3 Stunden, 3.000 Menschen: Bischofsweihe von Josef Grünwidl im Stephansdom
Heute Samstag, 24. Jänner 2026, um 14 Uhr werden rund 3.000 Menschen im Stephansdom und viele weitere über Fernsehen und Radio dabei sein, wenn der gebürtige Weinviertler Josef Grünwidl in einem großen Fest der Kirche in sein Amt als 33. Wiener Erzbischof eingeführt wird.
Für Grünwidl, der die Nachfolge von Kardinal Christoph Schönborn antritt – dieser hat sich vergangenes Jahr in die Pension verabschiedet, er war immerhin schon 80 –, ist ein großes Spektakel geplant. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits seit Wochen auf Hochtouren. Damit auch wirklich nichts schief geht, sorgt das "Intimatio", ein zwanzigseitiges "Drehbuch". Dem Zufall wird bei der fast dreistündigen Zeremonie nichts überlassen.
Illustre Gästeliste – und 150 Ministranten
Im Stephansdom ist kein Platz mehr frei, jeder ist besetzt, auch die Stehplätze, schreibt die Erzdiozöse Wien auf ihrer Homepage. Die rund 3.000 Mitfeiernden sind bunt gemischt: viele haupt- und ehrenamtlich in der Kirche Engagierte sind anwesend, aber auch Freunde und Wegbegleiter des neuen Erzbischofs.
Angekündigt hat sich auch die hohe Politik, nämlich Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sowie Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. "Vertreter der anderen christlichen Kirchen und anderer Religionsgemeinschaften werden ebenso mitfeiern wie Menschen in sozial belastenden Situationen", betont die Wiener Erzdiözese.
Ab 14 Uhr können Sie an dieser Stelle die Zeremonie im Live-Stream mitverfolgen.
Kardinal Schönborn wird auf Wunsch Grünwidls der Feier vorstehen, bis die Weihe und Amtseinführung vollzogen sind. Er wird gemeinsam mit Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg und Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, und Stanislav Přibyl, Bischof der Diözese Leitmeritz/Litoměřice, Josef Gründwidl zum Bischof weihen.
Unterstützt werden die Bischöfe von ganzen 150 Ministranten aus über 30 Pfarren aus Wien und dem östlichen Niederösterreich. Viele Ministranten kommen aus Perchtoldsdorf und Kirchberg am Wechsel, wo Grünwidl Pfarrer war.
Josef Grünwidl
"Möglichst einfach"
Trotz des geplanten Spektakels möchte Grünwidl selbst, das hat er im Vorfeld bereits mitgeteilt, "möglichst einfach" auftreten. Dies beginnt bei der Wahl der Insignien und setzt sich bei der Liturgie im Stephansdom fort, wo Grünwidl mit Usancen brechen will.
Relativ bescheiden fällt auch Grünwidls Wahl für den Hirtenstab (Pastorale) aus: Der künftige Erzbischof hat sich für jenen Holzstab entschieden, den der verstorbene Weihbischof Helmut Krätzl getragen hatte. Zudem wird Grünwidl einen lediglich versilberten Konzilsring tragen. Nur die Bischofsmütze oder Mitra sei eigens angefertigt worden, so Grünwidl in einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch - "die muss passen".
Auch Neuerungen bei Liturgie
Auch mit der Gestaltung der Liturgie am Samstag im Stephansdom will Grünwidl Zeichen setzen. So soll die Zeremonie nicht am Altar beginnen, sondern beim Taufbecken. "Die Taufe verbindet uns alle", lautet Grünwidls Botschaft.
Die Seelsorgerin Judith Werner aus dem Weinviertel wird eine zentrale Rolle bei der Zeremonie im Dom einnehmen. Werner wird im Herzen der Kathedrale die lateinische Ernennungsurkunde des Papstes vortragen. Diese symbolträchtige Geste hat eine klare Botschaft: Sie unterstreicht Grünwidls Engagement für die Stärkung der Rolle von Frauen innerhalb der Kirche.
