Minimalziel", also den Landtagseinzug, erreicht gesehen. "Unser Maximalziel, die Verdoppelung der Mandate, ist uns leider nicht geglückt", sagte Haselwanter-Schneider zur APA.

"Zum dritten Mal in Folge in den Tiroler Landtag einzuziehen, ist aber eine tolle Leistung", so die Liste Fritz-Frontfrau. Sie wolle nun noch auf die Ergebnisse der großen Städte warten, denn da erwarte sie sich "noch Einiges".