Politik | Inland
25.02.2018

Heute wählt Tirol und es ist nicht "lei oans"

Tirol, Bastion der ÖVP, wählt heute einen neuen Landtag. Aber was ist typisch für das Alpenland?

Das Tirol-Bild, das bis heute außerhalb des Landes greift, strotzt vor Klischees. Da sind die sturen Bergmenschen, die sich gerne in die Tracht werfen und von denen jeder im Winter auf den Brettln steht. Doch abseits dieser Rollenbilder wächst insbesondere in der Inntalfurche ein großer urbaner Raum immer weiter und weiter. Und damit tickt auch ein immer größerer Teil der Bevölkerung anders, als es die Außensicht vielleicht glauben macht.

Absolute Mehrheit: Die ÖVP-Konkurrenz unkt, dass es am Sonntag eine absolute Mandatsmehrheit für die Volkspartei geben könnte. Die ging 2008 verloren. Für die Rückeroberung müsste die VP von Landeshauptmann Günther Platter drei zusätzliche Mandate erobern.

Bollywood: Die Bergwelt Tirols entspricht den indischen Vorstellung des Paradieses. Seit 1998 diente die Landschaft als Kulisse für 85 "Bollywood"-Produktionen.

Christlich: Tirol wird gerne das "Heilige Land"genannt. Doch das katholische Kirchenvolk schrumpft auch hier von Jahr zu Jahr. Von rund 385.000 Katholiken in der Diözese Innsbruck gehen nur um die 50.000 Gläubige zur Sonntagsmesse.

Dialekt: Jede Ecke Tirols hat ihren Dialekt. Am bekanntesten außerhalb des Landes ist das harte, als Doppel-"ck" ausgesprochene "K" im Zentralraum Innsbruck.

Eisenbahntunnel: Bis 2026 soll der Brenner Basistunnel zwischen Tirol und Italien fertig sein: Er wird dann die mit 64 Kilometern längste unterirdische Eisenbahnverbindung der Welt sein.

Fußball: Tirols Fußballfans sind leidgeprüft. Die Bemühungen des FC Wacker Innsbruck, den Wiederaufstieg in die Bundesliga zu schaffen, werden im Schnitt von weniger als 3000 Besuchern verfolgt. 16.000 hätten im Tivoli-Stadion Platz.

Gauderfest: Das größte Frühlings- und Trachtenfest Tirols findet alljährlich im Zillertal statt. Die Unesco hat das traditionsreiche Gauderfest zum immateriellen Kulturerbe erklärt.

Hofer, Andreas: Der Freiheitskämpfer ist die bekannteste historische Figur des Landes. Hofer (1767 bis 1810) wird gerne von Politikern als Symbolfigur für die angeblich typische Widerständigkeit Tirols bemüht.

Innsbruck: Die am schnellsten wachsende Landeshauptstadt Österreichs zählt heute 156.000 Einwohner.

James Bond: Für den 007-Kinohit "Spectre" wurde 2015 im Ötztal und im Osttiroler Bergdorf Obertilliach gedreht. Sölden vermarktet sich als "Bond"-Ort und lässt im Skigebiet eine eigene 007-Kinoinstallation bauen.

Kaspressknödel: Die in heißem Fett gebackenen flachen Knödel aus Knödelbrot und Käse dürfen in keiner Almhütte auf der Speisekarte fehlen. Sie werden mit Salat oder Kraut und als Suppeneinlage gegessen.

Landesüblicher Empfang: Schützen, Schnapserl, Ehrensalve. Tirol hat seinen eigenen "Staatsempfang" für hohe Gäste. Der "landesübliche Empfang" darf nur bei offiziellen Anlässen des Landes durchgeführt werden.

Maximilian: Kaiser Maximilian I. von Habsburg (1459 bis 1519) liebte Tirol. Innsbruck war unter ihm Residenzstadt und hat dem "letzten Ritter" unter anderem sein Wahrzeichen zu verdanken: das Goldene Dachl. 2019 wird – anlässlich des 500. Todestages – in Tirol ein Maximilian-Gedenkjahr.

Natur: Die Tiroler haben im Österreichvergleich die höchste Lebenserwartung und gelten als äußerst sportlich. Die Natur wird weidlich zum Mountainbiken, Wandern und Skifahren genutzt.

Operetten-Monarchie: Für den Historiker Michael Wedekind vermitteln die "Landesüblichen Empfänge" (siehe vorne) den Eindruck einer "vordemokratischen Operettenmonarchie", wie er 2013 nach der Untersuchung der Geschichte von Tirols volkskulturellen Traditionsverbänden in einem Interview erklärte. Das Land war als Studien-Auftraggeber wenig erfreut über diese Erkenntnis.

