Politik | Inland
12.05.2018

Krankenkassen: Freie Jobs für blaue Manager und Ärzte gesucht?

In der Sozialversicherung ortet man reges Interesse des Ministeriums an offenen Stellen.

Vor einigen Tagen ereilte eine Mitarbeiterin im Sozialministerium ein bemerkenswerter Auftrag: Sie müsse, so lautete sinngemäß die Aufgabe, in allen Gebietskrankenkassen nachfragen, wie lange die Verträge der Chefs von Management und ärztlichem Personal noch laufen.

Kolportierter Auftraggeber: das Ministerbüro. Sinn der Übung: vorerst unklar.

In den betroffenen Krankenkassen wurde man schnell hellhörig. Denn langjährige Beobachter haben einen klaren Verdacht, worum es geht: „Die Bundesregierung hat angekündigt, die Verwaltung der Kassen zu verkleinern. Wenn man weiß, dass diese Struktur schon jetzt von gewählten Vertretern der Arbeiter- und Wirtschaftskammer – also von SPÖ und ÖVP – dominiert wird, ist klar: In einer noch kleineren Verwaltung spielt die FPÖ fortan gar keine Rolle mehr“, sagt ein Kassen-Manager zum KURIER.

Um sicherzustellen, dass die Freiheitlichen in der neuen Managementstruktur trotzdem gut vertreten sind, hege man regierungsintern den Plan, die politisch wie finanziell interessanten Jobs der Kassen-Direktoren, ärztlichen Leiter sowie ihrer Stellvertreter vorzugsweise mit Freiheitlichen nachzubesetzen. So zumindest erklären sich hochrangige Kassen-Funktionäre das auffallend hohe Interesse des Ministeriums an den Verträgen.

Im Büro von Ressortchefin Beate Hartinger-Klein kann man sich über die Aufregung der Kassen-Manager nur wundern. Vor einer Reform sei es fast selbstverständlich, dass man die Laufzeit von Management-Verträgen überprüfe. „Das ist in der Betriebswirtschaft ein normaler Vorgang“, sagt ein Sprecher von Hartinger-Klein. So sei etwa eine hochrangige steirische Kassen-Funktionärin nicht verlängert worden, weil man abwarten müsse, ob und in welcher Funktion sie in der neuen Struktur tätig sei. Und im Übrigen habe nicht das Minister-Büro, sondern die Sektion die Laufzeit der Verträge erfragt.