Politik | Inland
29.04.2012

In Neudörfl brummen viele Motoren

Ob ihrer verkehrsgünstigen Lage an der S 4 wächst die Industriegemeinde stetig.

Ob Neudörfl im Bezirk Mattersburg eine schöne Gemeinde ist, das lässt sich – objektiv betrachtet –  schwer beurteilen. Bekanntlich sind ja die Geschmäcker verschieden. Dass Neudörfl eine lebenswerte Gemeinde ist, beweist aber die Statistik. Wohnten hier vor 60 Jahren an die 2400 Menschen sind es mittlerweile 4317. "Ich hab’ nicht vor aus Neudörfl wegzugehen, ich lebe sehr gerne hier", antwortet Irene  Zenz. Sie betreibt ein Cafe schräg vis-à-vis des Rathauses. Mit dem Bürgermeister habe sie nicht viel zu tun, sagt sie. Und mit der "ewigen Diskussion", dass es in Neudörfl zu viele Ausländer gäbe, habe sie auch nichts am Hut. "Die Türken gehen ja nicht außer Haus, sie tun uns auch nichts", sagt Zenz. Ob es zu viele seien? "Kann ich nicht sagen."

Die auf der Straße angesprochenen Neudörfler erklären ebenfalls, dass   Nicht-Österreicher in Neudörfl kein Problem darstellen  und schon gar nicht die Türken, wie in so manchen Stehsätzen "einer eigenartigen Truppe" zu hören sei.  Denn der Prozentsatz der Türken und Kurden mit 1,6 Prozent am  zehnprozentigen Ausländeranteil sei gering.

Dass die "Zuagrasten" in Neudörfl aber dennoch eine Bedeutung  haben, zeigt der Umstand, dass der Kurde Abdullah Acar, 1983 in Halfeti in der Türkei geboren, auf der SPÖ-Liste an 15. Stelle  für die Gemeinderatswahlen im Herbst gereiht ist. "Mit  guten Aussichten" in den Gemeinderat zu kommen, sagt SP-Bürgermeister Dieter Posch.

Anständig

Abdullah Acar ist ein redseliger Mensch. "Ich bin wie ein Motor, der immer laufen will", sagt der 29-jährige Maschinenbautechniker, für den die SPÖ "wie eine Familie ist". Eine Partei, die sich um soziale Anliegen der Menschen kümmere, so Acar. Vor allem auf Gemeindeebene sehe er "großes Engagement". Mit den Wiener Roten möchte er nicht   viel zu tun haben, "die interessieren mich nicht". Hier am Lande gehe es ehrlicher zu, meint er. Warum er sich für  Politik interessiere? "Ich will dort, wo ich lebe, meinen Beitrag leisten. Nur meckern bringt uns nicht weiter." Von Ausländerfeindlichkeit in Neudörfl habe er seit seiner Ankunft 1999 nichts gemerkt. "Neudörfl ist eine anständige Gemeinde."

Das findet auch Doris Bock, Geschäftsführerin von Neudoerfler Office Systems. Denn als vor neun Jahren die Firma knapp vorm Zusperren stand, krempelte auch der Bürgermeister die Ärmeln auf. 200 Arbeitsplätze konnten damals gerettet werde. "Das ist keine Selbstverständlichkeit für einen Bürgermeister, sich derart einzusetzen", sagt Bock, die den Standort Neudörfl – so wie viele andere Firmen  – als "äußerst positiv" lobt.

Die mehr als 100 Heurigen, die es noch vor 40 Jahren in Neudörfl gab, konnte  hingegen nicht einmal der Bürgermeister retten. Acht Lokale sind es noch, die aber nicht über Besuchermangel klagen können. "Es läuft sehr gut", sagt etwa Hermine Steiger. Jeweils neun Tage, zehn Mal im Jahr, hat der Heurige an der Hauptstraße offen. Dass Neudörfl durch die Schnellstraße  links oder rechts liegen gelassen werde und dadurch weniger Gäste kämen, hat vor 20 Jahren für Gesprächsstoff und Aufregung gesorgt. Aber: "Heute spricht man über unsere sauren Rüben, die sind nämlich Weltklasse."