Kommt ein Josef Kardinal Grünwidl?
Kardinal-Rauscher-, Kardinal-Nagl-, Kardinal-König-Platz: Schon das Wiener Straßenverzeichnis verweist (nicht nur mit diesen drei Namen) darauf, dass die Wiener Erzbischöfe meistens Kardinäle waren. Josef Grünwidl ist der 33. Bischof und der 17. Erzbischof von Wien (Diözese seit 1469, Erzdiözese seit 1722). Von den Erzbischöfen waren nur drei (im 19. Jh.) keine Kardinäle, von den Bischöfen davor war indes nur Melchior Khlesl (17. Jh.; auch nach ihm ist ein Platz benannt) Kardinal.
Das Kardinalskollegium wird auch als „Senat“ des Papstes bezeichnet, es bildet dessen engstes Umfeld, äußerlich erkennbar sind Kardinäle an ihrem purpurroten Gewand (im Unterschied zum Violett der „einfachen“ Bischöfe). Ihre bedeutendste Aufgabe ist die Wahl eines neuen Papstes nach Tod oder Resignation des Amtsinhabers. Hervorgegangen ist das Kardinalat im frühen Mittelalter aus dem römischen Stadtklerus.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde es zur Tradition, dass bestimmte bedeutende Bischofssitze – wie Wien, Mailand, Venedig, Köln, Paris – mit der Kardinalswürde verbunden waren. Papst Franziskus hat wie in manchen anderen Dingen auch hier einschlägige Erwartungen durchkreuzt und Kardinäle aus Schwellen- oder Dritte-Welt- bzw. solchen Ländern ernannt, in denen Katholiken eine (kleine) Minderheit bilden, wie etwa Haiti, Tonga oder Mongolei.
Deswegen hieß es anlässlich des Rückzugs von Kardinal Christoph Schönborn oft, es sei sehr unwahrscheinlich, dass dessen Nachfolger auch Kardinal werden würde. Mit Papst Leo XIV. sind die Karten freilich neu gemischt: Er hat gerade auf der symbolischen Ebene bereits mehrfach wieder an die Tradition der Vorgänger von Franziskus angeknüpft. Wie er es mit Kardinalsernennungen hält, bleibt abzuwarten.
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