Dom und Stephansplatz gesperrt
"Aufgrund strenger Sicherheitsauflagen ist es nicht möglich, noch spontan Einlass in den Dom zu finden", klärt die Erzdiozöse Wien schon im Vorfeld auf. Vom Ende der regulären 8.00-Uhr-Messe bis zu Beginn der regulären 18.00-Uhr-Messe ist der Dom heute Samstag nur mit gültiger Zugangskarte betretbar. Vom späten Vormittag an bis circa 18.00 Uhr wird auch ein Teil des Domplatzes aus Sicherheitsgründen gesperrt sein.
"Sehr erschreckt"
Grünwidl verriet bei der Pressekonferenz am Mittwoch außerdem, dass er von seinem Vorgänger Schönborn für dieses Amt favorisiert worden war, was ihn zuerst "sehr erschreckt hat". Dass er auf der Kandidatenliste steht, habe er bereits im Juni 2024 erfahren. "Ich gehe diesem Tag in großer Dankbarkeit entgegen", berichtete Grünwidl von seinen Erwartungen an die Bischofsweihe. Geistig dafür vorbereitet hat er sich in der vergangenen Woche im Stift Göttweig.
Über Tagespolitik werde er an diesem Tag aber nicht sprechen, so Grünwidl vorab, dafür aber auf gesellschaftlichen Themen wie Migration, Armut und Einsamkeit aufmerksam machen. Bei der Pressekonferenz machte er deutlich, dass sich seine recht offenen Standpunkte bezüglich des Zölibats auch kurz vor der Bischofsweihe nicht geändert haben. Auch wenn der ernannte Erzbischof laut eigener Aussage nicht daran glaubt, dass sich durch eine Öffnung viel ändern würde, spricht er sich dennoch weiter dafür aus, dass Ehelosigkeit eine "freie Entscheidung" sein sollte. Bereits jetzt gebe es Priester, die mit ihren Familien offen zusammen lebten.
Erste Personalentscheidungen
Die erste Personalentscheidung als neuer Erzbischof von Wien soll die Besetzung eines Bischofsvikars für das Vikariat Süd sein, was Grünwidl selbst bis zuletzt wahrnahm. Weitere wichtige Entscheidungen sollen dann im Herbst fallen. Aber auch erste Treffen in seiner neuen Funktion sind bereits anberaumt: Neben den Spitzen der Israelitischen Religionsgesellschaft (IRG) und der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) wird der Erzbischof auch Bundeskanzler Stocker treffen.
Geboren am 31. Jänner 1963 in Hollabrunn, aufgewachsen in Wullersdorf, NÖ
1981 Eintritt nach der Matura in das Wiener Priesterseminar, Theologiestudium an der Universität Wien und Studium Orgel Konzertfach an der Musikuniversität Wien
1983/84 Auslandsjahr in Würzburg
1987 Weihe zum Diakon durch Weihbischof Helmut Krätzl
1987/88 Diakonatsjahr in Perchtoldsdorf
1988 Priesterweihe in St. Stephan durch Kardinal Franz König
1988-1991 Kaplan in St. Johann Nepomuk, Wien 2
1991-1993 Kurat der Dompfarre Wiener Neustadt
1993-1995 Diözesanjugendseelsorger
1995-1998 Sekretär von Kardinal Christoph Schönborn
1998-2014 Pfarrer in Kirchberg am Wechsel, Feistritz, St. Corona und Trattenbach
2007-2014 Dechant des Dekanats Kirchberg am Wechsel
2014-2023 Pfarrmoderator in Perchtoldsdorf
2016-2023 Dechant des Dekanats Perchtoldsdorf
2016- März 2023 geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Priesterrats
Jänner 2023 Ernennung zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd
November 2024 Ernennung zum Ehrenkanoniker des Domkapitels zu St. Stephan
22. Jänner 2025 Ernennung zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese Wien
17. Oktober 2025 Ernennung zum Erzbischof der Erzdiözese Wien
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