Piefke-Saga: Die TV-Satire über den Tiroler Tourismus und deutsche Urlaubern war in den 1990er-Jahren ein Skandal. Fast 30 Jahre später ist das Verhältnis zwischen "Piefkes" und "Ösis" ein entspanntes. Die Deutschen sind nach wie vor die wichtigste Gästegruppe. Auf sie kommt die Hälfte der Nächtigungen in Tirol.

Quereinsteiger: 2008 brach ÖVP-Rebell Fritz Dinkhauser als Quereinsteiger die Tiroler Parteienlandschaft auf. Auf Anhieb holte seine "Liste Fritz" 18,35 Prozent. Zehn Jahre später kämpft das Projekt am heutigen Sonntag ums Überleben.

Radland: Um den Sommertourismus zu stärken, versucht Tirol sich als Radland zu positionieren. Im Land gibt es über 5600 Kilometer ausgewiesene Mountainbike-Routen. Bike-Parks und Downhill-Strecken sprießen aus dem Boden. Mit der Straßen-Rad-WM im Herbst soll auch das Rennrad-Klientel für Tirol interessiert werden.

Skifahren: Im Winter 2017 stieg die Zahl der Urlauber erstmals auf 5,9 Millionen an. Bis heute kommen sie vor allem aus einem Grund: zum Skifahren. 144 Skigebiete bieten dazu jede Menge Gelegenheiten.

Tourismus: Die Wertschöpfung des Tiroler Tourismus liegt bei 4,5 Milliarden Euro jährlich. Jeder dritte Euro wird direkt oder indirekt in dieser Wirtschaftssparte verdient.

Urban: Nicht nur Innsbruck, sondern der gesamte Ballungsraum in der Inntalfurche wächst. In der Landeshauptstadt sorgen rund 30.000 Studenten für urbanes Flair.

Verkehr: Auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse Europas gelegen, wird Tirol immer stärker vom wachsenden Transitverkehr geplagt. Der war somit Wahlkampfthema Nummer eins. 2017 fuhren 2,2 Millionen Lkw über die Brenner-Route.

Wohnen: Tirol ist eines der teuersten – in einigen Gegenden sogar das teuerste – Wohnpflaster Österreichs. Leistbarer Wohnraum ist Mangelware.

Xiberger: Westliche Nachbarn. Durch den Arlberg einst getrennt, durch den Arlbergtunnel verbunden.

Yeti: In Tirol noch nie gesehen. Aber der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner will dem behaarten Schneemensch im Himalaya begegnet sein.

Zaha Hadid: Mit der Sprungschanze auf dem Bergisel und der Hungerburgbahn auf der Nordkette schuf die inzwischen verstorbene Britin zwei Architektur-Ausrufezeichen in Innsbruck.

Großes Kuchenstück wird neu verteilt

537.000 Tiroler sind heute, Sonntag, zu den Urnen gerufen. Sie können zwischen acht Parteien wählen, die dieses Mal auf dem Stimmzettel stehen. 2013 waren es noch elf. Von denen treten bei dieser Landtagswahl nur noch fünf wieder an. Deshalb sind rund 20 Prozent der Stimmen auf dem Markt, die neu verteilt werden.

Selbst wenn es keine großen Verlierer geben sollte, könnte es aufgrund dieser Ausgangslage jede Menge Gewinner geben. Dass die ÖVP von Günther Platter als klare Nummer eins durchs Ziel geht, steht außer Frage. Die Schwarzen möchten gerne wieder einen Vierer vor dem Ergebnis stehen haben.

Bei einem größeren Plus wäre für die Volkspartei, die derzeit 16 der 36 Landtagssitze hält, die absolute Mandatsmehrheit möglich. Wahrscheinlich ist sie nicht.

Um Platz zwei kämpfen laut Umfragen die SPÖ und die FPÖ. Beide Parteien schnitten vor fünf Jahren miserabel ab. Für die Sozialdemokraten bedeuteten 13,7 Prozent sogar ein historisches Tief. Mit 9,3 Prozent als Ausgangsbasis haben die Freiheitlichen gute Chancen auf ein großes Plus.
Die Grünen fürchten, unter die 10-Prozentmarke zu fallen. Für diesen Fall haben die derzeitigen Koalitionspartner der ÖVP bereits den Gang in die Opposition angekündigt.

Die Neos wollen bei ihrem erstmaligen Antreten in Tirol die Fünf-Prozent-Hürde in den Landtag überspringen. Die will auch die Liste Fritz erneut nehmen. Kaum Chancen auf den Einzug in den Landtag haben die Parteien „Impuls Tirol“ und „Family“, die aus der zerbröselten VP-Abspaltung Vorwärts Tirol hervorgegangen sind.