Wo sogar die FPÖ für zweisprachige Ortsschilder stimmt

Minderheitenrechte lassen sich manchmal auch ohne gesetzliche Vorschriften umsetzen. Das zeigt das Beispiel der kleinen Kärntner Ortschaft Zinsdorf (Svinča vas).
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Wenn es um seine slowenische Volksgruppe geht, sorgte Kärnten in den vergangenen Monaten vorwiegend für negative Schlagzeilen: Der überschießende Polizeieinsatz auf der für die Slowenen so wichtigen NS-Gedenkstätte Peršmanhof löste über die Grenzen des Landes hinaus Befremden aus. 

Abseits dieses Vorfalls funktioniert aber das Zusammenleben der beiden Volksgruppen im Alltag wesentlich harmonischer als dies noch vor wenigen Jahren vorstellbar war. Das zeigt etwa das Beispiel der Ortschaft Zinsdorf (Svinča vas) in der Gemeinde Magdalensberg, knapp eine halbe Fahrstunde nordöstlich von Klagenfurt gelegen. 15 Menschen leben in der kleinen Siedlung, die aus ein paar Häusern und Gehöften besteht. 

Voraussichtlich im Mai wird hier ein kleiner Festakt stattfinden. Denn Zinsdorf bekommt ein zweisprachiges Ortsschild. Das Besondere daran: Es ist die erste Ortschaft, die nicht in den rechtlichen Geltungsbereich des Artikel 7 des Staatsvertrags (regelt die Minderheitenrechte) und des Minderheitenschulwesens fällt, schildert Marjan Sturm dem KURIER. Der 74-jährige Historiker war viele Jahre lang Obmann des Zentralverbandes slowenischer Organisationen in Kärnten. 

Familie vom NS-Regime verschleppt

Er und seine Familie stammen aus Zinsdorf. 1942 wurden seine Angehörigen vom NS-Regime wegen ihrer Zugehörigkeit zur slowenischen Volksgruppe zur Zwangsarbeit deportiert. Auch vor diesem Hintergrund entstand die Idee zur Errichtung eines zweisprachigen Schilds für die Ortschaft in einer Gemeinde, die außerhalb von Zinsdorf längst nicht mehr zweisprachig ist. 

„Ich habe die Ortsbewohner von der Idee überzeugt, dann bin ich an den Bürgermeister herangetreten“, schildert Sturm. Basis ist eine im Rahmen der Lösung des Ortstafelkonflikts 2011 beschlossene Öffnungsklausel, wonach Gemeinden mit weniger als 17,5 Prozent slowenischsprachiger Bürger autonom über neue zweisprachige Schilder entscheiden dürfen. 

Bürgermeister Andreas Scherwitzl (SPÖ), zugleich auch Kärntner Landtagspräsident, lud im Herbst zu einer Bürgerversammlung ein, an der neben Sturm der Historiker Wilhelm Wadl und der ehemalige BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) teilnahm, der wie Sturm seinerzeit maßgeblich an der Lösung des jahrzehntelangen Ortstafelkonflikts beteiligt war. „Diese Veranstaltung war der Schlüssel“, erzählt Sturm. „Ich habe die möglichen Ängste angesprochen und versucht, die Menschen davon zu überzeugen, dass zweisprachige Schilder kein nationalistisches Symbol sind, sondern Ausdruck der Vielfalt.“ 

Überzeugungsarbeit, die offenbar Wirkung zeigte: Kurz vor Weihnachten beschloss der Gemeinderat von Magdalensberg die Aufstellung der Schilder. „Mit nur einer Gegenstimme. Auch die FPÖ hat geschlossen dafür gestimmt“, sagt Scherwitzl zum KURIER. „Das zeigt: Es gibt in Kärnten auch etwas anderes als die Causa Peršmanhof.“  

Für Sturm sind die zweisprachigen Schilder in seinem Heimatort vor allem ein Symbol: „Dafür, dass nicht unbedingt rechtliche Regelungen notwendig sind, um Minderheitenrechte umzusetzen. Oft geht das auch einfach über den Dialog.“

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