Kickls Radiosender und das unerwartete Comeback der Parteimedien
„Echte Hits für echte Österreicher und Nachrichten, die wirklich relevant sind für unser Land.“ Das verspricht Austria First, der Online-Radiosender der FPÖ, der wie berichtet am 17. Jänner starten soll.
Das nächste Angebot im blauen Medien-Bauchladen, den die Partei durchaus erfolgreich betreibt. So kommt der YouTube-Kanal von FPÖ-TV auf 241.000 Abonnenten. Werte, von denen die SPÖ nur träumen kann. Der vor wenigen Monaten gestartete rote Kanal SPÖ eins kommt auf 3.990 Abonnenten. Wie Vizekanzler Andreas Babler Weihnachten feiert, wollten zuletzt 4.560 Menschen sehen.
Längst will auch keine Partei auf ihre eigene Online-Zeitung verzichten – von unzensuriert.at (FPÖ) über zur-sache.at (ÖVP) bis hin zu kontrast.at (SPÖ). Hinzu kommen zahllose parteinahe Medien vor allem im FPÖ-Umfeld, die mehr oder weniger ungefiltert die Partei-Botschaften transportieren.
Eine Entwicklung, die noch vor 20 Jahren für undenkbar galt. Damals gingen nach der Reihe die klassischen Parteizeitungen zugrunde. Niemand wolle mehr parteipolitisch gefärbte Berichterstattung lesen, hieß es damals. Wie kann es sein, dass sie im digitalen Zeitalter ein unerwartetes Comeback feiern?
Trendwende
Für Katrin Praprotnik, Politikwissenschaftlerin an der Uni Graz, stecken unter anderem vergleichsweise banale ökonomische Faktoren hinter dieser Trendwende: „Printausgaben sind mit hohen Produktionskosten verbunden. Die Digitalisierung und damit die kostengünstige Möglichkeit, Online-Zeitungen zu produzieren, hat auch den Parteimedien wieder einen neuen Schwung gegeben“, sagt sie zum KURIER.
Wobei sie vor allem dazu dienen würden, die eigene Anhängerschaft an sich zu binden. „Hier können Parteien ihren Blick auf die Politik ungefiltert verbreiten. Da Bürger Politik meist sowieso durch eine parteipolitische Brille wahrnehmen, werden Erklärungen der eigenen Partei auch wohlwollend angenommen“, erklärt die Expertin.
Blaue Medienwelt
Dass die FPÖ beim Betrieb parteieigener Online-Medien im Vergleich zu anderen Medien derart erfolgreich sei, habe für sie mit der Zusammensetzung ihrer Wählerschaft zu tun. „Sympathisanten der FPÖ zeigen sich in Umfragen im Vergleich zu anderen Gruppen besonders misstrauisch gegenüber klassischen Medienangeboten“, sagt Praprotnik. „Das Angebot der FPÖ trifft daher auf eine vorhandene Nachfrage nach anderer Information.“
Insofern mache ein eigenes FPÖ-Radio als nächste Ausbaustufe durchaus Sinn: „Ein Radiosender kann Menschen im Alltag begleiten und eröffnet so eine ganz beiläufige Verbindung mit ihnen. Zudem kann man in der Bewerbung seitens der Partei bereits erkennen, dass man hier entsprechend dem politischen Programm mit einem Fokus auf Österreich auch bei der Musik vor allem auf österreichische Beiträge setzen und so ein Radioprogramm passend zum politischen Programm erstellen wird.“ Wie die Nachrichten- und Musikauswahl tatsächlich aussehen wird, will man seitens der FPÖ derzeit aber noch nicht verraten.
Ungewohnter Name
„Einzig für mich überraschend ist, dass man dafür auf einen englischsprachigen Namen gesetzt hat – auch trotz der so entstandenen Anlehnung an Donald Trumps Slogan ,America first‘“, sagt die Expertin.
Demokratiepolitisch ortet sie in der Renaissance der Parteimedien per se kein Problem. „Wichtig ist nur, dass sich die Konsumenten im Klaren sind, dass klassische Merkmale von journalistischen Produkten – wie eine unabhängige Redaktion, die über Argumente und Gegenargumente berichtet – hier nicht gelten. Ein Parteimedium hat kein Interesse, das vielleicht ebenso gute Argument des politischen Mitbewerbers eine Bühne zu geben.“
Problematisch werde es aber dann, „wenn Parteien nicht mehr mit klassischen Medien kommunizieren, nicht mehr für Interviews außerhalb der eigenen Kanäle zur Verfügung stehen“, sagt Praprotnik. „Das käme einem Ende der öffentlichen politischen Debatte gleich und würde eine massive Gefahr für die Demokratie darstellen.“
Womit wir wieder bei der FPÖ wären. Bis auf Ausnahmen verweigert Parteichef Herbert Kickl Interviews mit herkömmlichen Medien. Ganz anderes Verhalten wird er wohl ab 17. Jänner beim blauen Radiosender an den Tag legen.
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