Wolfgang Kulterer bereitet sich in Haft auf den Paradiso-Prozess vor

© KURIER/Gerhard Deutsch

Prozess in Klagenfurt
10/27/2014

Kredit-Paradies Hypo wieder vor Gericht

Affäre "Paradiso": Ab Jänner wird eine dubiose Kreditvergabe von 7,5 Millionen Euro verhandelt.

von Ida Metzger

Manchmal holt die Realität die Fantasie ein. Es ist kein Geheimnis mehr, dass die Hypo ein Dorado für Glücksritter war. Das lockere Geschäftsmodell lautete oftmals so: Sie brauchen einen Kredit? Kein Problem. Sicherheiten sind Nebensache. Und schon waren die Millionen überwiesen.

So geschehen auch in der Affäre "Paradiso". Die Hauptdarsteller sind FPÖ-Werber Gernot Rumpold, zwei Söhne des Malers Ernst Fuchs sowie Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer. Der Prozess startet in Klagenfurt am 13. Jänner, die Anklage lautet auf Untreue.

In der delikaten Angelegenheit "Paradiso" geht es um einen Kunstpark der Söhne Fuchs, der allerdings nie realisiert wurde. 2004 wurde der Paradiso GmbH von der Stadt Wien ein Baurecht eingeräumt. Die Pläne waren da, was fehlte, war bloß das Geld. Bei den Wiener Banken blitzten die Fuchs-Söhne mangels Sicherheiten bei der Kreditvergabe ab.

Promi-Anklagebank

Die beiden Promi-Söhne, die in Thailand leben, kannten aber Werber Gernot Rumpold und vertrauten ihm ihr Geldproblem an. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft: Rumpold soll erklärt haben, dass er die fehlende Finanzierung via Hypo beschaffen könne. Doch das war kein Freundschaftsdienst. Er verlangte 2,5 Prozent Vermittlungsprovision und 320.000 Euro Agenturleistung per anno.

7,5 Millionen Kredit

So soll es auch passiert sein. Rumpold rief Kärntens verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider an. Der leitete die Causa weiter an Wolfgang Kulterer, der damals Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo war. Der Ex-Hypo-Chef, der seit Mai seine Gefängnisstrafe von 6,5 Jahren in der Justizanstalt Hirtenberg absitzt, legte die Rutsche zur Kreditabteilung der Hypo. Die prüfte das Geschäftsmodell und gab grünes Licht für einen Kredit von 7,5 Millionen Euro zwei Jahre tilgungsfrei, trotz mangelnder Sicherheiten. Der Sachbearbeiter hatte zwar seine Bedenken, denn die Paradiso-Privatstiftung war nur mit einer Sacheinlage in Form von vier Bildern von Ernst Fuchs gegründet worden. Als Sicherheit gab es nur den Zugriff auf das Baurecht.

Es kam, wie es kommen musste: 2005 floss die erste Kredittranche von 750.000 Euro. Rumpold erhielt 417.000 Euro. In den folgenden Monaten wurde der gesamte Kreditbetrag ausgezahlt. Gebaut wurde der Kunstpark nie, denn 2006 geriet die Paradiso-Privatstiftung in ernste Schwierigkeiten. Der Hypo wurden als Sicherheit neun Fuchs-Skulpturen übergeben, die mehr als drei Millionen Euro wert sein sollten. Bei einer Versteigerung brachten sie aber nur 20.000 Euro.

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