Politik und Fußball: Was geht - und was gar nicht geht
Stocker beim Besuch in Dalls mit dem verletzten Baumgartner
Sollen sich Politiker zum Fußball wirklich äußern? Ist es für einen Kanzler klug, sich auf seinem Social-Media-Account mit der Nationalmannschaft zu präsentieren? Muss man als Landeshauptfrau mit Fußbällen gaberln? Oder wirkt das einfach nur gestellt und anbiedernd?
In Deutschland schwappt gerade eine Welle von Spott und Hohn über Friedrich Merz, weil sich der Kanzler zur Nationalelf geäußert hat. Man dürfe schon stolz sein auf dieses Team, schrieb Merz in einem Post nach der bitteren Niederlage gegen Paraguay. Und weil das Match ziemlich daneben ging, hält der Boulevard Merz’ Äußerung ebenfalls für daneben.
Auch in Österreich läuft seit Tagen eine Debatte um Politiker und ihr Verhältnis zum Fußball im Allgemeinen oder besser: zur Nationalmannschaft. Und hier stehen insbesondere Kanzler Christian Stocker und Vizekanzler Andreas Babler in der Kritik.
Dem einen, Babler, wird ein Video-Clip vorgehalten, der bei seinem Besuch im Trainingscamp der Nationalmannschaft gemacht wurde. Der Vizekanzler adressiert Österreichs Kicker mehrfach als „Spielerinnen“ (Babler gendert in seinen Reden konsequent, so auch in dieser). Doch weil er explizit die Herren-Nationalmannschaft meint, klingt die Sache einigermaßen seltsam - was die FPÖ weidlich ausnutzt und thematisiert.
Bei Stocker wiederum wird problematisiert, dass der ÖVP- und Regierungschef die Nationalelf nicht nur selbst vor Ort, sondern gleich mit einer neun Personen starken Delegation im Schlepptau anfeuerte.
Kein Mitleid
Was also geht - und was geht gar nicht?
Peter Filzmaier ist nicht nur Politik-Analyst, sondern auch Sport- und insbesondere Fußball-Auskenner.
Sollten Politiker beim Fußball oder Sport besser gar nicht anstreifen oder im Zweifelsfall den Mund halten?
„Keineswegs“, sagt Filzmaier zum KURIER. „Allerdings ist das eine Gratwanderung mit dem durchaus hohen Risiko, es falsch zu machen. Nachsatz: Mitleid ist unangebracht, die Inszenierung kommt ja von den Politikern selbst.“
Ganz generell, sagt Filzmaier, bewegen sich Politiker bei Spitzensportlern - und damit überhaupt beim Fußball - zwischen zwei Polen: „Das eine Extrem, das ist die billige Anbiederung. Die kann schnell ziemlich schiefgehen.“ Etwa dann, wenn Zuschauer spüren, dass sich Politiker nicht für den Sport, sondern allein für den Glanz der Athleten interessieren, um sich in diesem zu sonnen.
Zu viel Distanz zu sportlichen Volkshelden kann aber auch zum Verhängnis werden - sie ist der andere Pol. Filzmaier bringt ein Beispiel: „Wenn man als Kanzler zu einem historischen Sieg der Nationalmannschaft nur eine zweizeilige Pressemitteilung in die Welt verschickt, in der sinngemäß steht ,ich teile Ihnen meine Gratulation mit“, dann wird einem das die Elf - und damit ein Teil der Wähler - auch irgendwie übelnehmen. Von Politikern wird erwartet, dass sie sich für Dinge interessieren."
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist - wie so oft - Authentizität. “Das Image des Fußballfans etabliert man nicht am Tag eines Entscheidungsmatches oder nach einem Sieg, sondern lange vorher."
Poloshirt
Womit man wieder bei den handelnden Personen ist. “Von Andreas Babler weiß man, dass er seit jeher ein Sankt-Pauli-Fan ist. Im Unterschied zu Stocker oder Merz habe der Vizekanzler damit den Vorteil, zweifelsfrei als Fußball-Liebhaber zu gelten. Filzmaier bringt noch ein anderes Beispiel: “Wenn sich der damalige Sportminister mit Spitzenfußballern im Gaberln misst, dann ist das nicht peinlich, weil Werner Kogler in der U21 von Sturm Graz gekickt hat – er sieht anders aus, ist weniger athletisch, aber er versteht etwas vom Fußball."
Und was ist mit der Delegationsgröße des Kanzlers? Diesbezüglich sieht Filzmaier wenig Spielraum: “Niemand wird verlangen, dass ein Bundeskanzler allein in die USA fliegt. Aber eine Delegation mit neun Mitreisenden ist selbst fürs Kanzleramt zu groß. Kommunikativ ist dieses Match nicht zu gewinnen.
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