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Politik Inland
09/07/2019

Kogler wirbt für eine grüne Zeitenwende

Die Ökos hoffen auf das „größte politische Comeback der 2. Republik“

von Bernhard Gaul

Die Umfragen geben den Grünen aktuell rund 25 Prozent, nur knapp hinter den führenden Konservativen, manche Umfrageinstitute attestierten dem Chef der Grünen gar, der beliebteste Politiker des Landes zu sein. Die Rede ist freilich von den deutschen Grünen, kein Wunder also, dass die österreichischen Grünen den deutschen Grünen-Chef, Robert Habeck, als Wahlkampf-Motor nach Wien zu ihrem Wahlkampfauftakt holten. Bei strömendem Regen und böigem Wind fanden sich immerhin – oder nur – rund 250 Sympathisanten zum Wahlauftakt der Grünen am Maria Theresia-Platz zwischen dem Kunst- und dem Naturhistorischen Museum ein.

Habeck war es dann auch, der den Einpeitscher gab. „Die Kraft des Comebacks spürt man in allen Gesprächen“, erzählte der Star aus Deutschland, dem sogar Chancen nachgesagt werden, nächster deutscher Kanzler zu werden. „Ibiza ist ein unerhörter Skandal. Die ÖVP hat aber wohl nichts daraus gelernt und hält die Flanke zu den Rechtsextremen noch immer offen“, wunderte sich der Deutsche.

Multiorganversagen

Dann kam die noch eher unbekannte Nummer 2 der Grünen auf die Bühne, die ehemalige Umweltaktivistin Leonore Gewessler, die sich wenig überraschend vor allem dem Klimaschutz widmete. „Da gibt es in Österreich ein Mulitorganversagen“, erklärte die Neo-Politikerin, weil nirgendwo etwas weiterginge. „Wir haben den gleichen Anteil an Erneuerbarer Energie wie vor 30 Jahren, da tut sich gar nichts.“

Dann wurde Spitzenkandidat Werner Kogler auf die Bühne geholt, und die Sorge war spürbar, dass Kogler, wie er es immer tut, trotz des unfreundlichen Wetters eine lange Rede halten könnte. Aber nein, als Kogler begann, hörte der Regen auf und die Schirme wurden zusammengeklappt. Kogler prophezeite den Grünen das „größte politische Comeback in der 2. Republik“, das durchnässte Publikum jubelte lautstark.

Dann arbeitete sich der Steirer in seiner Rede vor allem an ÖVP-Chef Sebastian Kurz ab. Dass sie sich von den Rechten, von der FPÖ, trotz Ibiza nicht abgrenze, und Kurz’ Partei inzwischen selbst eine rechtspopulistische Partei geworden sei, und ob es in der ÖVP-Parteizentrale keine Fernseher gebe, wo man sich das Ibiza-Video ansehen hätte können, wunderte sich Kogler.

„Und mit dem Klimaschutz haben die Türkisen auch nichts am Hut. Da werden wir sie testen müssen.“ Er sei offen für Gespräche, obwohl die Chancen für die „notwendige Wende in allen Bereichen sehr sehr gering sei“. Obwohl schon in der Bibel stehe, dass es „nie zu spät zur Umkehr ist“, scherzte er über die Christlich-Konservativen.

Zurück ins Parlament

Das wichtigste sei jetzt einmal, dass die Grünen wieder ins Parlament kommen, damit eine Zeitenwende eingeläutet werde, und die Grünen eine „saubere Umwelt und eine saubere Politik“ machen können. Die Verbindung von Ökologie, Wirtschaft und einem sozialen Ausgleich – das, meint Kogler, würden nämlich nur die Grünen können.