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Politik Inland
09/06/2019

Kassenfusion: Gleiche Leistungen für Patienten frühestens 2024

Bernhard Wurzer, Chef der neuen Gesundheitskasse, bezweifelt, dass die Fusion Hunderte Millionen Euro kostet.

von Christian Böhmer

Gleiche Leistungen für alle Patienten: Das war – und ist – eines der wesentlichen Argumente dafür, warum die türkis-blaue Bundesregierung beschlossen hat, die neun Gebietskrankenkassen per 1. Jänner 2020 zur Österreichischen Gebietskrankenkasse ÖGK zu fusionieren.

Der neue Generaldirektor der ÖGK, Bernhard Wurzer, dämpft nun die Erwartungen. Regionale Unterschiede wie es sie beispielsweise bei chefarztpflichtigen Medikamenten gibt (mancherorts werden Arzneimittel für ein Kalenderjahr, andernorts für zwölf Monate genehmigt) würden voraussichtlich erst in einigen Jahren völlig beseitigt sein.

„Ich rechne damit, dass es wohl bis zum Ende meiner Funktionsperiode (2024) dauern wird, bis alle Leistungen wirklich harmonisiert sind“, sagt Wurzer. Bei der Gelegenheit stellte der ÖGK-Chef einmal mehr klar, dass eine komplette Harmonisierung aller Sozialversicherten, also beispielsweise auch von Beamten, Bauern und Wirtschaftstreibenden mit den Angestellten, aus seiner Sicht überhaupt nicht zielführend ist.

Für die rund 7,2 Millionen Versicherten, die nun von der Fusion der Gebietskrankenkassen betroffen sind, wird sich ab 1. Jänner vergleichsweise wenig ändern. Briefköpfe und Ähnliches werden mit dem grün gehaltenen Design der ÖGK versehen. „Und wenn man beim Arzt die eCard steckt, sollte ab 1. Jänner nicht mehr ,Gebietskrankenkasse’ sondern ,ÖGK’ am Display stehen“, sagt Wurzer.

Unbestritten ist, dass die Fusion eine enorme organisatorische Kraftanstrengung darstellt. Die ÖGK wird zur drittgrößten gesetzlichen Krankenversicherung in ganz Europa. Damit der Fusionsprozess der Gebietskrankenkassen reibungslos funktioniert, beschäftigen sich 600 der insgesamt 12.000 Mitarbeiter mit dem Prozess – neben dem laufenden Tagesgeschäft.

Was die Kosten der Fusion angeht – das Sozialministerium sprach zuletzt von 300 bis 400 Millionen Euro – hält sich Wurzer mit einer konkreten Zahl zurück.

Allerdings stellt er in Abrede, dass die Zusammenführung der Kassen tatsächlich einen dreistelligen Millionenbetrag kosten wird.