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Politik Inland
08/11/2019

Kurz im Burgenland: "Spazieren mit Sebastian"

Mehr als 1.000 Anhänger kamen zur letzten "Bergauf-Tour", das Event ging aber auch in Richtung Rot-Blau.

von Johanna Hager

"Österreich hat das Beste noch vor sich", steht auf dem Wahlwerbe-Folder geschrieben. Die Besucher von Schloss Kohfidisch haben am Sonntagvormittag noch einen Spaziergang vor sich. Mit Sebastian Kurz, der zum letzten "Bergauf, Österreich"-Event ins Südburgenland geladen hat.

 

Vom Scheitel (Sonnenbrille) bis zur Sohle (Schnürsenkel) sind einige Sympathisanten in Türkis gekleidet. Sie nehmen das von der ÖVP ausgegebene Credo – "Farbe bekennen" – wörtlich. Ähnlich verhält es sich auf KURIER-Nachfrage mit der Begründung, warum sie hier sind.

 

"Weil wir wollen, dass es mit dem Land bergauf geht." Ehe es auf den 365 Meter hohen Csaterberg geht, schwören Moderator Peter L. Eppinger und ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer die rund 1000 Anwesenden in bewährter Manier ein.

 

Auf Zusammenhalt (Eppinger: "Bei euch holen wir uns Kraft"), Gegner (Nehammer: "Wir brauchen keine rechten Schreier und keine linken Träumer") und auf den Spitzenkandidaten. "Sebastian", wie er von Fans und Funktionären wie ÖVP-Burgenland-Chef Thomas Steiner oder Ex-Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich genannt wird, trägt Turnschuhe, Jeans, Polo – nicht türkis.

 

Auf der Bühne und auf Nachfrage von Eppinger braucht der ÖVP-Chef nur wenige Minuten, um Rückblick, Ausblick und Einblick in das Parteiprogramm zu geben. In der Koalition habe man ein hohes Tempo gehabt. Dann sei nicht nur das Ibiza-Video, sondern auch die Abwahl der ganzen Regierung gekommen. "Es ist das passiert, was ihr im Burgenland gut kennt: Sobald Rot und Blau eine Möglichkeit haben, sich zusammenzutun, nutzen sie diese Möglichkeit."

Mehr zum politischen Mitbewerber oder gar zum aktuellen Geschehen (die FPÖ wirft Kurz vor, im Zuge der Ibiza-Affäre und Straches Rücktritt wortbrüchig gewesen zu sein) kommt Kurz nicht über die Lippen. Dafür oft demütige Worte wie "Danke" und "dürfen". Und Überschriften aus dem Wahlfolder wie "Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren die Schuldenpolitik beendet" und "Wir wollen die Pflegefrage lösen".

 

Knapp zwei Stunden und unzählige Selfies später steht Kurz, umringt von Team und Fans, vor der Labestation, und stellt sich den Fragen der Medien, unter anderem der BBC. Ins Detail geht er aber auch da nicht: "Wir haben den Wahlkampf noch vor uns", winkt er ab. Der beginne erst Ende August.