Hans Jörg Schelling und sein deutsches Gegenüber Wolfgang Schäuble.

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Hypo-Debakel
03/12/2015

Heta: Deutsche Banken zittern um etliche Milliarden

Finanzminister Schäuble in Sachen Hypo in Wien - für deutsche Institute geht es um 5 Mrd. Euro.

Der Haircut bei der Hypo-Abbaueinheit Heta wird auch bei vielen deutschen Finanzinstituten tiefe Spuren hinterlassen. Von der vor eineinhalb Wochen verhängten Aussetzung von Schuldenzahlungen sind Anleihen im Umfang von gut 8 Mrd. Euro betroffen. Allein deutsche Banken und Versicherer halten davon zumindest 2,5 Mrd. Euro in ihren Büchern, so das Handelsblatt.

Darin sei der 2,3 Mrd. Euro schwere BayernLB-Kredit noch gar nicht enthalten, so das Blatt - wobei die BayernLB selbst sagt, dass es wegen der Franken-Entwicklung eigentlich schon 2,8 Mrd. Euro sind. Damit wäre man schon einmal bei mehr als 5 Mrd. Euro. Freilich ist das auch erst der momentane Stand, soweit er bisher bekannt ist. Denn es haben sich erst ein paar Bondholder offiziell identifiziert.

Düsselhyp in Gefahr

Ernsthaft gefährdet sein soll etwa in Deutschland durch das Heta-Moratorium nun die Düsseldorfer Hypothekenbank (Düsselhyp). Sie ist der Zeitung zufolge so stark in solche Anleihen engagiert, dass die Abschreibungen ihre Kapitalbasis gefährlich schmälern könnten. "Die können ein ernsthaftes Kapitalproblem bekommen", werden Finanzkreise zitiert. Die kleine Pfandbriefbank aus Düsseldorf wies Ende 2013 einen Bestand von Heta-Anleihen im Umfang von 348 Mio. Euro aus. Ob die Düsselhyp seither Anleihen verkauft hat, ist unbekannt, zuletzt war ihr aktuelles Exposure auf 280 Mio. Euro geschätzt worden. Beide Summen wären für die Düsselhyp ein Problem: Ihr Kernkapital betrug im Juni 2014 gerade einmal 233 Mio. Euro.

Fitch hat Alarm geschlagen

Die Ratingagentur Fitch hat am Dienstagabend jedenfalls ungewöhnlich deutlich Alarm geschlagen. "Der Zusammenbruch der Bank ist unvermeidlich, es sei denn, sie erhält Kapitalunterstützung", schreiben die Analysten. Sie stuften das Rating, das die eigenständige Überlebensfähigkeit einer Bank beschreibt, auf die niedrigste Stufe - die direkt über dem Zahlungsausfall liegt.

Auch andere deutsche Finanzinstitute bekommen das Heta-Moratorium zu spüren. Die Munich Re muss laut Handelsblatt einen dreistelligen Millionenbetrag abschreiben. Durch die Wertberichtigung dürfte das Ergebnis des 1. Quartals um einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belastet werden, hatte Munich-Re-Finanzvorstand Jörg Schneider am Mittwoch bei der Bilanzpräsentation erklärt. Bei der Deutschen Pfandbriefbank radierten Abschreibungen auf Heta-Bonds zwei Drittel des Jahresgewinns aus. Die DZ Bank ist mit einem "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" betroffen.

Schäuble in Wien

Das Thema hat mittlerweile die deutsche Regierungsebene erreicht. Am Donnerstagabend wird Finanzminister Wolfgang Schäuble in der Wiener Hofburg ein Referat über europäische Finanzpolitik in Krisenzeiten halten - auf Einladung von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP). Neben der Griechenland-Krise dürfte es beim Gespräch der beiden Ressortchefs auch um die Heta gehen. Schäuble bereite aber keine Klage vor, so die Zeitung. Darüber war nach einer missverständlichen Äußerung von Schäuble in Brüssel spekuliert worden.

In rund einem Jahr will die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Bescheide verschicken, wie die Gläubiger am Haircut beteiligt werden. Dagegen können die Betroffenen dann innerhalb einer Frist von drei Monaten klagen.

Gegen das seit 1. März laufende Rückzahlungsmoratorium und den danach zu erwartenden großen Schuldenschnitt gemäß dem seit 1. Jänner 2015 geltenden Bankensanierungs- und Abwicklungsgesetz (BaSAG) werden von Investoren jede Menge Klagen erwartet. Zuletzt hat dies laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg die deutsche FMS Wertmanagement - die Bad Bank der deutschen Hypo Real Estate (HRE) - im Zusammenhang mit einem 450-Mio.-Euro-Bond angekündigt, wobei es zunächst um eine am 6. März fällig gewesene Zahlung von 200 Mio. Euro zuzüglich Zinsen gehen soll.

Söder öffnet Tür für Vergleich um ein Spältchen

Der bayerische Finanzminister Markus Söder öffnet sich offenbar wieder etwas für Vergleichsverhandlungen mit Wien. "Wir werden uns einer Verhandlungslösung nicht verschließen. Wir sind für jeden guten Vorschlag offen - nur jeder der bisher war, der war halt nicht gut", sagte Söder im ORF-Radio am Donnerstag. Aber: "Wir wollen unser Geld zurück, die Bank ist kampfbereit", so Söder laut Nachrichtenagentur dpa. Söder musste am Donnerstag im Haushaltsausschuss des weiß-blauen Landtags Rede und Antwort stehen.

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