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Politik von innen
12/09/2019

Nach Doskozil-Kritik: Gusenbauer reagiert süffisant, Hoscher harsch

Doskozil will, dass sich SPÖ von Vielverdienern "trennt". Gusenbauer reagiert mit Wuchtel an den SPÖ-Vorstand.

von Daniela Kittner

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hat die Vielverdiener in der SPÖ politisch ins Visier genommen. Er meint, die Partei sollte sich von Wirtschaftsvertretern „trennen, die glauben, die Sozialdemokratie zu vertreten und nicht mehr wissen, wie es den Menschen geht“. Namentlich nannte Doskozil Ex-Parteichef Alfred Gusenbauer oder den früheren Casinos Austria-Vorstand Dietmar Hoscher, der - wie Doskozil im APA-Interview sagte - „wie ein Großmogul verdient“.

Doskozil fügte hinzu, er wolle zwar nicht den Parteiausschluss der beiden fordern, aber die Betreffenden sollten „sich hinterfragen“.

 

 

Der KURIER kontaktierte die Betreffenden. Hoscher war immerhin auf SPÖ-Ticket in den Vorstand der teilstaatlichen Casinos gekommen, er hatte zuvor in roten Ministerkabinetten im Finanzministerium gedient, war SPÖ-Nationalratsabgeordneter und Mitglied des roten Freundeskreises im ORF gewesen. Am Montag vom KURIER mit der Aussage Doskozils konfrontiert, wonach dieser einen Parteiausschluss oder -austritt Hoschers ventiliert, antwortet Hoscher hörbar ungehalten: "Das kommentiere ich nicht. Und ich wüsste nicht, wen meine Parteimitgliedschaft etwas angeht."

Der frühere Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer schießt eine Wuchtel an Doskozil zurück. Er sandte an den SPÖ-Vorstand eine eMail. Diese bestand aus einer Nachricht, die Gusenbauer nach Doskozils Aussagen bekommen hatte. Diese Nachricht lautete: "Lieber Herr Dr. Gusenbauer! In der heutigen Pressestunde mit dem burgenländischen Landeshauptmann hörte man klar und deutlich, wie er gegen ihre Person negative Stimmung erzeugen möchte. Als würde es ihm an Mut fehlen, Ihnen seine Botschaft im persönlichen Gespräch zu überbringen. Seit Ihrer Jugend waren Sie für die SPÖ aktiv und haben unter einer schwierigen Ausgangslage das Bundeskanzleramt der Sozialdemokratie zurückgebracht. Ihre Zeit nach der Politik ist beeindruckend und von wirtschaftlichen Erfolgen geprägt. Das sollte der Herr Doskozil zur Kenntnis nehmen und sich nicht weiter an der Zerstörung der SPÖ beteiligen." Gusenbauer fügte in seiner eMail an den SPÖ-Vorstand folgenden Kommentar an: "Das ist ein eMail, das ich von burgenländischen Genossinen heute erhalten habe. Weiter viel Glück auf eurem erfolgreichen Weg!" A.G.