Erzbischof Grünwidl: "Ich bin bereit. Singt die Protest- und Liebeslieder mit mir“
„Ja, ich bin bereit.“ Laut und deutlich hat Josef Grünwidl nach einer langen Zeit des Zauderns und Zögerns „mit ganzem Herzen“ bekundet, für das Amt des Wiener Erzbischofs bereit zu sein. Nicht ohne daran zu erinnern, dass mit Franz Jachym ein später sehr bedeutender Bischof den Dom noch als Weihekandidat verlassen hatte.
So weit ließ es Grünwidl, der damit die Feiergemeinde im Dom zum Lachen brachte, dann noch nicht kommen. Im Gegenteil. Aus seinem erst deutlichen „Nein“ wurde ein noch überzeugteres „Ja“. Der Apostolische Nuntius habe ihn „als väterlicher Freund ermahnt, ermutigt und bestärkt“, erinnert sich Grünwidl, als er seine ersten Worte als Erzbischof findet. Dafür gibt es Applaus und ein Lachen. Applaus gibt es mehrmals auch für Kardinal Schönborn, der Josef Grünwidl auf dessen Wunsch zum Bischof weiht. Vor zwei Tagen erst hatte er seinen 81. Geburtstag gefeiert, Grünwidl wird nächsten Samstag 63.
Gute Freunde geblieben
Die beiden, der frühere und der neue Erzbischof, sind einander eng verbunden, das zeigen die wohlgewählten Worte für- und übereinander. Kein Wunder, war Grünwidl ab 1995 Schönborns erster Sekretär.
„Eine kirchliche Karriere hast du nie angestrebt“, erinnert sich Schönborn. Schönborn aber sei ihm als „Mensch ein Freund, als Christ ein Vorbild und ein Wegweiser als Erzbischof“ geblieben, erinnert sich Grünwidl. Ein Vorbild für ihn als Erzbischof, der er nach seiner Weihe durch die Handauflegung der Bischöfe und das „Amen“, das „So sei es“, des Kirchenvolks und durch das „Besteigen der Kathedra“, das Bischofssitzes, am Samstag geworden ist.
Der Festakt der Bischofsweihe ist zwar einem strengen Zeremoniell unterworfen, Grünwidls Handschrift, wie er sein Amt anlegen will und wird, war in jedem Moment zu spüren.
Als die Blasmusik ihn, der begleitet von zahlreichen Jugendlichen über den Stephansplatz geht, unter den Klängen der Pummerin empfängt. Als er gleich zum Gebet im Dom niederkniet, wo jeden Tag Tausende Gläubige ihr Gebet verrichten. Als er von Kardinal Schönborn am Taufbecken in der Mitte des Doms empfangen wird und sein Freund aus Studientagen, der Gloggnitzer Pfarrer Ernst Pankl, um die Weihe bittet.
Als mit Judith Werner eine Frau, Seelsorgerin um Weinviertel und Mitarbeiterin der Jungen Kirche, die apostolische Ernennungsurkunde von Papst Leo XIV. verliest. „Josef Grünwidl soll die Melodie des Herrn aufnehmen und das Evangelium sanft und treu den Menschen verkünden“, nimmt der Papst Grünwidls Wahlspruch „Nehmt Gottes Melodie in euch auf“ vorweg.
Bibelstellen und Bischofsstab
Als das neu gegründete „Contemporary Cristian Music Project Vienna“ dieses Lied, „Nehmt Gottes Melodie in euch auf“, anstimmt, zieht Weihrauchduft durch den Dom. Grünwidl hat auch die Bibelstellen mit Bedacht für seine Weihe gewählt. Es geht um die Bitte um „ein hörendes Herz“, es geht um die „Verkündigung des unergründlichen Reichtums Christi durch das Evangelium“, es geht darum, dass Jesus „unser Freund“ sei.
Auch mit dem Bischofsstab, das Vermächtnis von Helmut Krätzl, den er aus Holz wie die Bischöfe Kuntner und König verwendet, setzt Grünwidl ein Zeichen. Und er lässt sich den Stab von Hand zu Hand durch den Dom bis zur Kathedra weiterreichen.
In seiner Ansprache macht Grünwidl erneut das Lied „Du bist ein Ton in Gottes Melodie“ zum Thema, mit dem die Kinder der Wiener Domsingschule zuvor den Dom erklingen ließen.
Liebes- und Protestlieder
„Die Kirche ist besser als ihr Ruf“, bringt Grünwidl einen frischen Schwung an Optimismus ein, ohne darauf zu vergessen, dass das „Bodenpersonal“ auch immer wieder versage: „Stimmt mit mir das Protestlied gegen Gleichgültigkeit, Hass und Krieg an, und das Liebeslied und das österliche Lied, das uns zum Handeln anregt“, ermutigt der Bischof die Gläubigen, unter denen sich der Bundespräsident und der Bundeskanzler befinden.
Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Landeshauptfrau von Niederösterreich, „freut sich auf den neuen Bischof mit Wurzeln in Niederösterreich“, wie sie in ihren Grußworten im Dom sagt. Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig nimmt Bezug auf ein Bibelzitat und will mit Grünwidl, den er als „Gottesmann und Menschenfreund“ bezeichnet, „gemeinsam, besonnen und nicht furchtsam den einen oder anderen Sturm meistern“.
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