Jeder zweite Todesfall in U-Haft ist laut Anfragebeantwortung Suizid
In Österreichs Gefängnissen sind zwischen 2015 und 2024 387 Menschen gestorben, 101 davon in Folge eines Suizids. 72 der verstorbenen Häftlinge befanden sich in Untersuchungshaft, von ihnen starben 38 durch Suizid - das war mehr als jeder zweite, wie das Studierendenmagazin Campus a nach einer Anfragebeantwortung gemäß Informationsfreiheitsgesetz durch das österreichische Justizministerium berichtete. Die Volksanwaltschaft forderte erneut eine bessere Suizidprävention.
In Strafhaft starben demnach 39 Menschen durch Suizid, im Maßnahmenvollzug 24. Todesfälle in Justizanstalten, bei denen es sich um keinen Selbstmord gehandelt hat, wurden in der Anfragebeantwortung in der Kategorie „Sonstige“ gesammelt. Darunter fallen laut dem Schreiben vom 8. Juni „insbesondere die Todesursachen natürlicher Tod, gewaltsamer Tod beziehungsweise Überdosis, Unfall oder ungeklärte Todesursache“. Hier könnten, so das Magazin Campus a, ebenfalls Suizidfälle hineinfallen, etwa wenn Häftlinge durch eine Überdosis sterben.
Das Justizministerium reagierte bisher nicht auf eine Anfrage der APA.
Volksanwaltschaft fordert bessere Suizidprävention
„Die Beantwortung der Anfrage verdeutlicht, was wir schon lange sagen: Die Suizidzahlen im heimischen Strafvollzug sind alarmierend“, sagte Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) auf APA-Anfrage. In den letzten fünf Jahren (2020 bis 2025) seien der Volksanwaltschaft insgesamt 235 Suizidversuche und 60 Suizide aus Österreichs Gefängnissen gemeldet worden. Heuer waren es, Stand Mitte Juli, bereits 31 Suizidversuche und sieben Suizide.
„Zum Vergleich: 2025 haben wir mit 59 Versuchen und acht Suiziden einen traurigen Höchststand erreicht. Es ist zu befürchten, dass diese erschreckende Statistik weiter nach oben gehen wird. Einmal mehr appelliere ich an das zuständige Justizministerium, die Verbesserung der Suizidprävention von Strafgefangenen zu verbessern. Dazu gehört eine zweite Einschätzung zum Suizidrisiko nach den ersten acht bis zwölf Wochen in Haft“, verwies Schwarz auf 48 Empfehlungen einer Expertengruppe im Auftrag des Justizministeriums von 2023, an der die Volksanwaltschaft teilgenommen hat.
Prekäre Haftbedingungen ausschlaggebend
Die hohe Suizidrate in den heimischen Gefängnissen führte die Volksanwaltschaft vergangenen Herbst auch auf die prekären Haftbedingungen zurück: Die Justizanstalten sind überbelegt, gleichzeitig herrscht Personalmangel. Das führe zu schlechten Versorgungsbedingungen, erschwerter Resozialisierung und steigenden Suizidzahlen.
Eine von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) nach dem Tod eines Häftlings der Justizanstalt (JA) Hirtenberg eingesetzte Untersuchungskommission hatte erst Anfang Juli systemische Mängel im Strafvollzug aufgezeigt, insbesondere im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen.
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