© Kurier/Franz Gruber

Interview
07/26/2021

Köstinger: „Bei der Klimakrise ist ideologisches Denken hinderlich“

ÖVP-Tourismusministerin Elisabeth Köstinger legt im Koaltionszwist nach. Sie empfiehlt Gewessler bei den Straßenbauprojekten die Rechtsstaatlichkeit anzuerkennen.

Leonore Gewessler (Grüne) ist die Nachfolgerin von Elisabeth Köstinger (ÖVP) als Umweltministerin. Am Wochenende ließ Sebastian Kurz den Grünen ausrichten, dass niemand wegen Klimaschutz „zurück in die Steinzeit“ wolle. Wie sieht die Kurz-Vertraute den „Steinzeit“-Vergleich ihres Parteichefs?

KURIER: Frau Köstinger, Sie haben als Umweltministerin das Plastiksackerlverbot EU-weit mitverhandelt. War der Steinzeit-Sager von Sebastian-Kurz nicht ein falscher Vergleich?

Elisabeth Köstinger: Wir haben in den letzten drei Jahren die Weichen schon klar Richtung Klima- und Energiestrategie gestellt. Sehr viele Maßnahmen sind auch schon umgesetzt. Etwa das Plastiksackerlverbot, das auch zur -Reduktion beiträgt. Diese Fortschritte soll man nicht kleinreden. Aber wir leben auch in einem Rechtsstaat. Wenn Verkehrsprojekte über Jahre geprüft und dann eben auch bewilligt worden sind, dann glaube ich, gilt es auch hier ein entsprechendes Rechtsverständnis an den Tag zu legen. Diese Projekte müssen außer Streit stehen. Das wir in Zukunft natürlich auch neu planen und evaluieren können, steht außer Frage.

 

 

Kann man noch behaupten, die Koalition ist das beste aus beiden Welten?

Ich glaube, die Menschen in diesem Land interessiert es relativ wenig, wer wem was ausrichtet. Wir sind gefordert, alternative Energieformen zu finden und diese auch bereitzustellen, sowie einen echten Wandel zu einer ökosozialen Marktwirtschaft zu schaffen. Aktuell sind wir in einer der größten Wirtschaftskrisen der Zweiten Republik und werden jetzt die Chance nutzen, nachhaltige Systeme zu bauen. Aber ohne Wohlstandsverlust und vor allem auch mit Chancengleichheit zwischen Stadt und Land. Ich glaube, das vergessen einige ein bisschen. Einfach zu sagen: Wir brauchen keinen Individualverkehr mehr, das greift zu kurz. Bei der Klimakrise und auch beim Finden von Lösungen ist ideologisches Denken hinderlich.

Wechseln wir zu Ihrem Kernthema – dem Tourismus. In Österreich wird eine Impfpflicht für Menschen in Gesundheitsberufen diskutiert. Können Sie sich eine solche im Tourismus vorstellen? Wird im Herbst der Restaurantbesuch nur für Geimpfte möglich sein?

Das Thema Impfpflicht halte ich für sehr schwierig, weil es ein großer Eingriff in die persönliche Autonomie ist. Deswegen kann ich nur dringend appellieren, sich impfen zu lassen.

Tatsache ist, dass die Impfbereitschaft abnimmt. Die Impfstraßen werden in einigen Ländern geschlossen werden. Reicht ein Appell?

In den nächsten Wochen muss die Diskussion geführt werden, dass wir nicht wegen einiger Weniger, die sich nicht impfen lassen können oder wollen, die komplette Freiheit einschränken müssen. Nicht mehr das reine Schauen auf die Infektion en ist wichtig, sondern entscheidend sind die Zahlen bei der Intensivbettenbelegung. Hier sind die Zahlen trotz Delta-Variante relativ stabil.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.