Kindergarten-Assistenten als Putzkräfte: Experten pochen auf Reform
Mit 43,5 Prozent machen sie fast die Hälfte der in den Kindergärten beschäftigten Personen aus. Trotzdem spielt sich die Arbeit der elementarpädagogischen Assistenzkräfte, die eigentlich für die Unterstützung der Pädagogen bei der Kinderbetreuung gedacht sind, in einem völligen Graubereich ab. Weder existiert für sie eine bundesweit einheitliche Ausbildung noch ein klar definiertes Berufsbild. Was unter anderem zur Folge hat, dass sie zu 40 bis 60 Prozent zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie der Essenszubereitung oder Putzarbeiten herangezogen werden.
Im Sinne einer qualitätsvolleren und kosteneffizienteren Betreuung fordert die Trägerinitiative Kinderbetreuung nun eine umfassende Reform. Der Initiative gehören auf diesem Feld tätige Institutionen wie Caritas, Diakonie oder Hilfswerk an. Geht es nach ihnen, sollen die Ausbildungsstandards für die Assistenten bundesweit angeglichen werden. Aktuell gibt es noch Fälle wie den einer Betreuerin aus NÖ, die in die Steiermark wechselte und dort trotz zehn Jahren Berufspraxis zusätzliche Praxiszeiten nachholen musste, um weiter in ihren Job bleiben zu dürfen.
Den Trägern schwebt ein Ausbildungsschema mit 406 Theorie- und 300 Praxisstunden vor, die in etwa einem Semester absolviert werden können. Um sie attraktiver zu machen, soll es auch die Möglichkeit beinhalten, sich in einem nächsten Schritt gleich zum Elementarpädagogen weiterbilden zu lassen.
Damit einher müsste die Schaffung eines eigenen Berufsbildes für die Assistenten gehen. Aktuell ist es so, dass es nicht einmal eine einheitliche Berufsbezeichnung dafür gibt. „Wobei das noch das geringste Problem ist“, sagt Roland Wallner, stv. Geschäftsführer des Hilfswerks. Wichtig wäre es vor allem, die Assistenten von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten zu befreien. Wallner zieht eine Parallele zu den Schulen, wo diese Aufgaben personell auch klar von den pädagogischen Tätigkeiten getrennt sind. Die Assistenten hätten dann mehr Kapazitäten frei, die Pädagogen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
Kostengünstiger Ansatz
Dadurch ließe sich die Qualität der Betreuung einfacher und vor allem deutlich kostengünstiger verbessern als durch die häufig diskutierte Verkleinerung der Kindergarten-Gruppen. Denn damit stiege der Bedarf an Pädagogen, die bereits jetzt Mangelware sind: „Bis zum Jahr 2030 dürften laut Schätzungen 30.000 aufgrund der Pensionierungswelle in der Baby-Boomer-Generation fehlen“, sagt Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolaus Stiftung.
„Vergleichsweise einfach wäre es, das nötige hauswirtschaftliche Personal zur Entlastung der Assistenten zu rekrutieren, ist Wallner überzeugt. Idealerweise könnten in den Gemeinden jene Arbeitskräfte diese Aufgaben übernehmen, die sich schon in den dortigen Schulen um das Essen und die Reinigung kümmern.
Wie könnte es jetzt politisch weitergehen? Für Wallner wären die nächsten Verhandlungen zum Finanzausgleich der geeignete Rahmen, die nötige Neustrukturierung vorzunehmen. Als Vorbild könnten die Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Heimhilfe vor rund zwei Jahrzehnten dienen, die sich davor in einem ähnlichen ungeregelten Zustand befand.
Zumindest ein gewisses Problembewusstsein dürfte bei der Bundesregierung vorhanden sein: Im Rahmen der Reformpartnerschaft zur Neuregelung der Kompetenzaufteilung von Bund, Ländern und Gemeinden, bei der auch Bildung ein Schwerpunkt ist, sollen einheitliche Mindeststandards in der Ausbildung des pädagogischen Personals von der Leitung bis zur Assistenzkraft geschaffen werden.
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